22. Februar 2013

Schmöker: “Tschick” von Wolfgang Herrndorf

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Auf zur Walachei

Zwei 14-jährige Jungs, ein geklautes Auto und eine spannende Reise: Andrej Tschichatschow, alias Tschick, sitzt nach den Osterferien plötzlich in der Klasse von Maik Klingenberg. Die Jungs kommen aus unterschiedlichen Welten. Tschick ist mit seiner Familie aus Russland übergesiedelt und haust in einem der heruntergekommenen Hochhäuser in Hellersdorf. Maik residiert mit seinen Eltern in einer Villa – Liebe und Aufmerksamkeit sind jedoch Mangelware. Da Tschick in den Sommerferien Langeweile hat und Maik ohnehin alleine zu Hause ist (Mutter auf Entzug, Vater mit der Geliebten auf Geschäftsreise), machen sich die beiden Jungs mit einem gestohlenen, klapprigen Lada auf die Reise. Ihr Ziel: Die Walachei. Es ist der Beginn eines abenteuerlichen Roadtrips.

Was steckt hinter der Faszination?

“Tschick” fiel mir im Dezember 2012 in einer Buchhandlung in die Hände. Viel hatte ich davon schon gehört. Aber ein Jugendbuch, hatte ich darauf wirklich Lust? Ich schlug es auf und stolperte über die ersten zwei Seiten. Dort sind zahlreiche Auszüge aus Rezensionen zu lesen – durchweg voll des Lobs. “Man sieht die Welt mit anderen Augen nach dem Buch”, schreibt beispielsweise das Magazin “Rolling Stone”. Ich beschloss das Buch zu kaufen, um zu verstehen, was dahinter steckt.

Kaum hatte ich damit angefangen, konnte ich es nicht mehr weglegen. Obwohl ich viel zu tun hatte, las ich das Buch jede freie Sekunde, war völlig in die Welt von Tschick und Maik versunken. Ich saugte ihre Abenteuer auf, fieberte bei Verfolgungsjagden mit und ertappte mich, dass ich sogar im vollbesetzten Zug laut lachte. Die beiden Jungs stolpern von einer skurillen Situation zur anderen und erleben die wildesten Abenteuer. Aber: Es ist auch ein Buch der Zwischentöne, das deutlich macht, wie sehr die Jugendlichen mit ihren kaputten Familien und der mangelnden Zuwendung kämpfen.
“Tschick” ist ein Plädoyer für die Freundschaft. Es ist ein Buch, das berührt und einfach nur glücklich macht.

Zitat von Maik am Ende des Buches:

“Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten kuckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV kuckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.“

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One thought on “Schmöker: “Tschick” von Wolfgang Herrndorf

  1. Jan sagt:

    Hallo Miriam, schöne Rezension, die habe ich auch gleich aus meiner Rezension heraus verlinkt. Viele Grüße nach Karlsruhe!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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