8. Mai 2013

Flimmerkasten: „Fünf Jahre Leben“

Kinostart: 23. Mai

Er wird getreten, bespuckt und gequält: Der Film „Fünf Jahre Leben“ zeigt, was dem Bremer Murat Kurnaz in Guantánamo widerfuhr. Es ist ein erschütterndes Drama – 95 Minuten, in denen ich mehrmals wegschauen musste, weil ich die Bilder und das Geschehen einfach nicht mehr ertrug. Basis des Films von Stefan Schaller ist Kurnaz‘ Biografie: „Fünf Jahre meines Lebens“.

Der Fall Kurnaz hat mich in meiner Studienzeit viel beschäftigt. Unzählige Artikel las ich damals im „Spiegel“ darüber, dass der Bremer unschuldig in Guantánamo saß – wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Festgenommen wurde Kurnaz in Pakistan kurze Zeit nach den Anschlägen am 11. September, insgesamt war er 1725 Tage im US-Gefangenenlager.

Wie der heute 31-Jährige überhaupt in Pakistan und dann in Guantánamo landete, das wird in „Fünf Jahre Leben“ in Rückblenden gezeigt. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Zeit seiner Inhaftierung. Es sind schwere Bilder, die dem Zuschauer zugemutet werden. Gefühlskalte, unmenschliche Soldaten, die einfach ohne Grund losprügeln, die Gefangenen foltern. Wenn nur ein Bruchteil dessen stimmt, was im Film gezeigt wird, ist es einfach nur eine Tragödie: Eine Tragödie für die westliche Welt, dass mit Menschen so unzivilisiert umgegangen wird. Es ist einfach nur beschämend zu sehen. Menschenrechte: Fehlanzeige. Der Hungerstreik von Inhaftierten, der gerade durch die Medien geht, ist dann nur die logische Konsequenz und nachvollziehbar.

Gleichwohl: Ich hätte mir von dem Film ein wenig mehr gewünscht, als nur die Perspektive von Kurnaz. Am Ende steht lediglich im Abspann, dass sich die Bundesregierung nicht für ihn einsetzte. Darüber hätte ich auch im Film gerne mehr erfahren.
Um die Dramatik der Inhaftierten zu zeigen, hätte außerdem weniger Gewalt und Brutalität genügt. Auch wenn die Realität so aussehen mag, manchmal ist weniger mehr. So ging ich völlig erschlagen aus dem Film, war zwischenzeitlich wegen der unmenschlichen Szenen in der Tat gestresst. Es ist ein Film der Extreme. Schade. Denn der Fall Kurnaz und die Tatsache, dass Guantánamo immer noch nicht geschlossen ist, sind es wert, viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@mademoiselle_miriam