15. September 2016

Flimmerkasten: „Tschick“

Meine Erwartungen waren so hoch, Fatih Akin hat sie alle erfüllt

Als von K.I.Z. „Hurra die Welt geht unter“ erklingt, ist die Reise von Tschick und Maik fast zu Ende. Sie haben mit Kuhherden gekämpft, ihren Hunger besiegt und Benzin geklaut. Sie haben gelacht, geflucht und zu den Melodien von Richard Clayderman gesummt. Immer vereint, gegen all die Widrigkeiten der Welt. Es ist eine Freundschaft, die tief geht.

Dreimal habe ich bereits den Roman von Wolfgang Herrndorf gelesen, zweimal das Theaterstück gesehen – und trotzdem hat mich die Geschichte um die zwei 14-jährigen Außenseiter auf der Leinwand erneut so sehr berührt. Regisseur Fatih Akin ist etwas gelungen, was ganz selten vorkommt: Er hat einen Roman-Bestseller auf der Leinwand so fabelhaft visualisiert, dass es pure Freude ist, zuzuschauen. „Tschick“ als Film ist laut, lärmt, ist krawallig, aber auch wunderbar zart, authentisch, traurig und klug. Ich bin verzückt.

Dieser strahlend blaue Himmel! Und diese Jungs!

Es ist eine Kombination aus vielen einzelnen Dingen, die den Roadmovie so schön und besonders machen: Die Bilder (dieser strahlend blaue Himmel immer und immer wieder), die Musik (Beginner, Bilderbuch, Beatsteaks), die wunderbaren und witzigen Dialoge – alles ist rund, alles macht Spaß. Die 90 Minuten verfliegen einfach nur.

Dazu kommen die Schauspieler: Besonders die beiden Darsteller von Maik und Tschick sind perfekt ausgesucht. Man muss diese Jungs einfach ins Herz schließen. Wie Tristan Göbel den sensiblen und unsicheren Maik spielt und Anand Batbileg den lässigen und wirklich sehr witzigen Tschick, der aber auch mit dem Leben kämpft, schon morgens betrunken zur Schule kommt und Assi genannt wird – ich saß einfach nur in meinem Kinosessel und dachte: tolltolltoll diese Jungs. Wäre ich 14 Jahre alt, wäre ich nach diesem Film in mindestens einen von beiden verliebt.

Zwischen K.I.Z und Richard Clayderman

Fatih Akin gelingt es außerdem mühelos, die Message des Romans zu transportieren. Er pendelt zwischen laut und leise. Zwischen Action und Traurigkeit. Eben zwischen K.I.Z. und Richard Clayderman. Und er schafft das, was Jugendfilmen wie Fack Ju Göhte fehlt: Er stellt die Jugendlichen witzig dar, lässt sie in ihrer Sprache reden, aber nimmt sie ernst, hat Respekt vor ihnen. Man lacht mit, aber niemals über sie.

Nochmal!

Als ich „Tschick“ zum ersten Mal las, haute es mich um. Kaum hatte ich den letzten Satz gelesen, drehte ich das Buch um und fing nochmals von vorne an. Ich konnte den Roman einfach nicht weglegen. Auch der Film steht dem kaum in etwas nach. Alles was ich dachte, als der Abspann lief, war: Nochmal!

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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