28. November 2013

Schmöker: “Ein Abend mit Denis Scheck in Karlsruhe”

Wenn Denis Scheck mit „Druckfisch“ am späten Sonntagabend im Fernsehen zu sehen ist, schlafe ich meist schon. So freue ich mich immer, wenn er wie am gestrigen Abend in Karlsruhe vorbeischaut.

Romane, Krimis, Sachbücher und Comics: Die unterschiedlichsten Werke hat der Literaturkritiker auf seinem Tisch im Literaturhaus im Prinz Max-Palais drapiert. Dabei betont er gleich zu Beginn: „Niemand muss was gelesen haben.“

Sich bei der Bücher-Auswahl an der Bestseller-Liste zu orientieren, davon rät Denis Scheck kategorisch ab. „Dahinter verbergen sich nicht die besten, sondern nur die am meisten verkauftesten Werke.“

Dass die Masse scheinbar kein Geschmack hat, zeige sich unter anderem an den drei Bänden von „Shades oft Grey“. Das sei „Literatur für Neandertaler“, sagt Scheck. Wer einen richtig guten Porno lesen wolle, solle sich “Haus der Löcher” von Nicholson Baker kaufen.

Auch von Paulo Coelho ist der Kritiker wenig angetan. „Das ist gar mein Lieblingsfeind“, sagt er. Coelhos Darstellung der Welt in „Der Alchimist“ sei trivial, banal, unterkomplex. Das Buch ist laut Denis Scheck zum „gegen die Wand schmeißen“.

Weitaus besser kommt bei ihm – überraschenderweise – Dan Browns „Sakrileg“ weg. „Es ist immer eine Frage des Maßstabs“, erklärt Denis Scheck seine Sympathien für den Thriller. „Sakrileg“ sei das Pendant zu einem spannenden Popcorn-Movie und eigne sich hervorragend als Lektüre am Pool. „Ein kleiner Schundroman“, sagt der Kritiker mit einem Augenzwinkern.

Zu lesenswerten Bestsellern gehören seiner Meinung nach auch „Lolita“ von Vladimir Nabokov (“da prallen die amerikanische und europäische Kultur aufeinander“) oder „Und dann gabs keines mehr“ von Agatha Christie („eine anständige Krimiautorin“).

Gut zur Orientierung im Buch-Dschungel eigneten sich Messen oder Preise, sagt Denis Scheck. Seine Empfehlung: „Flut“ von dem Brasilianer Daniel Galera (sein Heimatland stand bei der Buchmesse in Frankfurt im Mittelpunkt). Oder „Pong redividus“ von Sibylle Lewitscharoff. Sie gewann in diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis.

Denis Schecks Buchpreis-Gewinner der Herzen ist Reinhard Jirgl mit „Nichts von euch auf Erden“. Vorsicht: Selbst der belesene Kritiker Scheck brauchte nach eigenen Angaben drei Anläufe, bis er mit dem Buch warm wurde. „Es lohnt sich aber.“

Lesenswert sind seiner Meinung nach auch:

• „Honig“ von Ian McEwan (eine spannende Geschichte über den britischen Geheimdienst).
• „Stoner“ von John Williams (ein Roman, der einen Literaturwissenschaftler von der Wiege bis zur Bahre begleitet) und
• „Entenhausen – Die ganze Wahrheit“ von Patrick Bahners.

Denis Schneck schenkt seiner Mutter übrigens “Königsallee” von Hans Pleschinski zu Weihnachten – wer Thomas Mann mag, habe damit große Freude, versprach er.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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