27. Juli 2016

Melodien: „Fettes Brot bei Das Fest“

Die Sprache!!!

Ich bin enttäuscht. Wahrscheinlich bin ich damit eine Ausnahme, weil ganz schön viele Menschen am Samstagabend verdammt viel Spaß mit Fettes Brot hatten. Ich dagegen fluchte ganz schön oft. Warum? Die Sprache!!! Ich fragte mich mehr als einmal: Was ist in den vergangenen zehn Jahren mit den Hamburger Herren bitte passiert?! Waren ihre Songs früher lustig, kreativ und abwechslungsreich („Jein“, „Nordisch ny Nature“, „Emanuela“), singen sie nun einfallslos von der Liebe („Wenn ich bei dir bin, macht alles einen Sinn“), vom „Echo“ („Gib mir ein Echo – ohohoh“) geben post-pubertäre Ausdrücke wie „arschcool“ von sich und malen einen neongrünen Penis an die Wand – und das mit Ü40. Fragezeichen über meinem Kopf.

Langweilige Popsongs!

Hätten sie einfach nur ein Best-of ihr Hits gespielt, es wäre eine tolle Show geworden – trotz der immer wieder sehr fragwürdigen Tanzeinlagen, die mehr an eine Boygroup-Parodie erinnerten, als das man es ernst nehmen konnte. Aber leider mixten die Herren mit Strohhut, Wollmütze und gestreiften Shirt immer wieder ihre neuen Songs darunter – langweilige Popsongs, die ihre Banalität durch den Vergleich mit den Klassikern noch mehr offenbarten.

Schon bei ihrem künstlerischen Opener als Kleinkunst-Truppe fanden sie das rechte Maß nicht. Mit Gitarre und Bierkasten stolperten sie auf die Bühne. Mit welchem Song nur anfangen, wenn man keine großen Hits hat, schilderten die Herren dem Publikum selbstironisch ihr Problem. Sie stimmten deshalb Songs von Depeche Mode, den Red Hot Chili Peppers und Reinhard May an, um zu verdeutlichen, dass andere Bands dieses Problem nicht haben. Nach drei Beispielen hätte es gereicht, das Prinzip klar, aber nein, es musste noch ein weiteres her – und noch eins. Und warum „Songs für Liam“ von Kraftklub ein super Hit sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden.

Fluchende Familienväter

Glücklicherweise kamen schnell darauf „Nordisch by Nature“ und „Jein“. Damit war die Stimmung gerettet. Auch bei „Joker“, „Da draussen“, „Tage wie dieser“ oder „Bettina, pack deine Brüste ein“, war es ein großer Spaß, Fettes Brot zuzuhören. Aber dann flogen plötzlich Ausdrücke wie „Bitches and Motherfucker“ über die Bühne. Warum??? Schließlich standen da keine Gangster, sondern drei eher solide Männer und Familienväter, von denen einer für seine Kinder das Publikum Happy Birthyday singen ließ. Ganz schön schräg.

Peter-Pan-Syndrom

Vielleicht waren meine Erwartungen zu groß. Aber ich habe vor vielen Jahren die Herren schon mal live gesehen – und da waren sie deutlich mehr bei sich, als bei „Das Fest“ 2016. Wirkten authentischer, frischer. Erwachsen sein ist wohl nicht ihrs. Das Konzert endete nach drei Zugaben mit einem großen Knall. Eine bunte Rakete flog in den Himmel – der „geile Haufen“ tobte, ich nicht.

One thought on “Melodien: „Fettes Brot bei Das Fest“

  1. Zu Guttenberg sagt:

    …und wieso um alles in der Welt ist Vroniplag noch nicht aufgefallen, dass Dr. Renz eigentlich gar nie promoviert hat?

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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