15. Mai 2017

Fernweh: „Traumhaftes Tel Aviv“

Sehnsuchtsort: Israel

Der Abschied von Israel fällt mir schwer. Eine große Melancholie überkommt mich, als wir am Abend vor unserem Rückflug mit dem Taxi durch die Straßen Tel Avivs sausen. Kurz vor 20 Uhr ist wegen des Gedenktags für die Soldaten, dem Yom HaZikaron, bereits alles geschlossen – auch die Supermärkte, Kneipen und Restaurants. Die Rollläden sind unten, alles wirkt gespenstisch, vereinsamt, leer. Es ist ein unglaublicher Kontrast zu der sonst so geselligen Stimmung, zu den fröhlichen Menschen in und vor den Restaurants, zu dem munteren Treiben auf den Straßen und der Party am Strand. Stille. Nur die Sirenen ertönen später. „So kann ich nicht Abschied nehmen von dieser wunderbaren Stadt, ich muss ganz schnell wiederkommen“, dieser Gedanke ploppt in meinem Kopf auf, bleibt, bis heute.

…meine tolle Begleiterin.

Morgengebet im Flugzeug

Wir haben uns für einen Flug von Basel aus entschieden. Schon bei unserer Hinreise machen wir unsere ersten Begegnungen mit orthodoxen Juden. Am Gate stehen zahlreiche Männer mit Bärten, Kippa und schwarzen Hüten sowie Frauen, die alle Perücken oder Tücher tragen. Als im Flugzeug die Sonne aufgeht, halten die Männer mit der Thora in der Hand ihr Morgengebet, solch eine Stimmung habe ich selten in einem Flugzeug erlebt.

Ist Israel sicher?

Viele Gedanken haben wir uns im Vorfeld gemacht. Wie ist die politische Lage, wie hoch das Risiko für Anschläge? Können wir in solch einem Land tatsächlich einen unbeschwerten Urlaub erleben? „Ja, ja, ja“, hatte ein Freund, der ein Jahr lang in Israel lebte, immer wieder zu mir gesagt – und mich auch schon vorgewarnt, wo wir eventuell auf bewaffnete Soldaten treffen können. Außerdem bleute er mir ein, bei der Abreise in Tel Aviv auf jeden Fall drei Stunden zuvor am Flughafen zu sein – die Kontrollen sind härter, der komplette Koffer wird inspiziert.

Die Vorwarnungen waren hilfreich. Letztlich sahen wir während unserer Reise weitaus weniger Soldaten, als ich erwartet hatte. In Tel Aviv standen nur am Flughafen sowie am Bahnhof ernst aussehende Männer und Frauen mit Maschinengewehren. In Jerusalem waren einige in der Altstadt – aber sie stärkten mehr das Sicherheitsgefühl als dass sie verängstigten. Auch die Kofferkontrolle war letztlich kein Problem, wobei wir da wohl Glück hatten.

Unsere Airbnb-Unterkunft – in der Krachmacherstraße

Tel Aviv ist noch eine sehr junge Stadt. Sie wurde erst 1909 gegründet und entstand aus einem Vorort der Hafenstadt Jaffa, zu der ich im zweiten Blogteil mehr schreiben werde. Übersetzt bedeutet Tel Aviv übrigens Frühlingshügel.

Viele Häuser in der Stadt sind heruntergekommen, überall gibt es Baustellen. Als eine mittelschwere Katastrophe entpuppt sich leider auch unsere Airbnb-Unterkunft. Primär für mich. Denn während meine Begleitung generell einen super Schlaf hat, komme ich mit Lärm gar nicht klar. Das Krach-Problem in unserer schlecht isolierten Wohnung verursacht nicht etwa eine Partymeile, nein, es ist ein einzelnes Geschäft, der Burgerladen mit der türkisfarbenen Markise von gegenüber. Er spielt jede Nacht bis mindestens um 2 Uhr so laut poppige Musik über Außenlautsprecher, dass ich das Gefühl habe, neben einer Poolparty zu schlafen. Kaum hört dann dieser Lärm auf, kommt um 4.30 Uhr mit viel Radau die Müllabfuhr und gegen 7 Uhr beginnen die Bauarbeiten an der Großbaustelle nebenan. Jackpot. Kaum schlafe ich ein, bin ich wieder wach. Selbst Ohropax helfen nur begrenzt, ich bin den ganzen Urlaub völlig übernächtigt.

Ansonsten ist die Lage der Wohnung aber super. Sie liegt nur eine Seitenstraße vom Markt Shuk HaKarmel entfernt. Dort gibt es leckere Avocados, Käse, Süssigkeiten, Backwaren und ganz viel anderen tollen Krempel. Außerdem ist in unserer Straße jeden Freitag ein großer Flohmarkt.

So freundliche Menschen!

Allein schon durch Tel Avis Straßen zu laufen, ist ein großes Vergnügen. Wir werden mehrmals angesprochen, unter anderem von einer älteren Dame, die uns deutsch sprechen hört und uns erzählt, dass sie vor vielen Jahren von Deutschland nach Israel gezogen ist. Was besonders auffällig ist: die Hilfsbereitschaft. Kaum stehen wir auf der Straße und schauen in die Karte, kommen Menschen und fragen, ob alles okay ist. Auch unsere Airbnb-Vermieterin, eine junge Künstlerin, die mit in der Wohnung wohnt, schenkt uns Kaffee und ist jederzeit für uns erreichbar.

Der Weg rechts vom Hotel führte zu unserer Unterkunft.

Shenkin Street

Nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt, ist die Shenkin Street, eine der schönsten Straßen in Tel Aviv. Es gibt dort hübsche Cafés, Kleider- und Blumenläden sowie Accessoires zu kaufen. 

Bauhaus

Von der Shenkin Street ist es dann nicht mehr weit zum Rothschild Boulevard. Dort ist auch der Treffpunkt für die Bauhaus-Führung, die dort jeden Samstag um 11 Uhr kostenlos angeboten wird. Mehr als 4.000 Gebäude sind in Tel Aviv in den 1930er-Jahren überwiegend im Bauhaus-Stil gebaut worden, sie werden auch als „Weiße Stadt“ bezeichnet und sind von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt.

Hintergrund ist: Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wanderten viele Juden nach Tel Aviv aus, Wohnraum wurde dringend benötigt. Zahlreiche jüdische Architekten hatten ihre Ausbildung am Bauhaus Dessau erhalten und orientierten sich nun an diesen architektonischen Grundlagen. Bauhaus ist eine Kunstschule, die 1919 von Walter Gropius gegründet wurde. Sie verbindet die Bereiche Architektur, Design und Kunst. Der Zustand der Häuser in Tel Aviv ist heute ganz unterschiedlich:

 

Florentin

In dem Künstlerviertel Florentin fühle ich mich am wohlsten. Hier sind überall Cafés, Kneipen und Werkstätten. Besonders süß finde ich das Café Levinksy in der Levinsky Street 41. Sitzen kann man in einem ausgebauten Auto mit ganz vielen Blumen. Gleich nebenan ist außerdem ein Platz mit kleinen Cafés, wo wir auch einen Nachmittag verweilen. In Florentin gibt es außerdem zahlreiche Clubs und Streetart.

Café Levinksy

Neve Tsedek

Das Viertel Neve Tsedek ist aus den ersten jüdischen Siedlungen außerhalb Jaffas hervorgegangen. Viele Gebäude sind dort im Vergleich zu anderen Gegenden noch gut erhalten und sehr hübsch. In Neve Tsedek gibt es zahlreiche Läden für die Besserverdienenden, Galerien und Boutiquen. Dort kann man in den ruhigen Gässchen aber wunderbar spaziergehen und schlendern. Außerdem: Windowshopping-Time.

Bicicletta und Hakosem

Gleich zweimal gehen wir zum Essen in die Kneipe Bicicletta. Sie ist in der Nahalat Binyamin St 29 und bietet so unfassbar leckere Gerichte wie frittierte Zucchini-Pommes, Pita mit Rote-Bete-Hummus oder Sandwiches mit Brie. Unter der Woche gibt es dort außerdem eine Happy Hour und die ansonsten teueren Cocktails für die Hälfte. Besonders schön ist es im Hinterhof mit Wimpelketten und Fahrrad-Deko.

Sehr begeistert waren wir außerdem von den Falafeln bei Hakosem in der Shlomo ha-Melekh St 1. Sowohl unsere Airbnb-Vermieterin gab uns diesen Tipp als auch mein Freund, der in Tel Aviv gelebt hat. Die Wartezeiten sind zwar relativ lange, aber dafür laufen immer wieder Angestellte durch die Reihen und verteilen kostenlos die leckeren Kugeln mit Hummus-Füllung – als kleine Entschädigung. Und das Essen ist einfach ein Traum. Auch deshalb möchte ich unbedingt wieder nach Tel Aviv.

Sonstige Eindrücke:

Die große Synagoge

Die Independence Hall

Überall gibt es kleine Kiosks, wo man auch Kaffee trinken kann.

Rothschild Boulevard

zwischen Florentin und Neve Tsedek

Shalom Meir Tower

…und natürlich der Strand. Wo wir sehr gerne Zeit verbrachten.


Im zweiten und dritten Teil folgen bald die Erfahrungen aus Jaffa und Jerusalem.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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