14. November 2013

Flimmerkasten: „Blue Jasmine“

Als ich den Trailer von „Blue Jasmine“ vor Monaten im Open-Air-Kino zum ersten Mal sah, stand für mich fest: Diesen Film von Woody Allen muss ich nicht sehen. Cate Blanchett als eine Frau, die alles verliert, deshalb bei ihrer Schwester in der unteren Mittelschicht landet und mehr trinkt, als ihr gut tut. Nein. Das kam alles sehr schwer und theatralisch rüber.

Doch dann las ich in den vergangenen Tagen mehrere sehr positive Kritiken über den Film, wurde neugierig und schaute ihn mir doch an. Froh bin ich darüber. Nach dem zwar kurzweiligen, aber wenig beeindruckenden „To Rome with Love“ hat Woody Allen wieder ein sehr ansprechendes Werk auf die Leinwand gezaubert.  „Blue Jasmine“ ist böse, lustig, aber auch ernst, dabei keine Minute anstrengend, sondern einfach nur sehr unterhaltsam und zeigt einen Einblick in die groteske Welt der Superreichen.

Im Mittelpunkt steht Jasmine. Viele Jahre lebte sie mit ihrem Mann Hal (Alec Baldwin) ein Leben in Saus und Braus. Wien, Cannes und Paris. Überall war sie schon. Aß Sachertorte mit neuem Wein (eine meiner Meinung nach höchst experimentelle Kombination). Das Problem: Der scheinbar erfolgreiche Hal entpuppt sich nicht nur als notorischer Fremdgänger, sondern auch als kriminell. Jasmines oberflächliches Society-Leben ist plötzlich futsch. Ihr bleibt nichts außer ein paar Louis Vuitton-Koffer,  in denen noch wenige exquisite Kleider liegen sowie ein First-Class-Ticket. Mit diesem fliegt sie von New York zu ihrer Schwester Ginger nach San Francisco.

Zwei Welten prallen dort aufeinander: Ginger arbeitet als einfache Angestellte in einem Supermarkt. Ihr Zuhause ist keine noble Villa, sondern eine sehr solide Wohnung. Dort lebt sie mit ihren übergewichtigen und aufmerksamkeitsgestörten Söhnen. Die einzige Übereinstimmung zwischen den Schwestern: Bei Männern beweisen sie beide kein glückliches Händchen.

Ein Mensch hält nur einer gewissen Zahl an Traumata stand, bis er auf die Straße rennt und losbrüllt. Diesen Satz sagt Jasmine gegen Ende des Filmes zu ihren zwei Neffen. Bei ihr was es definitiv zu viel des Guten. Das Resultat: Aus der schönen Vorzeige-Dame ist ein nervliches Wrack geworden. Sie nimmt einen Drink nach dem anderen, Beruhigungspillen sind ihre ständigen Begleiter. Ständig kämpft sie gegen ihre Panikattacken, zittert, ist fahrig, heult und führt Selbstgespräche. Das grenzt streckenweise an Wahnsinn. Cate Blanchett geht dabei so in ihrer Rolle auf, dass es ein Genuss ist, ihr zuzuschauen.

Woody Allens „Blue Jasmine“ ist vom Anspruch zwar meilenweit von Werken wie „Die Stadtneurotiker“ entfernt, trotzdem ist der Film ein richtig netter Zeitvertreib. Auch der Soundtrack ist äußerst gelungen. Für mich ist „Blue Jasmine“ gar einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres 2013.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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