25. März 2014

Flimmerkasten: „Die Bücherdiebin“

Es ist der Tod, mit dem alles beginnt – und endet. Als düsterer Sprecher fungiert er in „Die Bücherdiebin“ und erzählt die Geschichte von Liesel Memminger. Einem neunjährigen Mädchen, das kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs Romane stiehlt und mit den Schrecken der Naziherrschaft konfrontiert wird.

Unbedingt wollte ich diesen Film im Kino sehen. Die literarische Vorlage von Markus Zusak las ich vor etwa drei Jahren. Sie bewegte mich sehr. Ein wenig suspekt fand ich zwar zu Beginn, dass der Roman aus der Perspektive des Todes geschrieben ist, als ich mich aber nach wenigen Seiten daran gewöhnt hatte, konnte ich nicht mehr davon lassen. Vor allem das Ende haute mich um.

Nun also der Film. Groß war meine Freude, als ich feststellte, dass es ein Wiedersehen mit Sophie Nélisse gibt. Sie fand ich bereits in „Monsieur Lazhar“ unglaublich bezaubernd. Und auch dieses Mal überzeugte sie mich sehr. http://wp.me/p3915e-5V

Sophie Nélisse haucht Protagonistin Liesel Leben auf der Leinwand ein. Der Tod sucht sie zum ersten Mal in einem Zug auf. Ihr kleiner Bruder Werner stirbt dort neben ihr und wird schnell neben den Schienen beerdigt. Es ist bitterkalt, Schneeflocken purzeln vom Himmel, ein Buch fällt dem Totengräber aus der Tasche. Liesel reagiert schnell, hebt es auf, packt es unter ihre Jacke, nimmt es mit zu ihren Pflegeeltern, zu Rosa und Hans Hubermann in die Himmelstraße.

Liesel hat in dem kleinen Dorf keinen guten Start. Sie kann weder lesen noch schreiben, ist so dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt. „Dummkopf“ sagen sie zu ihr. Auch Pflegemama Rosa wirkt eher gefühlskalt und verbittert. „Saumensch“ nennt sie ihre Pflegetochter. Mit viel Herz begegnet ihr dagegen Hans Hubermann. Er bringt Liesel die Welt der Buchstaben näher. Und da ist noch Rudi, der Junge mit den zitronengelben Haaren, er wird ihr bester Freund. Viel Schabernack treiben sie zusammen.

Als eines Tages der Jude Max auftaucht, gerät das Leben der Familie Hubermann aber durcheinander. Sie verstecken den völlig entkräfteten jungen Mann.

„Die Bücherdiebin“ ist ein visuell sehr ansprechender Film geworden. Die Bilder sind in einem dezenten Braunton gehalten, schwächen das Grauen im Nazi-Deutschland ab. Generell unterhielt mich der Film bis zum Ende sehr gut, aber löste bis auf die letzten fünf Minuten kaum Gefühlsregungen in mir aus. Auch wimmelt es in dem Werk nur so von Logikfehlern. Im Keller der Hubermanns sind die einzelnen Worte, die Liesel lernt, in englischer Sprache geschrieben, die Buchtitel oder Plakate an den Hauswänden sind aber deutsch. Dieses Sprachenwirrwarr taucht so oft auf, dass ich irgendwann ob dieser Ungenauigkeit wirklich sehr irritiert war.

Auch einige Dialoge zwischen dem Juden Max und Liesel sowie mit ihrem Freund Rudi wirken sehr hölzern. Laut Spiegel online verriss die New York Times den Film als „Oscar-heischenden Holocaust-Kitsch“ – dem möchte ich nicht widersprechen.

Gleichwohl: Allein wegen der sehr unterhaltsamen Geschichte und der tollen Schauspieler (außer Sophie Nélisse sind noch Geoffrey Rush und Emily Watson dabei), verflogen die 132 Minuten sehr schnell. Diesen Kinobesuch bereue ich deshalb keineswegs!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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