20. März 2013

Schmöker: “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini

DSC_0536

Es ist der Selbstmord ihrer Mutter, der das Leben von Mariam gehörig durcheinanderwirbelt. Sie ist gerade 15 Jahre alt, unehelich geboren und wird mit dem Schuhmacher Rashid verheiratet. Er ist 30 Jahre älter, lebt in Kabul und neigt zur Gewalt. Nach einigen Jahren nimmt er sich eine zweite Frau: Laila. Sie verlor ihre Eltern bei einem Bombenangriff.  Rashid tyrannisiert die beiden Frauen. Sie aber verbünden sich – gegen ihren aggressiven Ehemann und den Taliban-Terror.
Von Khaled Hosseini las ich bereits vor Jahren “Drachenläufer”, auch den Film sah ich dazu.  Die Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei Jungen in Afghanistan berührte mich sehr. “Tausend strahlende Sonnen” bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Viele Wochen stand es im Regal, bis ich es Ende 2011 endlich in die Hand nahm, dann aber  nicht mehr davon lassen konnte.
Hosseinis Schreibstil ist sehr angenehm. Sehr detailreich beschreibt er das Leben in Afghanistan – in der Provinz, wo Mariam aufwächst, in Kabul, wo die Handlung später spielt.  Es ist ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick in das Herz des geschundenen Landes.
Auch das politische Geschehen bringt der Autor dem Leser näher. Über Jahrzehnte zieht sich die Geschichte um die Freundschaft von Mariam und Laila. So erfuhr ich, wie das Leben der Menschen unter den Sowjets war und wie unter den Taliban.
Ich fand es zutiefst deprimierend zu lesen, wie viel sich für die Frauen in den Jahren unter den Taliban verschlechtert hat. Die Chance zur Schule zu gehen, zu studieren, sich gegen einen gewalttätigen Mann zur Wehr zu setzen – alle möglichen Rechte wurden beschnitten.  Es machte mich streckenweise richtig wütend, diese Ungerechtigkeiten zu lesen.  Die Situation in dem Land scheint so verfahren, aussichtslos. Viel habe ich nach dem Lesen darüber nachgedacht.  Das aktuelle politische Geschehen nehme ich seither anders wahr, bin bei der Bewertung oft hin- und hergerissen.
Im Februar 2012, kurz nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich beim Deutschen Medienpreis in Baden-Baden. Dort erlebte ich Sakena Yacoobi. Sie hat durch ihr Bildungsinstitut in Afghanistan vielen Frauen und Mädchen eine Lebenspersektive geschenkt – inmitten des Terrors. Dafür wurde sie ausgezeichnet. Ihr Engagement beeindruckte mich. Ich hoffe sehr, dass das Land nach dem Abzug der westlichen Soldaten nicht völlig im Chaos versinkt und möglichst viele Frauen ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@mademoiselle_miriam