13. August 2013

Heimat: “Turnbeutel Fraktion Germany”

Nadine Bers

Das ist Nadine. (Foto: David Bruchmann)

Von Flohmarkt zu Flohmarkt

Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen im Jahr zeigen, flitzt Nadine Bers mit ihrem kleinen, dunkelgrauen Auto durch die Region. Landau, Straßburg, Worms, Karlsruhe. Verschiedene Flohmärkte klappert die 27-Jährige akribisch ab, vorwiegend kleine und übersichtliche, immer auf der Suche nach alten Stoffen. Neuware? „Keine Interesse“, sagt die junge Frau aus Speyer. Stattdessen kauft sie Bettlaken, Vorhänge und Tischdecken. Ihre Maxime: Nachhaltigkeit. Zuhause, an ihrem Küchentisch, näht Nadine Bers aus diesen Vintage-Stoffen Turnbeutel – jedes Stück ein Unikat. Die Nachfrage ist groß, ein Modelabel entstand: „Turnbeutel Fraktion Germany“ lautet der Name.

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Foto: Stephanie Schweigert

Gegen den schnellen und günstigen Konsum

„Die Idee, etwas Eigenes zu machen, kam mir bei einer langen Zugfahrt nach Hamburg“, erzählt die Designerin. Sie saß auf ihrem Platz, hatte Langweile, ließ ihren Blick durch die Reihen schweifen – und musterte den Kleidungsstil der anderen Fahrgäste ganz genau. „Ich entdeckte dabei nur wenige Menschen, die etwas Besonderes oder Einzigartiges trugen“, erinnert sie sich. Ihr Eindruck: Viele junge Menschen kaufen vornehmlich bei großen Modegeschäften wie Primark oder H&M ein, unterscheiden sich in ihrem Stil kaum voneinander. „Das ist schade“, meint die 27-Jährige. „Ich wollte deshalb etwas Neues wagen.“ Praktisch sollte es sein, minimalistisch, ohne viel Firlefanz oder Schnickschnack. „Aber trotzdem schön und modern“, betont Nadine Bers. Die Idee, aus alten Stoffen Turnbeutel zu entwerfen, kam auf.

Zeitgenössisches Design trifft auf ein Stück Vergangenheit: „Die Turnbeutel bestehen alle aus aussortierten Wohntextilien“, erläutert sie. Außer auf Flohmärkten schaut sich die 27-Jährige auch in Secondhandläden in der Region um, kauft dort Meterware auf. Die verschiedensten Motive sind auf den Turnbeuteln zu entdecken: Pferde, Wolken, Blumen und Palmen. „Jedes Stück gibt es nur einmal, mein Sortiment ändert sich ständig“, sagt sie. Vor allem bei den 18-35-Jährigen sei das Interesse groß. Nadine Bers meint: Der Trend geht weg vom Jutesack hin zum Turnbeutel. Etwa zweieinhalb Stunden braucht die 27-Jährige, um aus dem alten Stoff ein neues und modisches Accessoires zu machen. Ausschneiden, Futter einnähen, Nieten und Kordeln anbringen: „Ich mache alles selbst“, sagt sie.

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Foto: Stephanie Schweigert

Seele in den Massenkonsum

„Meine Mutter ist Schneiderin, brachte mir schon früh den Umgang mit Nadel und Faden bei.“ Eine Ausbildung im visuellen Marketing absolvierte Nadine Bers nach der Schule. Um ihre Produkte bekannt zu machen, knüpfte sie Kontakte zu Einzelhändlern und Ateliers in der Umgebung. Bei der Online-Plattform „Dawanda“ hat sie einen Internetshop. Darüber hinaus rief die Designerin in der Fächerstadt den Kulturmarkt „Support The Underground“ ins Leben. Dieser findet nun zwei Mal im Jahr im Kulturraum „Vanguarde“ statt, zahlreiche Aussteller aus der Region präsentieren dort ihre Werke. „Ich wollte damit eine Plattform für junge Kreative in Karlsruhe schaffen“, sagt sie. „Und ein wenig Seele in die hektische Zeit des Massenkonsums bringen.“

Der Artikel ist heute auch in den BNN erschienen:
Nadine

www.facebook.com/TurnbeutelfraktionGermany.

2 thoughts on “Heimat: “Turnbeutel Fraktion Germany”

  1. frauenlieben sagt:

    Ich finde es gut, wenn Leute Eigeninitiative entwickeln und sich von der Masse abheben.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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