11. September 2016

Heimat: „Ein Nachmittag mit dem HopOn/HopOff-Bus“

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Bequem durch Karlsruhe

Eigentlich kannte ich den roten Doppeldecker nur aus Großstädten. Berlin, London, Istanbul. Wer Sightseeing bequem und gebündelt haben möchte, kann sich in die Busse setzen und bekommt Information in passender Sprache ins Ohr gequasselt. Super easy, wenn auch nicht billig und eben für die Masse gemacht. Insider-Tipps exklusive.

Nun also auch Karlsruhe. Ich muss gestehen, ich war irritiert, als ich davon hörte, verdrehte die Augen und dachte: Was bitte bietet Karlsruhe alles für Stopps für eine zweistündige (!) Rundfahrt?! Ich mag Karlsruhe ja wirklich ganz gerne, aber dieses Projekt fand ich überdimensioniert. Große Sehenswürdigkeiten sind in der Stadt Mangelware, das kann man sich nur begrenzt schön reden. Da helfen auch keine Filter. Nun wollte ich aber nicht lästern, ohne mir selbst ein Bild zu machen. Ich suchte mir eine nette Begleitung, los ging es.

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Vorsicht: Baustelle

Wir starteten unsere Tour am Hauptbahnhof, ein Ticket kostet 15 Euro und ist für einen Tag gültig. Einen Stadtführer gibt es nicht, die Informationen kommen alle vom Band. Bemerkenswert ist, dass es bei der Sprachauswahl auch „Badisch“ gibt – ich hielt es damit aber nur zwei Minuten aus, wechselte dann wieder schnell zum Hochdeutsch, zu anstrengend der Singsang der Dame. Aufgrund von Baustellen oder Veranstaltungen kann es zu Änderungen bei der Fahrtroute kommen, hieß es gleich zu Beginn. Wer hätte das gedacht?!

Die Route ging dann über die Beiertheimer Allee zunächst in Richtung Karlstraße hin zum ZKM, wo der erste Stopp war. Die Informationen bis dahin waren eher mäßig spannend. Ein Mini-Abriss zur Stadt und Bevölkerungsstruktur – dann eine kurze Vorstellung der Europahalle. Dass diese aufgrund Brandschutzproblemen nur noch sehr eingeschränkt nutzbar ist, darüber sprach die Dame nicht. Über die Günther-Klotz-Anlage oder „Das Fest“ auch nicht. Nur das Europabad fand eine kurze Erwähnung. Spannend. Ein Spaßbad.

Was ist sehenswert? Wo sind Fun-Fakts?

Generell schauten wir uns des Öfteren irrtiert an, wenn die Dame von „Sehenswürdigkeiten“ am Straßenrand sprach. Das ehemalige ENBW-Gebäude an der Kriegsstraße. Joa. Das Achat-Hotel? Die Karlshochschule? Sehr spannend. Zum Bundesgerichtshof, zum Nymphengarten und zum ECE-Center erzählt sie dann gleich zweimal hintereinander das Gleiche, weil der Bus dort am Kreisverkehr wendet und wir zweimal vorbeifuhren. Aber mal wirklich: Gibt es dazu keine Fun-Fakts? Muss es tatsächlich innerhalb von drei Minuten zweimal der gleiche tröge Text sein?

Generell fehlt es der Tour an Witz und Kreativität. Klar, es gibt die Must-haves. Das Schloss liegt auf der Route, die Kunsthalle, der Schlachthof und dann geht es in Richtung Durlach. Daran ist nicht viel auszusetzen. Aber warum muss am Schlachthof einzig namentlich die Event GmbH erwähnt werden – zig Kreativbüros sind dort ansässig, das Substage, die Alte Hackerei, die Netzstrategen. Welchen Touristen interessiert denn, dass die Event GmBH von dort aus arbeitet???

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Wer hat den Audio-Guide konzipiert?

Auf dem letzten Drittel durch Durlach und zurück wird es auch ein wenig verwirrend. Plötzlich erzählt die Dame bei der Fahrt zum Turmberg etwas zum Fasanengarten. Und auf der B3 in Richtung Karlsruhe-Zentrum geht es plötzlich um das Ständehaus. Wurde diese Textabfolge eigentlich auf Logik und auf Verständlichkeit mit Fremden getestet?

Auch sind Ausführungen zur B3 und zu Autobahnauffahrten nicht das, was ich von einer Stadttour erwarte. Die zwei Stunden gingen zwar relativ schnell um, ein paar wenige interessante Infos gab es auch (die Mess‘ war zunächst am Schloss, Karoline Luise war dies dann aber zu laut, so wurde die Kirmes zunächst auf den Fest-, dann auf den Messplatz verlegt) – aber generell fehlt es an Schwung.

Wenigstens Sommersprossen!

Wahrscheinlich würde es schon reichen, wenn es einen Stadtführer gäbe, der das live mit Mikrofon macht, witzig und interessant etwas zu den Dingen links und rechts am Straßenrand erzählt – die einzelnen Stationen tiefer ausarbeitet, für „Ach, echt!“-Momente sorgt. Und nicht nur monoton langweilige und vor allem lieblose Basic-Fakts runterleiert. So ist die Bus-Fahrt mit dem Doppeldecker zwar keine Vollkatastrophe, aber einen wirklichen Mehrwert bringt sie nicht – außer verwuschelten Haaren durch den Fahrtwind und Sommersprossen durch den Platz an der Sonne.

Weitere Infos gibt es hier: http://www.karlsruhe-tourismus.de/buchen/stadtfuehrungen/HopOn-HopOff-Bus

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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