13. Juli 2014

Heimat: „Ein Kaffee mit Aaron Schmitt“

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Foto: Aaron Schmitt

Auf einer Couch im „Bento“ hat es sich Aaron Schmitt gemütlich gemacht, als ich ihn an diesem sonnigen Samstagabend treffe. Ein WM-Spiel läuft auf der großen Leinwand im Hintergrund, die Stimme des Kommentators schallt immer wieder kurz auf, emotional, toreslustig. Ansonsten ist nur das Rattern der Kaffeemaschine zu hören. „Ich bin gerne im Bento“, sagt Aaron. 2012 lebte er für ein Jahr lang in Karlsruhe, studierte an der Kunstakademie, gründete mit Stefan Unser die Lesebühne. Danach zog er nach Braunschweig. Nun ist der Wortakrobat für ein Wochenende in die Fächerstadt zurückgekehrt. Zwei Poetry Slam-Auftritte sind der Anlass dafür.

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Foto: Arno Helfer

Gewöhnliche Fragen mag der 26-Jährige nicht, das wird schnell klar. „Von was lässt du dich inspirieren?“ Die Antwort ist knapp: „vom Leben“. Ein skeptischer Blick in meine Richtung folgt. Weitere Ausführungen bleiben aus. Ok, es geht um das große Ganze, Eindimensionalität unerwünscht. Ein gewöhnliches Wohlfühl-Porträt soll es nicht werden, muss es auch nicht.

Die ersten Texte schrieb Aaron, als er neun oder zehn Jahre alt war, ganz genau weiß er es nicht mehr. „Ich bastelte mir in diesen Geschichten meine eigene Welt – mit Fabelwesen.“ Er hielt sie fest auf weißem Papier, auf einzelnen losen Blättern, die er ordnete.

Jahre später entstand sein erstes Gedicht, die Wörter malte er an seine Zimmerwand, sie war danach voll: mit Substantiven, Verben und Adjektiven. Ist Schreiben seine Leidenschaft? „Es ist ein innerer Drang, hat etwas Passives, Erleidendes“, sagt er. In einem Teeladen, wo sich Literaten trafen, trug er sein Gedicht vor. Da war er 18 oder 19 Jahre alt und lebte noch in der Nähe von Darmstadt.

Seither steht Aaron regelmäßig vor Publikum, reist durch ganz Deutschland, trägt seine Geschichten vor. Zehn Texte gehören zu seinem festen Repertoire, er hat sie alle im Kopf. Welchen er wählt, hängt von der Stimmung ab. „Ich entscheide das spontan, intuitiv.“

Viele gute Abende hat er in den vergangenen Jahren erlebt. An das Poetry Slam-Jahresfinale 2012 in Ravensburg erinnert er sich noch. „Das war eine Veranstaltung in einem alten Theater, es war ausverkauft und die Stimmung war toll.“ Leute kamen danach auf ihn zu. „Der Austausch und das Feedback ist mir wichtig.“ Ehrlich und authentisch soll es sein, das bereichert.

Nach Karlsruhe kehrt er immer wieder gerne zurück. „Mein Fahrrad ist noch hier“, sagt er. Ob er jemals wieder hier leben werde, das weiß er nicht. Aber bei der baden-württembergischen Poetry Slam-Meisterschaft am 18. September im Tollhaus ist er auf jeden Fall dabei.

One thought on “Heimat: „Ein Kaffee mit Aaron Schmitt“

  1. Ralf SCHMITT sagt:

    …ich bin einfach…nur beeindruckt…und…stolz…

    …auf meinen Sohn…….für mich immer wieder aufs Neue …

    …meine Quellen der Inspiration…

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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