12. Dezember 2013

Flimmerkasten: „Imagine“

Kinostart: 2. Januar

Er schnipst mit den Fingern, klatscht in die Hände und bahnt sich mithilfe des Echos seinen Weg durch Lissabon. Ian (Edward Hogg) ist blind. Zur Orientierung hat er sich seine ganz eigenen Methoden antrainiert. Auf einen Stock verzichtet er. Stattdessen schätzt er mithilfe von Geräuschen Entfernungen ein und versucht so, Hindernisse zu umgehen. Das gelingt ihm mal mehr, mal weniger. Zahlreiche Schrammen zieren sein Gesicht, Blutkrusten erinnern an Stürze und Kollisionen.

Ian kommt nun an eine private Blindeneinrichtung in Lissabon und soll dort den Kindern bei der Orientierung im Alltag helfen. Doch seine alternativen Methoden geraten an ihre Grenzen und sorgen für Ärger.

Das ist die grobe Rahmenhandlung von „Imagine“, dem neuesten Film des polnischen Regisseurs Andrzej Jakimowski. Eigentlich mag ich schöne Arthaus-Werke. Doch „Imagine“ hat mich nahe an den Wahnsinn getrieben – so schrecklich langweilig war mir im Kino selten. Hätte ich den Film im Fernsehen oder auf DVD gesehen, hätte ich wahrscheinlich nach zehn Minuten aus- oder umgeschaltet. Im Kino musste ich nun aber durchhalten. Eine 102-minütige Qual.

Dabei hat sich Jakimowski sichtlich viel Mühe gegeben. Die Bilder sind toll (Lissabon wirkt einfach traumhaft), die Musik ist ein Genuss und auch das Spiel mit den Geräuschen ist interessant anzusehen. Doch die Geschichte ist einfach viel zu eindimensional – es passiert kaum etwas. Es gibt zwar eine sanfte Liebesgeschichte mit einer Patientin (Alexandra Maria Lara), doch auch diese Facette des Films mag nicht recht überzeugen und wirkt am Ende nur noch kitschig. Hilfe.

Es ist außerdem sehr anstrengend, Alexandra Maria Lara dabei zuzusehen, wie sie die blinde und scheue Deutsche spielt. Schrecklich hölzern wirkt sie und auch die Synchronisation ist suboptimal. Generell herrscht in dem Film ein Sprachenwirrwarr – was wohl zeigen soll, dass die Patienten international sind, aber bis in die letzte Konsequenz ist das dann nicht logisch umgesetzt.

„Imagine“ läuft am 2. Januar an. Ich kann jedem nur davon abraten, sich diesen Film anzuschauen – höchstens es ist das erste Date und die Beteiligten wollen knutschen. Hervorragend. Verpassen tut man bei „Imagine“ nämlich gar nichts.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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