2. April 2017

Heimat: „Ein Nachmittag mit Romy und Lisa von ,Slow Sunday'“

Das sind Romy und Lisa (von links). Die Bilder sind alle von Sebastian Heck.

„Slow Sunday“ in der Fettschmelze

Es zischt leise, dann versinken die Karottenspiralen im wilden Öl-Strudel. Sie tauchen für einen kurzen Moment in der brodelnden Flüssigkeit ab, dann wieder auf – bis sie Romy Marquart aus dem großen Topf holt. „Ich bin gespannt, wie die frittierten Gemüsenudeln zu Salaten und Suppen schmecken“, sagt sie zu Lisa Gewecke, die neben ihr in der Küche steht.

Die beiden Mädels testen an diesem sonnigen Samstag in Romys Wohnung verschiedene Rezepte aus: Passt selbst gemachte Salzbutter zu Radieschen? Schmeckt ein Hefekranz auch mit Mandelmilch, Bärlauch, Petersilie, Ruccola und Feta? Das kreative Tüfteln hat einen Grund: Am kommenden Sonntag, 9. April, laden Romy und Lisa wieder zu „Slow Sunday“ in der Fettschmelze – zu einem Frühstücks- und Brunchbüffet voller besonderer Leckereien.

Frühstück mal anders

„Wir haben für unsere siebte Auflage schon eine Woche vorher 60 Reservierungen“, sagt Lisa strahlend. „Es ist verrückt.“ Innerhalb nur weniger Wochen hat es sich in Karlsruhe herum gesprochen, dass es sich bei „Slow Sunday“ um ein Büffet der ganz besonderen Art handelt. Brötchen, Croissants oder klassisches Rührei: Fehlanzeige. Stattdessen gibt es Brot von der Bäckerei Lörz, eine Vielzahl selbst gemachter Aufstriche, Granola, Suppen, Waffeln sowie Wurst von der Metzgerei Brath und dem Erasmus Restaurant.

Gut, sauber, fair

„Wir orientieren uns beim Kochen an der Slowfood-Bewegung“, erläutert Romy. Das heißt: Alles, was sie zubereiten, läuft unter der Maxime: gut, sauber, fair. Essen soll Genuss sein – für jeden. „Nachhaltigkeit ist uns außerdem sehr wichtig“, fügt die 26-Jährige hinzu. Die Zutaten kaufen die beiden jungen Frauen deshalb auf dem Markt am Gutenbergplatz und transportieren sie mit dem Fahrrad in die Küche. So gibt es bei „Slow Sunday“ nur saisonale Sachen. „Am nächsten Sonntag unter anderem Radieschen, Spinat, Bärlauch und eventuell auch Rharbarber“, zählt Lisa auf.

Treffpunkt: Theke!

Während Romy aus der Bodensee-Region stammt, Tourismus-Management in Heilbronn studierte und wegen ihres Manns in Karlsruhe landete, kam Lisa durch ihr Pädagogik- und Angewandte Kulturwissenschaften-Studium in die Fächerstadt – und blieb nach ihrem Examen hier. „Kennengelernt haben wir uns dann durch unsere Männer – beides DJs“, sagt Romy und lacht. Immer wieder sahen sich die Frauen in Bars und Clubs, kamen ins Gespräch, stellten fest: Die Liebe zum Kochen ist ihnen gemein.

Was Eigenes starten

Im vergangenen Jahr entstand dann die Idee, gemeinsam ein kulinarisches Projekt ins Leben zu rufen. „Ich hatte über den Sommer mit einem anderen Mädel aus Karlsruhe, Theresa, vier Wochen lang in einem veganen Sommercamp für 100 Personen gekocht“, erinnert sich Romy. Alles frisch, alles selbst gemacht: Unglaublich viel lernte sie dadurch. „Danach war mir klar: Ich möchte selbst etwas machen.“ Mit Lisa und Theresa überlegte sie, was genau. Schnell war klar, in die Frühstücksrichtung soll es gehen.

Premiere im Pop-up-Store

„Als wir davon hörten, dass es im November und Dezember in Karlsruhe einen Pop-up-Store mit Café geben soll, nutzten wir die Chance und probierten uns zum ersten Mal aus“, sagt Lisa. Während es unter der Woche und samtags selbst gebackenen Kuchen und Kekse zum Kaffee gab, luden sie an fünf Sonntagen zu „Slow Sunday“. Die Nachfrage war von Anfang an da, nahm rasend schnell zu. Und als der Pop-up-Store schloss, war klar, das Konzept findet eine Fortsetzung, eben an anderer Stelle: der Fettschmelze. Nur Theresa fehlt inzwischen, des Studiums wegen.

Unterstützung: Willkommen!

Einkaufen, Aufstriche vorbereiten, Waffelteig machen: „In die ersten ,Slow Sundays‘ haben wir je 20 Stunden investiert“, rechnet Romy zusammen. Inzwischen konnten sie einige Abläufe optimieren, trotzdem: „Wir freuen uns über Unterstützung – beim Einkaufen oder in der Küche“, sagt Lisa. Denn nach wie vor ist ,Slow Sunday‘ nur ein Nebenprojekt der beiden Karlsruherinnen. Romy arbeitet noch im Erasmus Restaurant und macht eine Ausbildung an der Slowfood-Akademie, Lisa gibt freiberuflich Pädagogik-Seminare.

Er schwirrt umher: der Traum vom eigenen Café. „Leider fehlt uns dazu das Kapital“, sagt Romy. Allein die Mieten in der Innenstadt seien eine große Herausforderung, Unterstützung durch die Stadt fehle. Deshalb gibt es „Slow Sunday“ derzeit nur ein Mal im Monat, trotz der großen Nachfrage. Aber: Auf Anfrage und wenn es zeitlich passt, zaubern Lisa und Romy ihr Slowfood-Können auch unabhängig von „Slow Sunday“ – beispielweise für Geburtstage, Hochzeiten oder sonstige Feiern.

Lecker!

Ringringring. Die Küchenuhr schreit nun an diesem Samstagnachmittag. Der salzige Hefezopf mit Mandelmilch, frischen Kräutern und Feta ist fertig. Vorsichtig zieht Romy das heiße Blech aus dem Ofen und trägt es in den sonnigen Garten. Greift zu, fordert sie uns auf. Das machen wir gerne. Es schmeckt unglaublich lecker!

Info:

„Slow Sunday“ ist nun am 9. April und dann wieder am 14. Mai, jeweils von 10-15 Uhr. Am besten dafür rechtzeitig reservieren. Bei gutem Wetter kann sowohl drinnen als auch im Außenbereich der Fettschmelze gefrühstückt werden – es gibt so mehr Plätze. Mehr Informationen und Anmeldung bei „Slow Sunday“: https://www.facebook.com/SlowSundayBrunch/?fref=ts

Mehr Informationen zu Sebastian Heck: www.sebastianheck.com und https://www.facebook.com/SebastianHeckPhotography/?fref=ts

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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