30. Juli 2013

Schmöker: “Ein ganzes halbes Jahr” von Jojo Moyes

Kitsch und viel zu viel Romantik

Wochenlang stand „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes auf den Bestseller-Listen ganz oben. Trotzdem kam ich nie in Versuchung, mich mit der Geschichte von Lou und Will näher zu beschäftigen. Spätestens seit ich „Die Frau des Zeitreisenden“ gelesen habe, mache ich einen großen Bogen um Bücher, bei denen es offensichtlich primär um das Suchen und Finden der Liebe geht. Für zuviel Romantik und Kitsch bin ich leider nicht empfänglich. Ausnahme ist einzig “Zwei an einem Tag”.

Nun bekam ich jedoch, als ich krank war, den Tipp einer lieben Freundin, mir doch „Ein ganzes halbes Jahr“ zu kaufen. Na gut, dachte ich, gebe ich dem Buch eine Chance. Ich besorgte es mir gleich und begann zu lesen – bis zum bitteren Ende. Zig Male fluchte ich.

Schlimme Klischees

Der Roman funktioniert nach dem einfachen Prinzip: Da ist ein toller, reicher Typ (in diesem Fall Will) und ein schräges Mädchen, das nicht so sehr auf der Sonnenseite des Lebens steht (Louisa, kurz: Lou). Im gewöhnlichen Alltag würden beide nie aufeinander treffen, doch dann kommt das Schicksal. Zack. Alles durcheinander gewirbelt. Laaangweilig.

Konkret: Will wird von einem Motorrad erfasst, ist nach dem Unfall gelähmt und schwer depressiv. Seine Familie ist verzweifelt und stellt deshalb die arbeitslose Lou ein, sie soll ihn auf bessere Gedanken bringen. Das Konzept erinnert stark an „Ziemlich beste Freunde“.

Zugute zu halten ist dem Buch, dass Jojo Moyes versucht, in all die trivialen Sätze ein schweres Thema zu packen: Sterbehilfe. Wann ist ein Leben noch lebenswert? Wann muss eine Familie einen geliebten Menschen loslassen? Wie viel Egoismus und Rücksichtnahme sind erlaubt und richtig? Darüber machte ich mir tatsächlich Gedanken. Das finde ich einen sehr interessanten Aspekt an dem Roman – aber das ist das einzig Positive.

Schrecklicher Frauenroman

Ansonsten ist das Buch ein schrecklicher Frauenroman. Um „P.S. Ich liebe Dich“ machte ich bis heute einen riesigen Bogen, nichts auf der Welt bringt mich dazu, so einen emotionsüberladenen Roman zu lesen, „Ein ganzes halbes Jahr“ hat mich ständig daran erinnert. Genau so rührselig stelle ich mir das Werk von Cecila Ahern vor.

Es unter Chick-Lit einzuordnen, wäre vielleicht ein wenig zu böse. Aber selbst das interessante Thema der Sterbehilfe wird von zu vielen banalen Aspekten verschüttet. Aber das ist wohl auch das Geheimnis des Erfolgs: Ein ernstes Thema so federleicht zu verpacken, dass fast keine traurige Stimmung aufkommt und es so gerne gelesen wird. Mir ist das zu oberflächlich. Wer jedoch im Sommer Lust hat, am Pool oder im Park ein einfach strukturiertes Buch zu lesen, der kann sich „Ein ganzes halbes Jahr“ gerne kaufen. Ansonsten können 14,90 Euro sinnvoller investiert werden.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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