20. Mai 2017

Kurioses: „WG – Liebe“

Love- and Sex-Vermittlerin

In meiner Zeit in WGs hätte ich als Partner- oder One-Night-Stand-Vermittlerin reich werden können. So oft wie mich in dieser Zeit Freundinnen besuchten – das war rekordverdächtig. Der Grund für ihre Besuche: meine durchaus adretten Mitbewohner.

Es begann bereits wenige Tage, nachdem ich in die nette Vierer-WG neben der KSC-Kneipe eingezogen war. Es war August und eine Freundin aus einer anderen Stadt, die gerade Single war und Semesterferien hatte, hing gerne bei mir ab.

Wir schliefen lange, saßen tagsüber auf dem Balkon und gingen feiern. Auch einer meiner Mitbewohner leistete uns gerne Gesellschaft. Er trank Wein mit uns, war mit uns in den Clubs, groovte über die Tanzfläche und sorgte für gebrochene Herzen. „Ich mag ihn“, gestand mir dann meine Freundin. Nur, was wolle er? Knutschen, ja oder nein? Ich wusste es auch nicht. Ratlosigkeit herrschte.

Noch.

Wir saßen an diesem Nachmittag auf dem Balkon, die Mittagssonne brannte auf uns hernieder. Ich las Kurzgeschichten von Anna Gavalda. Nette französische Anekdoten aus dem Leben. Das Schicksal meint es gut mit der Protagonistin. Sie hat sich auf einer Feier in einen Herrn verknallt, eine Annäherung gestaltet sich aber schwierig. So schleicht sie sich in nachts in sein Zimmer und legt sich einfach zu ihm ins Bett. Ihr Plan geht auf. Happy End.

Ich erzählte meiner Freundin davon – einfach so, weil ich das Kapitel amüsant fand. Für einen kurzen Moment war es still auf dem Balkon, es war ihr anzusehen, wie es in ihrem Kopf ratterte. Ich ahnte schon, was kommt. „Das mache ich auch“, sagte meine Freundin. Oha.

Die Stunden verstrichen, der Abend rückte näher. Mein Mitbewohner saß in seinem Zimmer, lernte, stundenlang. Weggehen, nein, heute nicht, meinte er, als wir uns fertig machten. Ein anderes Mal: gerne.

So zog ich mit meiner Freundin alleine los. Und als wir uns früh am Morgen auf den Nachhauseweg machten, war sie sich sicherer als zuvor. „Ich schlafe heute Nacht bei ihm.“ Leise öffneten wir die Haustür, ich ging ins Bad, sie lief zum Zimmer meines Mitbewohners, drückte vorsichtig die Klinke nach unten, trat in das Dunkel, weg war sie.

Ich sah sie erst am nächsten Tag wieder.

Amouröse Abenteuer

Auch eine andere Freundin, die in einer anderen Stadt lebt, kam gerne zu Besuch vorbei – und zeigte sich als sehr aufgeschlossen, war schnell eine feste Instanz in unserer Mitte. Es dauerte so auch nicht lange und sie verrutschte nach einer Partynacht bei der nächtlichen Wahl des Zimmers – statt bei mir, schlief sie einen Raum weiter, im Bett meines Mitbewohners.

Ein harmloser Vorfall, wäre nicht eine andere Freundin, mit der ich zu der Zeit kellnerte, in ihn verschossen gewesen. Auch sie hing deshalb ständig bei mir ab. Sie fand das amouröse Abenteuer meiner Freundin alles andere als nett. Ein gemeinsamer Spieleabend mit „Tabu“ auf dem Balkon eskalierte kurz darauf. Die bösen Blicke der Damen bohrten sich ineinander, die Worte, messerscharf und zwischendrin mein Mitbewohner, der wahrlich nicht sagen konnte, dass es für einen KIT-Studenten schwer ist, eine Frau in Karlsruhe zu finden.

Die Küche!

Bilder, die ich für mein Leben wohl nicht mehr losbekomme, kreierte eine Freundin, die geraume Zeit später bei mir in der WG übernachtete. Ich war gerade vier Wochen in einer Journalistenschule in Nordrhein-Westfalen gewesen und hatte sie auf dem Rückweg eingesammelt. Wir gingen abends in einem Club feiern. Während ich dort auf meinen aktuellen Date-Mann und eine ehemalige Romanze traf, lernte meine Freundin einen jüngeren DJ kennen. Als die Lichter angingen, wollte sie weiter mit ihm reden, eine weitere Freundin war noch da. Wir liefen in die WG.

Ich hatte genug, von den Männern, dem Chaos, dem ganzen Abend, wollte nur noch schlafen und legte mich einfach ins Bett, die anderen bewegten sich in Richtung Balkon. Das war meine letzte Information.

Als ich um 8.30 Uhr aufwachte, hatte ich fürchterlich Durst. Nahezu blind tapste ich nach meiner Brille im Bett – und stellte fest: Meine Freundin ist nicht da. Wo ist sie? Im Halbschlaf und verkatert, hörte an dieser Stelle der Denkprozess aber auf. Ich lief in meinem T-Shirt Richtung Küche: Waaaassser. Dass die Tür zur Küche geschlossen war, hätte mich irritieren müssen.

Hätte.

Stattdessen öffnete ich die Tür. Und sah Dinge, die man von Freunden einfach nicht sehen will.

Alles, was ich noch tun konnte, war: „Oh, sorry“ sagen, dann schloss ich schnell die Tür. Wanderte zurück ins Bett, ohne Wasser. Und machte ganz schnell die Augen zu.

In meiner Zeit in WGs hätte ich als Partner- oder One-Night-Stand-Vermittlerin reich werden können.

WG-Mini-Serie

Zum ersten Teil der WG-Geschichte geht es hier: http://dieschreibmaschine.net/2017/03/18/kurioses-wg-der-beginn/

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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