10. Juli 2013

Schmöker: “High Fidelity” von Nick Hornby

Toll, toll, toll!

Was geht eigentlich in dem Kopf eines Mannes Mitte 30 vor? Diese Frage habe ich mir aufgrund einiger turbulenter Erfahrungen schon ganz schön oft gestellt. Dank „High Fidelity“ bin ich nun ein wenig schlauer. Ein großartiges Buch!

Schon vom ersten Satz an („Die ewige Top Five meiner unvergesslichsten Trennungen für die einsame Insel in chronologischer Reihenfolge:…“), war mir klar, dass ich diesen Roman von Nick Hornby lieben werde. Die Romanze hielt 315 Seiten bis zum letzten Satz. 

Affäre während der Schwangerschaft

Im Mittelpunkt des Romans steht Rob, ihm gehört ein eher mäßig laufendes Plattengeschäft, Musik liebt er über alles. Menschen, die einen schlechten Geschmack (Tina Turner, Billy Joel, Simply Read, Meat Loaf) haben, können eigentlich nichts taugen, denkt er. Sein größtes Problem ist aber, dass ihn gerade seine Freundin Laura verlassen hat. Eigentlich war er nicht gerade unsterblich verliebt. Als sie schwanger war, hatte er eine Affäre (Entschuldigung: „Ich wusste nicht, dass sie schwanger ist.“), aber jetzt, da Laura weg ist, naja, da wäre es eigentlich doch besser, sie wäre da. Erkenntnis Nummer 1: Männer brauchen auch Mitte 30 noch den Reiz und wollen immer genau das, was sie nicht haben können. Mann = Jäger.

Männer und Liebeskummer

Laura ist jetzt aber mit dem Nachbarn Ian zusammen. Sie zurückzubekommen, das ist kein einfaches Unterfangen. Warum er und nicht ich? Diese Frage stellt sich Rob nun oft. Um seine Trauer zu bewältigen, verbringt er eine Nacht mit Sängerin Marie. Dabei überkommen ihn große Versagensängste („Was ist, wenn mein Kopf im Pullover stecken bleibt?“). Erkenntnis Nummer 2: Männer können sich sehr wohl Gedanken über ihr eigenes Verhalten machen. Ob das immer zu sinnvollen Schlussfolgerungen führt – das sei dahin gestellt.

Um Laura zurückgewinnen, entwickelt Rob verschiedene Strategien. Das geht vom Telefonterror bis hin zum Aufspüren seiner alten Ex-Freundinnen, um zu verstehen, wo seine Fehler liegen. Erkenntnis Nummer 3: Manchmal ist alles ganz anders, als es den Anschein machte. Und manchmal ist es im Rückblick einfach verdammt viel besser, dass die ein oder andere Beziehung scheiterte – auch wenn die Tränen damals reichlich flossen.

Keine zeitlichen Diskrepanzen

Obwohl „High Fidelity“ bereits 18 Jahre alt ist, war es mir streckenweise, als würde ich ein Roman aus meiner heutigen Lebenswelt lesen. Die Probleme sind wohl einfach immer dieselben. Verwaschene Unterhosen, die im Laufe einer Beziehung plötzlich auftauchen. Anstrengende Gespräche auf Partys. Die Leidenschaft für den Job, Unverständnis für Menschen, die das nicht nachvollziehen können. Robs Erfahrung mit seinen Eltern. Und seine Ausführungen, dass manche Frauen für eine Beziehung Freunde eklatant vernachlässigen – alles schon erlebt.

Nick Hornby schreibt herrlich amüsant, interessant und abwechslungsreich. Es macht großen Spaß diesen Roman zu lesen.

2 thoughts on “Schmöker: “High Fidelity” von Nick Hornby

  1. Sarah sagt:

    Den Film finde ich auch sehr sehenswert – sage ich, ohne das Buch gelesen zu haben :)

  2. nicolas sagt:

    Ich fand “damals” Buch und auch Film toll – und ich glaube gerne, dass man das Buch heute auch noch gut lesen kann – die Probleme von damals sind wohl tatsächlich noch dieselben.

    Der Umstand, dass Rob ein Plattengeschäft führt, ist ein charmanter, finde ich. Waren doch Plattenläden damals schon veraltet, und heute ist die Nachfolgerin der Platte, die CD, in einer ähnlichen Lage :)

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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