2. August 2015

Flimmerkasten: „Taxi Teheran“

Goldener Bär für Taxi Teheran

Die zwölfjährige Hana quasselt ohne Unterbrechung. Sie soll für die Schule einen Film drehen. Aber ganz schön viele Regeln gibt es zu beachten: Mann und Frau dürfen sich nicht berühren. Die Guten dürfen keine Krawatten tragen und das Thema sollte weder politischer noch wirtschaftlicher Natur sein. Hana erzählt dies dem iranischen Regisseur Jafar Panahi. Er ist ihr Onkel und holt sie an diesem Tag mit einem alten Taxi von der Schule ab. „Mit so einer Schrottkarre kommst du mich abholen? Ich hab allen in der Schule erzählt, dass mein Onkel Regisseur ist, und dann kommst du mit so was hier an?“, echauffiert sie sich mit ihrer hohen Mädchenstimme. Jafar Panahi bleibt gelassen und fährt los.

Hana ist nur eine von mehreren Fahrgästen, die an diesem Tag in seinem Taxi Platz nehmen. Wie ein Dokumentarfilm kommt „Taxi Teheran“ daher – ist es aber nicht. Jafar Panahi hat ein  wunderbares Werk geschaffen, das einen Einblick in das derzeitige Leben in Irans Hauptstadt gibt – intelligent, nachdenklich und an vielen Stellen außerordentlich komisch. Verdient hat er bereits den Goldenen Bären gewonnen. Da er offiziell aber 20 Jahre Berufsverbot hat und sich kaum in der Öffentlichkeit zeigt, kam Hana in Berlin auf die Bühne und nahm den Preis entgegen. 

Mit Tiefe und Komik

Zensur, Menschenrechte, Kriminalität – durch die verschiedenen Fahrgäste werden unterschiedliche gesellschaftliche Aspekte beleuchtet. Es ist eine sehr scharfsinnige Regimekritik, die durch die vielen humorvollen Moment sehr einfach konsumierbar wird – aber keineswegs an Brisanz oder Tiefe verliert.

Erschreckende Einblicke

Einige Fahrgäste erkennen den Regisseur, sprechen ihn auf die Kamera an, die von der Ablage im vorderen Teil des Autos alles filmt. Beispielsweise die Juristin, die auf dem Weg zum Gefängnis ist, weil ihre Mandantin in einen Hungerstreik getreten ist. Oder der Mann, der Raubkopien von westlichen Filmproduktionen unter anderem an Studenten verkauft.

Ein abruptes Ende, ohne Abspann

Jafar Panahi unterhält sich mit ihnen und lässt sie ihre Geschichten erzählen. Mit der Juristin spricht er direkt über Arbeitsverbote und Verfolgung, mit seiner Nichte über Zensur. Das Ende macht wenig Hoffnung, Der Regisseur verabschiedet sich mit einem logischen Bruch, der offenbart, dass es kein Dokumentarfilm sein kann und ohne Abspann. Er lässt den Zuschauer nachdenklich im Kinosessel zurück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@mademoiselle_miriam