4. Juni 2017

Schmöker: Ein Abend mit Philipp Winkler und ‚Hool‘ im Kohi“

Foto: Kat Kaufmann

„Hauptsache es gibt Backenfutter“

Es geht Schlag auf Schlag, die Spannung ist sofort da. Adrenalin, Dynamik und Spannung. „Hool“ beginnt furios und verliert auf den folgenden 300 Seiten keineswegs Kraft. Der Debütroman von Philipp Winkler hat mich umgehauen, an mehreren Stellen saß ich beim Lesen einfach nur auf meinem Bett und war erschüttert – von Heiko, seinem Leben und seiner Wahl-Familie, den Hooligans aus Hannover. „Hool“ ist ein tieftrauriges Buch, das mich berührt, gefesselt und vor allem sprachlich sehr beeindruckt hat.

Wie viel in „Hool“ ist wahr, was Fiktion? Sechs Monate hat Philipp Winkler für seinen Debütroman in der Hooligan-Szene recherchiert. Er tauchte darin ab und sammelte Material. Als er vor einigen Wochen im Kohi in Karlsruhe eine Lesung gibt, wirkt er zurückhaltend, in sich gekehrt. „Insgesamt vier Jahre habe ich an ,Hool‘ geschrieben“, erzählt der Autor, der unter anderem Literarisches Schreiben in Hildesheim studiert hat. Die Arbeit hat sich ausbezahlt, er landete mit seinem Debüt auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und bekam den Aspekte-Preis. Weiterlesen »

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5. April 2017

Schmöker: „Die Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller

Über die Liebe

Sie begegnen sich zum ersten Mal an der Ostsee. Sofort sind sie da, die zarten Bande zwischen Dora Diamant und Franz Kafka; zwischen der jungen, unbekümmerten Köchin und dem todkranken, schwermütigen Doktor. Bei langen Spaziergängen kommen sie sich näher, schnell ist klar: Sie möchten sich nicht mehr verlieren, beinander bleiben, auch wenn die Umstände keine guten sind. Der Roman „Die Herrlichkeit des Lebens“ von Michael Kumpfmüller erzählt von Franz Kafkas letzten großen Liebe – vom ersten Aufeinandertreffen bis zu seinem Tod. Es ist ein sehr ruhiger, unaufgeregter und zutiefst trauriger, aber auch sehr schöner Roman. Weiterlesen »

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8. Januar 2017

Schmöker: „The Girls“ von Emma Cline

Mehr als ein Psychothriller

Suzanne trägt ein schmutziges und äußert kurzes Kittelkleid, als Evi sie zum ersten Mal im Park sieht. Die Faszination ist sofort da. Als sich ihre Blicke treffen, die schwarzhaarige Suzanne lächelt, beginnt Evis Herz zu hüpfen, die Luft schichtet sich um. Es ist der Beginn einer Verbindung, die Evis eintöniges Leben in einen Strudel reißt – voller Sex, Drogen und Gewalt.

„The Girls“ spielt in Kalifornien im Jahr 1969. Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Evi, die durch die wilde Suzanne schließlich in eine Hippie-Kommune gerät, deren Anführer Russell an Charles Manson erinnert. Er setzt minderjährige Mädchen unter Drogen, verleitet sie dazu, Morde zu begehen.

Allein diese Beschreibung hätte mich nicht dazu bewegt, „The Girls“ von Emma Cline zu lesen. Aber der Debütroman der Amerikanerin ist keineswegs ein stupider Psychothriller. Er ist vielmehr ein Psychogramm, das zeigt, was einen scheinbar gewöhnlichen Teenager dazu bringt, freiwillig die Nähe zu solch einer Sekte zu suchen – und dort auch bleibt. Außerdem ist „The Girls“ sprachlich eindrucksvoll. Weiterlesen »

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27. Dezember 2016

Schmöker: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

Die Kritiker rasten aus

„So etwas haben Sie noch nie gelesen.“ Wenn der Guardian solche Sätze über ein Buch verliert, werde ich neugierig. Was steckt hinter soviel Lob? Auch zahlreiche andere Medien überschlugen sich mit positiven Kommentaren. „Die Zeit“ war sich sicher, dass der Romanzyklus über zwei Freundinnen in die Literaturgeschichte eingehen wird. Ich wollte es genauer wissen und lief sofort zur Buchhandlung, als im Herbst nun auch in Deutschland „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante herauskam.

Nun bin ich ein wenig hin und hergerissen. Der erste Teil des insgesamt vierbändigen Romanzyklus ist äußerst interessant und macht Freude zu lesen, aber an die Superlativen mag ich mich trotzdem (noch) nicht anschließen. Weiterlesen »

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3. Oktober 2016

Schmöker: „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq

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Spannend, radikal, bereichernd.

Eine autoritäre muslimische Partei regiert im Jahr 2022 Frankreich. Der Trubel war groß, als „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq im Januar 2015 erschien. Besonders da die Veröffentlichung mit dem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zusammenfiel. Auch ich stand dem Werk lange sehr skeptisch gegenüber – zahlreiche Medien und Personen des öffentlichen Lebens warfen dem derzeit bedeutendsten französischen Autor islamfeindliche Tendenzen vor. Mich nervte es zunächst auch sehr, dass er in der eh schon aufgehitzten Lage ein für mich völlig utopisches Szenarium konzipiert: Eine muslimische Partei krempelt ein westliches Land um. Houellebecq schürt Ängste, das waren meine ersten Gedanken, als ich die Rezensionen über „Unterwerfung“ las.

Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich gestehen: Ich habe mich geirrt. Michel Houellebecqs Gedankenspiel ist keineswegs absurd, sondern sehr klug konstruiert. Seine Herleitungen klingen so logisch, dass es sehr spannend ist, ihnen zu folgen. Mit unglaublicher Genauigkeit beschreibt er die französische Gesellschaft, zieht immer wieder sehr interessante geschichtliche Vergleiche und zeigt auf, wie sich die Nation durch ihren Hedonismus, Kapitalimus und den ständigen Drang zur Individualisierung selbst zerstört. Weiterlesen »

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20. September 2016

Heimat: „Ein Nachmittag mit beschriftet“

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Das sind Jörg, Simon, Dominik, Johanna, Thomas und Aleksej (hinten von links) sowie Annegret und Daniela (vorne von links).

Junge Straßenliteraten mit Texten to go

Sie ziehen durch die ganze Stadt – an vier Tagen, ausgerüstet mit Mikrofon und ganz schön vielen Worten. Die Autorengruppe beschriftet bringt vom morgigen Donnerstag bis Sonntag unter dem Motto „Unterwegs“ moderne Literatur mitten auf öffentliche Plätze in Karlsruhe – zweimal täglich, jeweils 20 Minuten lang.

„Diese Teaser-Lesungen sind Werbung für unsere zweistündige Hauptveranstaltung im Kinosaal in der ,Kurbel‘ am Montag, 26. September,“, sagt Daniela Waßmer, ein Mitglied der beschriftet-Gruppe. Diese Hauptlesung ist ab 19 Uhr und läuft unter dem Motto „Angekommen“. Eingebettet sind die Veranstaltungen von „beschriftet“ in die Karlsruher Literaturtage 2016. Weiterlesen »

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18. September 2016

Schmöker: „Literaturtage Karlsruhe 2016“

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Kneipenlesung in der Südstadt

Literatur zwischen illustren Gestalten, Bier und Rauch: Das Pilskarussell in der Rüppurrer Straße 48 verwandelt sich am Mittwoch, 28. September, zu einem ganz besonderen Ort. Anlässlich der Karlsruher Literaturtage ist dort um 21 Uhr eine Kneipenlesung zu Adam Seides „ABC der Lähmungen“.

Dichter, Denker, Junkies, Linke, Geschäftsleute: Adam Seide setzt mit „ABC der Lähmungen“ den Stammgästen in der Hannoveraner Kneipe „Bei Erich“ ein Denkmal. „Wir wollten für diese Lesung eine besondere Kneipe mit Charakter – so fiel die Wahl auf das Pilskarussell“, erzählt mir Literaturtage-Organisator Matthias Walz bei unserem Treffen vor wenigen Tagen. Startschuss der einwöchigen Karlsruher Literaturtage ist am Mittwoch, 21. September, mit einem Dead-and-Alive-Slam im Badischen Staatstheater. Das Motto der Literaturtage ist in diesem Jahr „Literatur offensiv“. Weiterlesen »

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3. September 2016

Schmöker: „,Die geheime Geschichte‘ von Donna Tartt“

Die geheime Geschichte von Donna Tartt

Gute Dinge brauchen Weile

Donna Tartt hat mich mit „Die geheime Geschichte“ vor eine meiner größten Leseherausforderungen überhaupt gestellt. Entweder ich schaffe es bei Büchern zügig über die ersten 100 Seiten hinaus, dann bleibe ich dabei. Wenn sich der Anfang aber schon als schwierig erweist, verschwende ich keine weitere Zeit mit einem Buch. Next. Donna Tartt hat dieses Vorgehen nun komplett durcheinander gewirbelt. Weiterlesen »

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13. Juli 2016

Schmöker: „Zeitoun“ von Dave Eggers

Zeitoun

Eine brillante literarische Reportage

An manchen Stellen schauderte es mich, an anderen litt ich und am Ende war ich einfach nur erleichtert. „Zeitoun“ ist packend und spannend wie ein Thriller. Aber auch äußerst klug und gibt einen guten Einblick, was nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans los war. Die literarische Reportage rund um einen syrischen Familienvater erzählt von Anarchie gepaart mit Verzweiflung und Mut. Ab der zweiten Hälfte wird es gar so dramatisch, dass ich oft fluchte, dass dies eine wahre Geschichte ist, die Dave Eggers da erzählt. Und keine Fiktion. Weiterlesen »

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29. April 2016

Schmöker: „Ohrfeige“ von Abbas Khider

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Ein spannender, aber auch deprimierender Roman

Flüchtling Karim möchte eigentlich nach Paris. Doch sein Schleuser lässt ihn in der bayerischen Provinz stehen. So stellt der junge Mann aus dem Irak dort seinen Asylantrag – es beginnt eine Odyssee durch die Absurditäten der deutschen Bürokratie, ohne Happy End. Abbas Khider ermöglicht mit „Ohrfeige“ einen Blick in das Innenleben eines Flüchtlings, auf spannende, ernüchternde, desillusionierende, aber auch sehr kurzweilige und humorvolle Art. Es ist ein Perspektivwechsel, der lange nachwirkt und aufklärt. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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