5. November 2013

Melodien: “Ein Abend mit Nicolas Sturm und Yasmine Tourist”

 

Ein Singer/Songwriter mit deutschen Texten voller Poesie und eine Band, die sich auf ihrer Debütplatte beschwingtem amerikanischem Folkrock widmet – eigentlich eine schöne Kombination für ein Doppelkonzert in der Scenario Halle im Kulturzentrum Tempel. Leider waren die rund zweieinhalb Stunden mit Nicolas Sturm und der Band „Yasmine Tourist“ gespickt von technischen Pannen und einigen schrägen Tönen.

Ganz alleine macht Sturm den Auftakt. Es fehlt sein Multiinstrumentalist Jeremy Dhôme – alias „Klingen Ensemble“ – mit dem er noch im Februar im Kulturraum Kohi das Publikum begeisterte. In der Scenario Halle bestreitet er mit seiner Gitarre (mal akustisch, mal elektrisch), einer Loop-Maschine und seiner markanten Stimme das Konzert. Das könnte bestens funktionieren, sind seine mit dem Udo-Lindenberg-Preis prämierten Texte doch einfallsreich und fantasievoll. Auch die Melodien sind ausgefeilt, weder trivial noch sperrig. Doch Sturm wirkt von Beginn an wenig motiviert.

Vielmehr spult er sein Programm ab. Kontakt zum Publikum sucht er kaum, zwischen den Liedern wurstelt er sich durch seine Songliste, wechselt die Gitarren, ein Schluck Bier, dann geht es weiter – schade und wenig nachvollziehbar, ist das Konzert doch ein Heimspiel und der Auftakt seiner „Manhattan“-Tour. Einen Tag zuvor erschien die gleichnamige EP. Fünf starke Songs sind darauf, alle Titel bestehen, ganz im Sturm-Stil, aus nur einem Substantiv, heißen „Sohn“, „Handschellen“ oder „Festung“. An diesem Abend spielt er aber nur zwei davon. Immerhin: Die Zugabe „Schiffbruch“ ist ein ruhiges Lied, das bewegt und sich als Akustik-Variante gut eignet.

 

 

Yasmine Tourist aus Stuttgart spielen zum ersten Mal live in der Fächerstadt. „Wir wollten schon im Frühjahr ein Konzert hier geben“, erzählt Sänger Dominik Gerwald dem Publikum. „Leider wollte uns da wohl kaum einer sehen.“ Der Auftritt wurde gecancelt, nun der nächste Versuch.

Sechs Männer stehen auf der Bühne, Schlagzeug, Bass, Klavier, Gitarre, alles vorhanden. Mit der Abstimmung der Instrumente klappt es aber nur verhalten. Vor allem im ersten Teil des Konzertes quietscht es ständig, Sänger Gerwald ist kaum zu hören. Der Auftritt zieht sich in die Länge. Gerwald bemüht sich redlich, erzählt immer wieder Anekdoten. Die Songs sind beschwingt, lassen Südstaatenflair aufkommen. Nett: die Instrumentalpassagen und das Glockenspiel. Aber letztlich berühren die Songs nur wenig. Die Leichtigkeit, die auf dem Album zu hören ist, schwappt nicht über. Auch hier bleibt der Eindruck: Da ist live noch viel Luft nach oben.

Der Artikel ist heute in den BNN nachzulesen:
Sturm

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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