Posted on April 2, 2013

„Mademoiselle Populaire“

Kinostart: 11. April

Wenn es einen Film gäbe, der nur für mich gemacht wurde, dann ist das wohl  „Mademoiselle Populaire“.

Frankreich 1958: Die etwas tolpatschige Rose möchte raus aus dem Dorf, hinein in die Stadt. Ihre Talente sind begrenzt, aber eins kann sie ungeheim gut: auf der Schreibmaschine tippen. Das macht sie zwar etwas unkonventionell, das Zehn-Finger-System beherrscht sie nicht, das macht aber nix. Denn sie ist wahnsinnig schnell.  Der smarte Versicherungsagent Louis stellt sie deshalb als Sekretärin ein. Eine Woche auf Probe.
Rose kann mit ihren beruflichen Kompetenzen letztlich nicht überzeugen. Zu schusselig ist sie. Louis erkennt aber ihr Potenzial im Maschinen-Schnellschreiben und meldet sie bei einem Wettbewerb an. Sein sportlicher Ehrgeiz ist geweckt und er animiert sie zum üben, üben und üben….Liebesverwicklungen inklusive.

„Mademoiselle Populaire“ ist angelehnt an die typische Hollywood-Komödie der 1950er-Jahre. Da ist der große, charmante Herr (Roman Duris) und das junge, blonde Mädchen (Déborah Francois). Wie es ausgeht, ist schnell voraussehbar. Das ist aber völlig egal. Der Retro-Film überzeugt mit seiner wunderbaren Nostalgie-Ausstattung. Allein die vielen schönen Outfits der Damen und die tollen Schreibmaschinen ließen mein Herz schneller schlagen.

Regissieur Régis Roinsard schafft es in seinem Debüt eine gelungene Mischung aus viel Humor, Ironie, aber auch Gefühlen herzustellen. Ein wenig Kitsch gehört wohl dazu. Aber das macht den Film letztlich auch aus. Wunderbares französisches Popcorn-Kino, das ein rundum Wohlfühlgefühl erzeugt.

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Posted on March 30, 2013

„Amour/Liebe“

Sie altern gemeinsam in Würde: Anna und George, beides sehr kultivierte Musikprofessoren im höheren Alter, besuchen Konzerte, lauschen Radio, lesen. Einen sehr liebe- und respektvollen Umgang haben sie miteinander. Eines Tages sitzt Anna jedoch völlig apathisch am Essenstisch, die Halsschlagader ist verstopft, eine Operation unumgänglich. Sie missglückt. Die Klavierlehrerin ist halbseitig gelähmt und ein Pflegefall. George kümmert sich zwar rührend um sie, doch Annas Zustand verschlechtert sich rapide.

„Amour“ hat mich umgehauen. Bereits seit einem Jahr wollte ich den Film unbedingt sehen,  die vielen überragenden Kritiken und Preise (unter anderem der Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2013) hatten mich neugierig gemacht. Ins Kino hatte ich es nicht geschafft, nun ist er aber endlich auf DVD erhältlich. Sofort habe ich ihn gekauft.
Bereits in den ersten fünf Minuten des Films von Michael Haneke wird deutlich, dass Anna am Ende tot in ihrem Bett liegt. Dann beginnt die Rückblende. Die 127 Minuten sind so berührend, dass ich ständig mit Gänsehaut vor dem Fernseher saß.

Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trinitignat spielen so authentisch das Ehepaar um die 80 Jahre, dass ich stellenweise völlig vergaß, dass der Film nur Fiktion und keine Realität ist. Es ist erschütternd zu sehen, wie  Anna immer weniger Kontrolle über ihren Körper hat und  wie sehr die stolze und gebildete Frau darunter leidet. Aber es tut auch weh,  die Verwandlung von George mitanzuschauen.  Er  sorgt sich, versucht alles, um seiner Ehefrau den Zustand ein wenig erträglicher zu machen. George ist ein wundervoller Ehemann. Er realisiert aber irgendwann, dass der Lebenswille seiner Frau immer mehr schwindet und er ihr nicht helfen kann.

Michael Hanekes Werk berührt, weil es so sehr aus dem Leben gegriffen ist. Der Österreicher führt dem Zuschauer schonungslos den Prozess des Sterbens vor Augen. Es ist ein schwerer Film, der aber nicht erdrückt. Vielmehr ist „Amour“ ein sehr leiser und zärtlicher Film. In den letzten 20 Minuten fallen nur noch wenige Sätze. Vieler Worte bedarf es auch nicht. Die unglaublich gefühlvollen Bilder genügen.

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Posted on March 19, 2013

„Heute bin ich blond“

Kinostart 28. März

Krebs. Sophie ist 21 Jahre alt, lebenslustig und hat gerade in Hamburg mit ihrem Studium begonnen, als sie die schreckliche Diagnose trifft.  Nur bei 15 Prozent liegen ihre Chancen, dass sie wieder gesund wird. Chemotherapie und Bestrahlung stehen an. Krankenhaus statt wildem Studentenleben. Die Haare fallen ihr aus, Übelkeit übermannt sie. Doch Sophie lässt sich nicht unterkriegen und sagt der Krankheit den Kampf an – mit verschiedenen Perücken und Identitäten. Immer für sie da: Freunde und Familie.

Der Film „Heute bin ich blond“ basiert auf dem autobiografischen Bestseller von  Sophie van der Stap. Eigentlich wollte ich den Film überhaupt nicht sehen. Am Wochenende hatte ich bereits in der Zeitung  gelesen, dass sich Hauptdarstellerin Lisa Tomaschewsky (ein Model) extra für die Rolle die Haare abrasieren ließ. Der Film soll unter die Haut gehen, stand da. Bewegend sein, aufrichtig. Doch aufgrund des schweren Themas zog ich es vor, auf diesen Film zu verzichten. Aber dann kam die Sneak dazwischen. Schon als die ersten Bilder auf der Leinwand zu sehen waren, wusste ich, was mir blüht. „Verdammt“, dachte ich. „Rausgehen, bleiben?“ Ich entschied mich für letzteres. Und habe es nicht bereut.

Auch wenn die Dialoge teilweise übertrieben sind, ein wenig sehr jugendhaft und konstruiert wirken, ist es ein Film, der Mut macht. Sophie kämpft bis zum Umfallen um ihr Leben, um ein wenig Spaß und Normalität.  Immer wieder wird es zwar sehr emotional. Den Film zu Ende zu schauen, ist streckenweise auch ein Kampf,  aber er bringt einem wieder näher, was so oft im Alltag verdrängt wird: Das Leben ist endlich. Vielmehr sollte jeder Moment bewusst genossen werden.

Es ist kein Film, den ich bedingungslos weiterempfehle. Ein wenig fehl am Platz und hölzern wirkt auch Jasmin Gerat, die eine Frau mit Brustkrebs spielt. Aber letztlich bleibt nach einer Nacht darüber schlafen ein gutes Gefühl zurück – trotz des schweren Themas.

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Posted on March 18, 2013

„Unsere Mütter, unsere Väter“

Über den ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ hatte ich den vergangenen Tagen bereits viel gelesen. Überall tauchte in den Medien etwas  über das „epochale Kriegsdrama“ auf. 15 Millionen Euro wurden in die Umsetzung investiert, namhafte Schauspieler (Tom Schilling, Miriam Stein, Katharina Schüttler) gewonnen. Schonungslos sollte er sein, hieß es in diversen Artikeln. Grausam und brutal. Eigentlich nicht die Art Unterhaltung, die ich mir für einen Sonntagabend wünsche. Trotzdem schaltete ich ein – was gut war.

„Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt das Kriegsgeschehen um 1941 aus der Perspektive von fünf Freunden, die in Berlin aufgewachsen sind. Da ist die Sängerin Greta, ihr jüdischer Freund Viktor. Die Krankenschwester Charlotte und die beiden Brüder Friedhelm und Wilhelm, die nach Russland an die Front müssen.

Teilweise war es gestern Abend wirklich hart, die 90 Minuten durchzuhalten. Ein kleines jüdisches Mädchen wird beispielsweise von einem SS-Mann einfach niedergeknallt, unzählige Soldaten sterben im Kampf oder im Lazarett. Und es ist einfach nur zum Verzweifeln, wenn gezeigt wird, wie Viktor und seine jüdische Familie erst nach und nach realisieren, was ihnen im Dritten Reich blüht.

„Unsere Mütter, unsere Väter“ ist keine einfache Unterhaltung, aber eine sehr wertvolle. Das Kriegsgeschehen wird dem Zuschauer schonungslos vor Augen geführt, bringt einen sehr zum Nachdenken und auch dazu, sich mit den geschichtlichen Geschehnissen wieder genauer auseinanderzusetzen. Heute und am Mittwoch kommen die weiteren Teile. Abzurufen sind sie auch über die Mediathek. Einschalten lohnt. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1825582#/kanaluebersicht/1825582

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Posted on March 17, 2013

„Downton Abbey“

„Miriam, du musst  Downton Abbey schauen – unbedingt!“ Von gleich zwei unterschiedlichen Freundinnen hörte ich diesen Satz vor etwa einem halben Jahr. Ich war gespannt, bestellte mir schnell die erste Staffel und setzte mich an einem trüben Herbstabend erwartungsvoll vor den Fernseher.

„Downton Abbey“ ist eine Kostümserie und spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hinter der Idee und dem Drehbuch steckt Oscar-Preisträger Julian Fellowes. Die adelige Familie von Grantham steht im Mittelpunkt der Handlung: das Ehepaar Robert und Cora sowie ihre drei Töchter Mary, Edith und Sibel. Ein männlicher Erbfolger fehlt. Damit herrschaftliches Anwesen und Erbe in der Familie bleiben, soll Mary einen Cousin ersten Grades heiraten, dieser stirbt jedoch beim Titanic-Untergang. Somit wird der entfernte Verwandte Matthew Crawley der nächste in der Erbfolge. Er ist ein bodenständiger Anwalt und bringt mit seiner Mutter einigen Schwung nach „Downton Abbey“.

Als ich die erste Folge gesehen hatte, war ich noch ein wenig unsicher. Soll das tatsächlich eine Serie sein, die mir ans Herz geht? Ein wenig langatmig empfand ich den Auftakt. Aber wenige Tage später schaute ich dann doch die zweite Folge, relativ schnell die dritte und plötzlich hatte ich viel Spaß damit. Die erste Staffel hat insgesamt nur sechs Folgen, die alle knapp eine Stunde lang sind.

Was mir gefällt, sind die vielen netten Details der Kulisse. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Es ist interessant zu sehen, wie die Dienstboten und Angestellten im unteren Teil des Anwesens hausen und welche Arbeiten sie zu erbringen haben. Die Zeitung wird beispielsweise morgens gebügelt, damit der adelige Herr keine schmutzigen Finger von der Druckerschwärze bekommt.

Auch die Charaktere sind facettenreich. Die drei Töchter sind grundverschieden. Es wird deutlich, wie eingeschränkt Frauen in dieser Gesellschaftsschicht waren – und wieviel von der „richtigen Heirat“ abhing. Viele Frauen müssen sich wohl schrecklich gelangweilt haben.

Was ich auch gerne mag, ist, dass die Serie in das politische Geschehen eingebettet ist. Der Erste Weltkrieg bricht aus, im Anwesen wird ein Genesungsheim für Verwundete eingerichtet. Die körperlichen und seelischen Qualen der Soldaten werden gezeigt, posttraumatische Störungen thematisiert. Außerdem werden technische Neuheiten der damaligen Zeit miteinbezogen: Dem elektrischen Licht gegenüber herrschte beispielsweise noch ein wenig Skepsis.

Außer den typischen Liebesverwirrungen passieren sehr skurille und amüsante Geschichten. Allein die Folge mit dem türkischen Diplomaten blieb mir sehr im Gedächtnis. Poor Mr. Pamuk.

Kurzum: Ich mag „Downton Abbey“ inzwischen sehr gerne. Großartig finde ich Maggie Smith als Violet Crawley. Sie ist die Mutter von Robert, ein alter Drachen, der alles bestimmen möchte. Momentan bin ich bei den letzten Folgen der zweiten Staffel und bin gespannt, was noch alles passiert.

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Posted on March 15, 2013

Once

Wie oft im Leben trifft man die wahre Liebe? Der irische Sänger Glen Hansard spielt in „Once“ einen Straßenmusiker. Als er eines Tages in der Fußgängerzone in Dublin voller Leidenschaft seine Songs singt, bleibt eine junge tschechische Frau (Markéta Irglova) stehen. Sie ist Pianistin und lebt mit ihrer kleinen Tochter und ihrer Mutter in der irischen Stadt. Um sich über Wasser zu halten, verkauft sie Blumen, der Straßenmusiker repariert Staubsauger. Sie kommen ins Gespräch, verbringen viel Zeit miteinander, nehmen gemeinsam eine Demo-CD auf. Es entsteht schnell eine tiefe Verbundenheit, die jedoch dadurch gestört wird, dass die junge Frau  eigentlich verheiratet ist und der Straßenmusiker an seiner alten Liebe hängt….

„Once“ ist für mich einer der schönsten Musikfilme überhaupt. Zufällig sah ich ihn vor Jahren auf 3sat und musste mir danach sofort die DVD sowie den Soundtrack kaufen. Es ist eine Low-Budget-Produktion, die aber so voller Gefühl und wunderbarer Songs ist, dass alles andere nebensächlich wird. Das Lied „Falling Slowly“ gewann 2008 den Oscar für den besten Filmsong.

Glen Hansard ist  Sänger der Band „The Frames“. Im wirklichen Leben waren er und Markéta Irglova tatsächlich ein Paar. Außerdem haben sie eine Band: The Swell Season. http://www.spiegel.de/kultur/musik/oscar-gewinner-the-swell-season-ganz-tastend-ganz-intim-a-656915.html

In „Once“ werden sie nur als „The Guy“ und „The Girl“ bezeichnet. Es ist empfehlenswert, den Film im Original zu schauen. „Once“  geht ans Herz und verzaubert.

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Posted on March 11, 2013

Nachtzug nach Lissabon

Es ist eine Begegnung, die sein Leben verändert: Lateinlehrer Raimund Gregorius sieht an einem verregneten Morgen in seiner Heimatstadt Bern eine junge Frau auf einer Brücke stehen. Sie möchte sich scheinbar das Leben nehmen. Er spricht sie an und nimmt sie mit in die Schule. Doch während des Unterrichts verschwindet die Frau wieder und lässt nur ihren roten Mantel zurück. Darin findet Raimund ein dünnes, altes Buch von dem portugiesischen Arzt und Philosophen Almeida Prado. Außerdem stecken in einer Innentasche Zugtickets für den Nachtzug nach Lissabon. Der Lateinlehrer fängt an, in dem Buch zu blättern und wird neugierig. „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“ steht darin. Spontan setzt sich Raimund in den Nachtzug, entfliehet seinem grauen Alltag und begibt sich in Lissabon auf die Spurensuche von Almeida Prado.

Den Film „Nachtzug nach Lissabon“ wollte ich unbedingt sehen, nachdem ich bereits vor Jahren die Romanvorlage von Pascal Mercier gelesen hatte – und für sehr gut befand. Ich war gespannt, wie dieses facettenreiche Werk von Regisseur Bille August filmisch umgesetzt wurde.

Es ist ein eher gemächlicher Film geworden, der an vielen Stellen vor sich hin plätschert – trotz der namhaften Schauspieler (Jeremy Irons, Mélanie Laurent, Martina Gedeck, Bruno Ganz, Charlotte Rampling oder Christopher Lee) und der tollen Bilder aus Lissabon.

Obwohl sich der Film sehr nahe an der Romanvorlage bewegt, reißt er nicht mit. Er entwickelt keine Sogwirkung, auch wenn die Geschichte um Prado, die portugiesische Diktatur und die Philosophie soviel Spannendes und Interessantes hergibt. Außerdem werden entscheidende Punkte der Romanvorlage nur oberflächlich behandelt. Sei es, dass Raimunds Brille zerbricht, er eine neue benötigt und sich dadurch seine Sicht auf die Welt verändert. Das wird im Film nur sehr rudimentär angeschnitten. Auch wird nie thematisiert, wie die Kommunikation der Akteure in Lissabon überhaupt funktionieren kann. Schließlich ist Raimund Schweizer, in welcher Sprache aber alle scheinbar so mühelos reden, das bleibt fraglich

Obwohl der Film keine Überlänge hat, zieht er sich. Es tut nicht weh, ihn zu sehen. Allein wegen der tollen Bilder aus Lissabon, aber es ist eine weitaus größere Erfüllung das Buch zu lesen – wie so meist.

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Posted on March 7, 2013

Herr Wichmann von der CDU

Dokumentarfilm

Henryk Wichmann ist 25 Jahre alt, Jurastudent und Direktkandidat der CDU in einem Wahlkreis in Brandenburg. Vor der Bundestagswahl 2002 macht er sich auf Tour durch seinen Bezirk in der Uckermark und versucht Wähler zu gewinnen. Kein einfaches Unterfangen: Es ist eine SPD-Hochburg. Wichmanns Slogan lautet: „Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik“. Er gibt dabei alles, besucht Pflegeheime, Schulen, geht auf Volksfeste und versucht sogar Republikaner zur Besinnung zu bekommen.

Es ist ein großes Vergnügen, Henryk Wichmann bei seiner Tour durch Brandenburg zu begleiten, ihm dabei zuzuschauen, wie er auf der Straße seine Flyer loszuwerden versucht und bemüht ist, die Bewohner von seiner Partei zu überzeugen. Der schlaksige Nachwuchspolitiker lässt sich dabei nicht von der Ignoranz der Passanten unterkriegen. Er hatsogar einen Kredit aufgenommen, um Plakakte, Kugelschreiber und andere Werbemittel zu finanzieren.

Der Dokumentarfilm von Andreas Dresen lässt einen Blick hinter die Kulissen des Wahlkampfes zu. Das ist interessant und sehr kurzweilig. Erschreckend ist dabei, wie viele der angesprochenen Bürger eine rechte Gesinnung haben, sich gegen die Zuwanderung aussprechen. Im vergangenen Jahr erschien die Fortsetzung: „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“.

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Posted on March 2, 2013

Monsieur Lazhar

Kanada 2011

Monsieur Lazhar ist aus Algerien geflüchtet. Seine Familie hat er verloren, Zuflucht nun in Kanada gefunden. An einer Grundschule wird als Lehrer eingestellt. Dringend wird jemand für den Unterricht gesucht, schnell gehandelt und dabei übersehen, dass er gar keine Ausbildung hat. Der Start missglückt: Monsieur Lazhars Unterrichtsmethoden ecken an – kulturelle Unterschiede werden deutlich. Die Schüler sind irritiert, mit Kollegen hat der Flüchtling zu kämpfen und mit arroganten Eltern umzugehen. Doch die Kinder schließen ihn nach und nach mehr ins Herz. Alles scheint gut – bis Monsieur Lazhars Vergangenheit ihn einholt und alles durcheinanderwirft.

„Monsieur Lazhar“ war mir völlig unbekannt, als ich ihn in der Sneak sah. Ich hatte keine Ahnung, um was es geht, um welches Genre es sich handelt. Aber schnell fand ich großen Gefallen. Es ist ein leiser Film. Die Musik, die Bilder: „Monsieur Lazhar“ ist eine Wohltat für die Seele. Sophie Nélisse, die im Film die kleine Alice spielt, erinnert sehr an Anna Clumsky in „My Girl“, beide strahlen viel Wärme aus, bereichern.

„Monsieur Lazhar“ war nominiert beim Oscar 2012 als bester fremdsprachiger Film. Er berührt, ohne sentimental zu sein. Ich mag ihn schrecklich gerne.

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Posted on February 26, 2013

No!

Historie/Drama

Ab 7. März im Kino

Es ist ein Kampf gegen Augusto Pinochet und die Diktatur: Im Jahr 1988 soll eine Volksabstimmung über Chiles Zukunft entscheiden. Ein „Si“ bestätigt Augusto Pinochet für acht Jahre im Amt, ein „No“ ermöglicht neue Wahlen. Das breit gemischte Oppositionsbündnis setzt alles daran, den Regimewechsel herbeizuführen. Für die „No“-Kampagne engagiert es deshalb René Saavedra – einen brillianter Werbefachmann. Insgesamt 15 Minuten Sendezeit hat die Opposition täglich zur späten Stunde im Fernsehen zur Verfügung. Mit Regenbögen, Jingles, bunten Spots und ganz viel „Freude“ versuchen die Gegner die Menschen in Chile von ihren Absichten zu überzeugen. Es bleibt jedoch nur wenig Zeit und das Regime hält dagegen – mit Drohungen und viel Gewalt.

„No“ war für den besten fremdsprachigen Oscar 2013 nomiert – verlor aber gegen „Amour“. Gleichwohl: Der Film ist absolut sehenswert. Nicht nur, aber auch wegen seiner grandiosen 80er-Jahre Optik. Gedreht wurde mit analogen Kameras, statt HD heißt es hier: 4:3-Format. Der Film mutet streckenweise an wie ein Dokumentarfilm, Wirklichkeit und Fiktion sind schwer auseinanderzuhalten. Das macht es aber auch so spannend

Gael García Bernal glänzt in seiner Rolle als René Saavedra. Lange Jahre war er im Exil, nun ist er zurück, hat einen guten Job, fährt ein schnelles Auto – und ist zynisch. Die Unterstützung der Regimegegener führt zu Konflikten mit seinem Chef in der Werbeagentur. Erst nach und nach wird René Saavedra klar, was die Kampagne gegen das Regime für Konsequenzen mit sich bringt. Und dass er gut auf seinen kleinen Sohn aufpassen muss.

Randnotiz:
Traumhaft: Wie Gael García Bernal lässig auf einem Skateboard die Straße entlang fährt. Sonnenstrahlen fallen auf ihn, begleiten ihn. Anschauen!

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Posted on February 24, 2013

Der Tatortreiniger
Serie

Tatortreiniger Schotty (Bjarne Mädel) ist nicht zu beneiden: Seine Arbeit fängt nämlich dort an, „wo andere sich vor Entsetzen übergeben“. Angestellt ist er bei der Reinigungsfirma Lausen, von ihr erhält er seine Aufträge. Wenn ein Mord passiert und die menschlichen Überreste verschwinden sollen, macht er sich mit seinem weißen Lieferwagen voller Putzmittel und Chemikalien auf den Weg – und erlebt vor Ort die kuriosesten Geschichten.

Ich bin seit der ersten Stromberg-Staffel großer Fan von Ernie alias Bjarne Mädel. Als ich dann im „Spiegel“ las, dass es eine neue Serie mit ihm gibt, war ich neugierig. Außerdem führt wie bei Stromberg Arne Feldhusen Regie.
Ich klickte mich durch das Netz und hatte Glück: Alle sieben Folgen sind problemlos abrufbar.

Die Serie ist großartig. Die Dialoge sind witzig, aber auch intelligent und kein bisschen platt. Es ist eine fabelhafte Rolle für Bjarne Mädel. Er ist als Hanseat Schotty meist die Ruhe in Person. Ich schaute – obwohl ich ansonsten kein Serienjunkie bin – alle Folgen hintereinander. Ich hatte soviel Freude daran.

Die erste Staffel des „Tatorteinigers“ ging 2011 im Fernsehen völlig unter. Die Quoten waren miserabel – was absolut gar nichts aussagt. Eine Web-Kampagne bewirkte, dass die Folgen 2012 ein zweites Mal ausgestrahlt wurden. Der Erfolg war deutlich größer. 2012 bekam die Serie den Deutschen Comedypreis, auch Bjarne Mädel wurde ausgezeichnet. Im Juni soll nun die zweite Staffel als DVD veröffentlicht werden. Ich freue mich sehr darauf.

http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/lokaltermin/audio149053_podcastID-podcast2996.html

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Posted on February 21, 2013

Submarine
Dramedy 2010/11

Oliver Tate hat es nicht leicht: Sein Vater leidet an Depressionen, seine Mutter bandelt mit dem neuen Nachbarn, einem New-Age-Guru, an. Und dann ist er auch noch zum ersten Mal verliebt: In Jordana, die alles andere als einfach zu verstehen ist. Der 15-jährige Waliser stolpert so von einer skurillen Situation zur anderen – mit Dufflecoat und unbewegter Miene.

„Submarine“ sah ich zum ersten Mal im Jahr 2011 in der Sneak – und war von der ersten Sekunde an restlos begeistert. Bei dem Regiedebüt von Richard Ayoade stimmt einfach jedes Detail. Der Soundtrack ist kompett von Alex Turner, Sänger der Arctic Monkeys. Die Bilder sind teilweise sehr schräg, aber voller Herz. Und der britische Humor ist in der Tat zum Brüllen. Obwohl streckenweise die Thematik tieftraurig ist (Jordanas Mutter hat Krebs), wird der Film nicht sentimental, sondern bleibt leicht – ohne dabei einfach zu sein. „Submarine“ steht längst in meinem DVD-Regal und gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Ich sah ihn inzwischen schon einige Male und hatte immer wieder große Freude daran. DieKatastrophen von Oliver Tate sind mir sehr ans Herz gewachsen.

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Posted on February 19, 2013

Das Leben gehört uns

Tragi-Komödie aus Frankreich

Sie heißen Roméo und Juliette. Bei treibenden Beats lernen sie sich in einem Club kennen. Es macht klick. Gemeinsam genießen sie das Leben – voller Energie und Lebenslust. Alles läuft gut: Juliette wird schwanger, Adam kommt zur Welt. Doch wie bei Shakespeares Protagonisten tun sich Schwierigkeiten auf: Adam entwickelt sich nicht normal. Er übergibt sich, hält den Kopf schief. Ein Besuch bei der Ärztin bringt die schreckliche Diagnose: Adam hat einen Tumor. Roméos und Juliettes Kampf beginnt. Sie tun alles, um ihr Baby zu retten.

Als ich den Trailer für “Das Leben gehört uns” sah, stand für mich fest: Diesen Film werde ich mir nicht anschauen, auf keinen Fall. Ein Kind mit Tumor, Eltern, die verzweifelt sind. Nein, es klang mir zu schwer. Ich hatte Angst, dass mich der Film deprimieren würde. Dann kam der Film aber in der Sneak und ich musste mich damit auseinandersetzen – zum Glück. Es ist einer meiner Lieblingsfilme 2012. Denn trotz der Thematik ist der Film leicht und überhaupt nicht kitschig. Es ist ein Film, der Mut macht, der Lebensbejahend ist und der einen völlig mitnimmt – auf positive Weise. Das Ende überrascht außerdem. Ich ging damals aus dem Kino und war tief berührt. Die tollen Bilder, die Musik, die Geschichte. Zurecht der französische Beitrag zum Oscar 2012.
Randnotiz:
Besonders an diesem Film: Valérie Donzelli (Juliette) und Jérémie Elkaïm (Roméo) ist diese Geschichte tatsächlich widerfahren, sie haben ihr Erlebtes durch das Drehbuch festgehalten. Valérie Donzelli führte auch Regie. Vielleicht ist “Das Leben gehört uns” deshalb so eindringlich geworden.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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