27. September 2016

Kurioses: „Nackt“

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Nackt im WG-Zimmer

Nothing good happens after 2 A.M.: Wäre mein Leben eine Seifenoper, würde diese nächtliche Episode in das Sitcom-Genre fallen. Überdreht, mit ein wenig Sex und doch auch ein bisschen witzig. Es bestünde gar Plagiats-Verdacht. Denn der obskure Vorfall, der sich an einem grauen Winterabend mitten in meinem WG-Zimmer ereignete, ist ähnlich in „How I met your Mother“ zu sehen. In der vierten Staffel mit dem vielversprechenden Titel: „Der nackte Mann“.

Barney als Vorbild

Aber von vorne, der Reihe nach: Ich begegnete dem Herrn an einem Freitagabend. Es war kurz vor Weihnachten. Schneeflocken purzelten vom Himmel, der Duft von Glühwein und Waffeln erfüllte die Innenstadt. Überall leuchteten Lichter in grünen und roten Farben. Okay, stopp, genug Kitsch. Zum Wesentlichen: Also wir kannten uns bereits vom Sehen. Seit längerer Zeit schon verweilten wir in den ähnlichen Clubs, sahen uns vor der Bar, hinter der Bar, auf der Tanzfläche. Er adrett, Architekt, ja ein wenig wie Ted.

Blablabla

An diesem bestimmten grauen Winterabend gab es eine Feier, ganz schön weit außerhalb der Stadt. Wir Mädels schlitterten mit dem Taxi dorthin. Charmant sprach er mich an der Theke an, redete, redete und redete. Von sich, seinen Projekten, seinem Leben. Von seinen Eltern, Geschwistern, seinem Job. Seine Worte erreichten mich, aber prallten ab, schwebten davon, berührten mich nicht.

Ich wollte weg. Er kam hinterher, brachte mir Bier. Noch eins und noch eins. Und als ich irgendwann meinte, dass ich mir ein Taxi zurück in die Stadt rufe, wollte er mit. Ich überlegte kurz, schaute ihn an. Okay, dachte ich dann. Keine Eskapaden, kein näheres Kennenlernen. Aber vielleicht knutschen. Er vermasselte es im Taxi. Ich wollte nur noch heim, allein.

Awesome (Oder: Ein Selbstbewusstsein wie Barney)

Es gelang mir nicht. Seine Mission, mich zu überzeugen: noch nicht zu Ende. Als wir am Marktplatz ankamen, bezahlte er die Fahrt, stieg mit mir aus. Ein Gentleman sei er doch, betonte er. Wolle mich sicher zur Haustür bringen. Die Diebe, Räuber, schrägen Gestalten. Crazy sei die Welt.

Ich kapitulierte, es war bitterkalt, und als er sagte: „Kann man von deinem Zimmer den Weihnachtsmarkt sehen?“ Für einen Architekten sei solch eine Sicht inspiriend, sagte ich nicht nein, ich warnte nur: „Fünf Minuten, dann gehst du – aber komm mir nicht zu nah.“ Er lächelte, freundlich.

Was fangen wir nun mit dieser Gesamt-Situation an?

Ich hätte es besser wissen müssen. Wer morgens um 5 Uhr fremde Männer in die Wohnung lässt, darf sich nicht beschweren. Aber ich war geschlagen, k.o. – von all den vielen Worten. Ich ließ mich einfach auf die Couch fallen, während er zur Fensterfront meines wirklich schönen Zimmers lief, kurz hinausschaute, die wirklich großartige Panorama-Sicht genoss, sich dann umdrehte – und sich langsam auszog. Zuerst die Jacke, dann den Pulli, die Jeans, dann seine Boxershorts. Ach ja, die Socken auch noch. Ich rieb mir die Augen. Machte sie auf, wieder zu.

Er stand da. Nackt. Während ich noch in meiner Winterjacke auf der Couch saß und erstmal gar nichts sagte. Nur schaute. Dann fragte: „Und nun?“

Es ist tatsächlich nichts passiert. Ich wollte einfach nicht mehr. Trotz netten Aussichten. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Er war zerknautscht, sprachlos. Ging nach Hause beziehungsweise wie es sich dann später herausstellte: zu seiner Freundin, die friedlich schlief. Schneeflocken purzelten vom Himmel. Weihnachten kam bald.

Nothing good happens after 2 A.M.

One thought on “Kurioses: „Nackt“

  1. Herzogin Kate von Cambridge sagt:

    Darüber kann ich nur lachen.
    Mein Mann würde soetwas nie tun. Aber seinem Bruder Harry traue ich alles zu.
    Ein wahrlich amüsanter Text aber an Ihrer Stelle, liebe Autorin würde ich die Finger von diesem Hallodri lassen. Von wegen Prinz, pff.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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