30. Oktober 2013

Melodien: Laing

Für die BNN war ich am Wochenende beim Konzert von Laing, der Artikel ist heute in der Zeitung nachzulesen.

Männer sollten es sich besser nicht mit den Damen von Laing verscherzen, das macht Sängerin Nicola Rost gleich zu Beginn des Konzertes im Substage klar. Ihre Konsequenz aus einem gebrochenen Herzen: „Ich mache dich kalt.“ Diese Drohung haucht sie beim Opener „Ding Dong“ mit gefährlich unterkühlter Stimme ins Mikrofon. Das minimalistische Bühnenbild unterstützt die düstere Stimmung: Völlige Dunkelheit herrscht. Die drei großen Stehlampen sind alle aus – noch.

Schlagartig änderte sich die Stimmung, als danach die ersten Takte zu „Paradies naiv“ erklingen, der Groll bei den Sängerinnen ist wie weggeblasen. „Vielleicht geht er fremd. Ich will es nicht wissen“, ist statt Rachegelüsten nun zu hören. So zeigt sich schnell: Die äußerst adretten Damen von Laing sind keineswegs gefährlich, wollen nur spielen – und das auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Wortspielereien, Stimmakrobatik und Lautmalereien: Es ist ein ausgefeiltes Programm, das die Frauenformation an diesem Abend in Karlsruhe zeigt. Laing, das sind die Sängerinnen Nicola Rost, Johanna Marshall und Atina Tabé sowie Choreografin Marisa Areny. Untermalt sind ihre meist durchdachten und oft auch humorvollen Texte von minimalistischen Beats. Funk- und Soul-Elemente tauchen darüber hinaus immer mal wieder auf. Interessant: ihre ganz eigene Coverversion von „Alles nur geklaut“ von den Prinzen.

Selbst wenn der Besucherandrang an diesem Abend im Substage ein wenig verhalten ist, schafft es die Damen-Band aus Berlin innerhalb kürzester Zeit, den Funken überspringen zu lassen. Das liegt nicht nur an den akustischen Reizen, sondern auch an der visuellen Gestaltung. Die Choreografie ist der Musik bis ins Detail angepasst. Bei „Maschinell“ zeigt die durchtrainierte Tänzerin Marisa Arney, wie sie sich auf den Punkt genau zu Melodie und Text bewegen kann, roboterhaft, abgehackt. Ergänzt wird die Einheit von Text, Melodie und Tanz durch das Bühnenoutfit der Künstlerinnen; minimalistisch, schwarz und weiß dominieren.

Außer Männerproblemen sind es vor allem Alltagserlebnisse, die die Songs von Laing prägen: Sei es der Wunsch nach Zigaretten, („Sehnsucht“) oder eine Autofahrt („Durch die Nacht“). Immer wieder tauchen in den Liedern Lautmalereien auf, werden kombiniert mit der Choreografie, machen das Konzert von Laing besonders. Das Zuschlagen einer Tür wird imitiert, die Ansage eines Navigationssystems ist zu hören. Und ein Insekt wird akribisch gesucht.

Bundesweit bekannt wurde die Band durch einen Auftritt beim Bundesvision Songcontest im Jahr 2012. Mit „Morgens immer müde“ landete Laing damals auf Platz zwei – ein Überraschungserfolg. Basis des Songs ist der Klassiker von Trude Herr aus den 1960er-Jahren. Die Berliner Damen machten ihn sich mit modifiziertem Text, Synthesizern und eingängigen Beats zu Eigen. Ein Ohrwurm entstand. Das Publikum im Substage wartet sehnsüchtig darauf. Als ihn die Musikerinnen ganz am Ende samt Intro anstimmen, ist die Stimmung am Siedepunkt. Zugaben werden gefordert. Zu Recht. Ein Konzert von Laing ist ein musikalisches und optisches Vergnügen.

Laing

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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