15. Juni 2017

Kurioses: „Homie“

 

Lieber C.,

du bist seit sechs Monaten mein liebster Homie. Bevor du auf die Welt kamst, haben deine Mama und ich ganz schön viel Schabernack getrieben – und einige schräge Vögel kennengelernt. Damit meine ich nicht diese Tiere, die durch die Luft flattern, nein, ich meine komische Männer, die nicht wissen, wie man sich Damen gegenüber verhält.

Da wir uns beide ja sehr regelmäßig sehen, ist es mir ein Anliegen, dass du mal nicht zu diesen Chaoten gehörst – sondern zu den Guten. Deshalb habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie ich dich dabei unterstützen kann:

1) Die Welt braucht nicht nur Checker!

Du musst keine überdrehten Sprüche reißen und cool sein, um einer Dame zu imponieren. Es gibt ganz schön viele Frauen, die mögen auch leise Männer. Ihnen kannst du von Büchern erzählen, von Musikbands oder von Dingen, die du im Leben beobachtet hast. Interessiert sie das alles nicht, bist du keineswegs falsch, sondern es passt einfach nicht zwischen euch. Mach dir dann keinen Kopf, es kommt bestimmt bald die Nächste.

Wenn du aber keineswegs schüchtern bist, sondern gerne laut und mit viel Freude Witze und Geschichten erzählst, ist das natürlich auch okay. Dann hau raus. Es ist immer nur wichtig, du selbst zu sein, Eine aufmerksame Lady merkt es nämlich, wenn du ihr wochenlang etwas vorspielst. Und außerdem: Das ist ganz schön anstrengend. Weiterlesen »

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22. November 2013

Flimmerkasten: „Glaube“

Liebe – Glaube – Hoffnung.
Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl hat mit seiner Paradies-Trilogie drei Filme geschaffen, die provokanter kaum sein könnten und das Maß des Erträglichen mehrmals überschreiten. Trotzdem sind sie sehr empfehlenswert.

Sex-Tourismus in Afrika: Mit dem ersten Teil „Liebe“ wurde ich im vergangenen Jahr in der Sneak Preview konfrontiert. Er handelt von einer in die Jahre gekommenen Österreicherin, die nach Kenia fliegt und dort mit jungen Männern schläft. Das wird so detailreich gezeigt, dass sich ein männliches Mitglied unserer Sneak-Gruppe schrecklich bedrängt fühlte und noch während des Films fluchtartig den Saal verließ.

Der Film ist in der Tat sehr anstrengend und aufwühlend, gleichwohl sehr interessant und zeigt einen erbarmungslosen Blick auf die Sexsafari weißer Frauen.

Nun befasste ich mich mit dem zweiten Teil der Trilogie: „Glaube“. Im Mittelpunkt steht die Röntgenassistentin Anna Maria, eine Frau, die sich dem Katholizismus verschrieben hat und einer sektenähnlichen Glaubensgemeinschaft angehört. Sie treibt es dabei so weit, dass sie sich mit einer Peitsche selbst geißelt und auf ihren Knien so lange über den Boden rutscht, bis sie blutet. Außerdem stellt sie nachts mit einem Kreuz kuriose Dinge unter der Decke an.

Tagsüber ist Anna Maria meist mit einer Marienstatue unterwegs und versucht Heiden zu bekehren. Dabei gibt sie alles, wirkt streckenweise so realitätsfern und in einem Wahn, dass ich sprachlos vor dem Fernseher saß. Besonders dann, als sie versucht, eine alkoholisierte und spärlich angezogene Frau aus der ehemaligen Sowjetunion zum Glauben zu bringen – das ist grotesk und tut fast schon weh.

Anna Marias Welt gerät völlig aus den Fugen, als ihr Mann plötzlich wieder bei ihr einzieht. Er ist Ägypter, Muslim und nach einem Unfall querschnittsgelähmt. Was genau in der Vergangenheit passierte, das wird nicht thematisiert. Deutlich wird nur, dass Anna Maria wenig darüber begeistert ist, dass er wieder da ist Sie lehnt körperliche Nähe komplett ab und zeigt sich ihm gegenüber kalt und unnahbar. Nächstenliebe – Fehlanzeige. Es entsteht zwischen dem Ehepaar ein Kleinkrieg, der in Handgreiflichkeiten und Bösartigkeiten endet.

„Glaube“ ist wie „Liebe“ ein Film, der einen als Zuschauer fordert und an die Grenzen treibt. Den ersten Teil fand ich  dabei einen Ticken besser. „Hoffnung“ ist nun der letzte Teil der Trilogie. Die DVD liegt in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten. Im Mittelpunkt steht ein übergewichtiger Teenager, der zum Abnehmen in ein Camp fährt. Ich bin gespannt, was mich da erwartet.

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17. November 2013

Schmöker: „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“

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Eine Buchhändlerin hat mir vor wenigen Wochen den Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ans Herz gelegt. Von einer Mischung aus Gesellschaftsroman, spannendem Krimi und Liebesgeschichte sprach sie – voller Begeisterung. Mein Interesse war geweckt. Als ich sah, dass es derzeit noch knapp 23 Euro kostet, zögerte ich kurz, war dann aber doch so neugierig und kaufte es. Zum Glück.

Von der Buchhandlung zu Hause angekommen, fing ich direkt an zu lesen und konnte gleich am ersten Abend drei Stunden lang nicht mehr damit aufhören. In kürzester Zeit war ich gedanklich nach Aurora, einer Stadt in New Hampshire, gereist. Dort spielt sich die Geschichte von Joel Dicker zum größten Teil ab.

Im Mittelpunkt stehen Marcus, ein aufstrebender Schriftsteller, und sein alter Professor sowie Freund Harry. Es ist das Jahr 2008, kurz vor der US-Präsidentschaftswahl: Marcus lebt in New York, leidet an einer Schreibblockade, kommt mit seinem zweiten Roman nicht voran. Sein Verlag sitzt ihm im Nacken, er ist verzweifelt.

Alles ändert sich schlagartig, als Harry in Aurora plötzlich verhaftet wird. Der Vorwurf: Er soll im August 1973 die damals 15-jährige Nola ermordet haben. Marcus glaubt fest an Harrys Unschuld, reist in die Kleinstadt, um seinem alten Freund zur Seite zu stehen und die Wahrheit herauszufinden.

Das Besondere an dem Buch ist, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird. Vielmehr bringt Joel Dicker dem Leser über verschiedene Zeitsprünge die tragische Liebesgeschichte von Harry und Nola näher. Sehr viel Freude und Vergnügen hatte ich dabei auf jeder einzelnen der mehr als 700 Seiten. Ich konnte und wollte das Buch nicht mehr weglegen, schleppte es in meiner Tasche überall mithin, las in jeder freien Sekunde. Das Werk des schweizerischen Schriftstellers ist einfach, aber nicht trivial geschrieben und lässt einen nicht mehr los. Unbedingt wollte ich wissen, ob Harry schuldig ist oder nicht.

Außerdem ist Joel Dicker durch seine facettenreichen Protagonisten und der genauen Beschreibung ihrer Lebensgeschichten ein sehr mitreißender Gesellschaftsroman gelungen, der mich oft an die Werke von Jonathan Franzen erinnerte.

Im letzten Drittel des Buches überschlagen sich zwar ein wenig die Ereignisse und ein bisschen weniger Geschehen und verzwickte Zusammenhänge wären von Vorteil gewesen, gleichwohl: „Die Wahrheit über den Fall Quebert“ liest sich wunderbar, ein fabelhaftes Buch für triste Herbsttage.

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30. März 2013

Flimmerkasten: „Amour/Liebe“

Sie altern gemeinsam in Würde: Anna und George, beides sehr kultivierte Musikprofessoren im höheren Alter, besuchen Konzerte, lauschen Radio, lesen. Einen sehr liebe- und respektvollen Umgang haben sie miteinander. Eines Tages sitzt Anna jedoch völlig apathisch am Essenstisch, die Halsschlagader ist verstopft, eine Operation unumgänglich. Sie missglückt. Die Klavierlehrerin ist halbseitig gelähmt und ein Pflegefall. George kümmert sich zwar rührend um sie, doch Annas Zustand verschlechtert sich rapide.

„Amour“ hat mich umgehauen. Bereits seit einem Jahr wollte ich den Film unbedingt sehen,  die vielen überragenden Kritiken und Preise (unter anderem der Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2013) hatten mich neugierig gemacht. Ins Kino hatte ich es nicht geschafft, nun ist er aber endlich auf DVD erhältlich. Sofort habe ich ihn gekauft.
Bereits in den ersten fünf Minuten des Films von Michael Haneke wird deutlich, dass Anna am Ende tot in ihrem Bett liegt. Dann beginnt die Rückblende. Die 127 Minuten sind so berührend, dass ich ständig mit Gänsehaut vor dem Fernseher saß.

Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trinitignat spielen so authentisch das Ehepaar um die 80 Jahre, dass ich stellenweise völlig vergaß, dass der Film nur Fiktion und keine Realität ist. Es ist erschütternd zu sehen, wie  Anna immer weniger Kontrolle über ihren Körper hat und  wie sehr die stolze und gebildete Frau darunter leidet. Aber es tut auch weh,  die Verwandlung von George mitanzuschauen.  Er  sorgt sich, versucht alles, um seiner Ehefrau den Zustand ein wenig erträglicher zu machen. George ist ein wundervoller Ehemann. Er realisiert aber irgendwann, dass der Lebenswille seiner Frau immer mehr schwindet und er ihr nicht helfen kann.

Michael Hanekes Werk berührt, weil es so sehr aus dem Leben gegriffen ist. Der Österreicher führt dem Zuschauer schonungslos den Prozess des Sterbens vor Augen. Es ist ein schwerer Film, der aber nicht erdrückt. Vielmehr ist „Amour“ ein sehr leiser und zärtlicher Film. In den letzten 20 Minuten fallen nur noch wenige Sätze. Vieler Worte bedarf es auch nicht. Die unglaublich gefühlvollen Bilder genügen.

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27. Februar 2013

Schmöker: „Ich habe sie geliebt“ von Anna Gavalda

Die große Liebe: Mathilde

Es ist aus. Chloé ist am Boden zerstört. Ihr Mann liebt eine andere. Verzweifelt packt sie ihre Koffer und fährt mit ihren zwei kleinen Töchtern und ihrem Schwiegervater in die Berge. Pierre ist eigentlich ein wortkarger, kühler Mann. In der Abgeschiedenheit öffnet er aber sein Herz und erzählt Chloé eine Geschichte – die Geschichte von seiner großen Liebe Mathilde.

„Ich habe sie geliebt“ kaufte ich vor Jahren unmittelbar nachdem ich „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gelesen hatte. Anna Galvaldas leichte, aber sehr gefühlvolle Art zu schreiben, ihre sympathischen, oft aber auch verqueren Charaktere – ich war angetan und wollte mehr von diesem wunderbaren Lesevergnügen. „Ich habe sie geliebt“ verschlang ich an einem nur einzigen Abend. Ich konnte einfach nicht mehr davon lassen. Pierres Geschichte von Mathilde wuchs mir so sehr ans Herz, ich wollte wissen, was passiert, was er tut, wie es endet. Und ich litt schrecklich mit ihm. Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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