15. April 2013

Flimmerkasten: “Der Vorname”

Interessant und vielschichtig

Eigentlich soll es ein netter Abend werden. Elisabeth, genannt Babou, hat marokkanisch gekocht. Gemeinsam mit ihrem Mann Pierre wartet sie nun auf die Gäste: Auf ihren Bruder Vincon, dessen schwangere Freundin Anna und auf ihren langjährigen Freund Claude. Als Vincon erzählt, wie sein Sohn heißen soll, gerät alles außer Kontrolle. Tief verborgene Geheimnisse kommen ans Licht, aufgestaute Dinge werden ausgesprochen. Irgendwann liegt Claude auf dem marokkanischen Büfett –  mit blutender Nase.

Voller netter Details und kurzweilig

“Der Vorname” ist die Kinoadaption des gleichnamigen französischen Stücks aus dem Jahr 2010. Der Originaltitel lautet  “Le Prénom”. Das Stück spielt sich ähnlich wie “Der Gott des Gemetzels” hauptsächlich in einem Raum ab. Überzeugend sind vor allem die interessanten Charaktere und die Dialoge.

Es ist herrlich dabei zuzusehen, wie sich die Situation immer mehr zuspitzt, dann kurz entspannt und wieder zuspitzt. Vincon, der selbstverliebte Immbolienmakler, treibt es weit, provoziert ohne Rücksicht. Der kultivierte Literaturprofessor Pierre verliert irgendwann die Kontrolle, brüllt, versteht bei dem ausgewählten Vornamen keinen Spass mehr. Seine Frau Babou pendelt zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her. Sie verliert im Laufe des Abends so die Nerven, dass sie jedem an den Kopf knallt, was sie denkt. Hat sie doch für die zwei Kinder ihre berufliche Karriere stark zurückgestellt, Dank aber von niemanden dafür erhalten. Und der eher sensible Posaunist Claude muss sich damit auseinandersetzen, dass all seine Freunde denken, dass er homosexuell ist.

“Der Vorname” ist ein sehr netter französischer Film geworden. Er ist kurzweilig und voller schöner Details. Bereits die ersten 15 Minuten haben mich überzeugt. Ein Pizzabote fährt durch Paris und der Erzähler (Vincon) stellt einige Charaktere genauer vor. Das ist mit Bildern und Einspielern abwechslungsreich gemacht.

Bevor ich den Film schaute, war ich im März bei der Aufführung im Badischen Staatstheater. Dort läuft das Stück auch jetzt noch. http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/termine/1452/. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Der Film hat mich aber ein wenig mehr überzeugt.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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