29. Dezember 2013

Flimmerkasten: “Only Lovers Left Alive”

Zu Jim Jarmusch-Filmen habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Während mich „Broken Flowers“, „Coffee and Cigarettes“ oder auch „Night On Earth“ sehr gut unterhielten, war „Dead Man“ eine nicht zu bewältigende Herausforderung. Gleich zwei Mal versuchte ich ihn in unterschiedlicher Gesellschaft auf DVD anzuschauen, jedes Mal schliefen alle Beteiligten ein.

Nun lief am Donnerstag das neueste Werk von Jim Jarmusch an: „Only Lovers Left Alive“, ein Film über ein Vampir-Ehepaar. Sehr skeptisch war ich, ob mich eine Geschichte mit Blut saugenden Geschöpfen wirklich mitnimmt. Doch jede Sorge war unbegründet – der Film ist äußerst sehenswert, wenn auch der Spannungsbogen gering und es an manchen Stellen ein wenig langatmig ist. Macht am Ende aber nichts. In „Only Lovers Left Alive“ stimmt jedes Detail – sowohl visuell als auch akustisch.

Im Mittelpunkt stehen die Vampire Eve (großartig: Tilda Swinton) und Adam (Tom Hilddleston). Sie sind seit Jahrhunderten verheiratet, führen jedoch eine Fernbeziehung. Er lebt im heruntergekommenen Detroit, sie in Tanger (Marokko). Über moderne Kommunikationsmittel halten sie Kontakt. Dabei spürt Eve, dass es Adam nicht gut geht, er sentimental ist, zu Selbstmordgedanken neigt. Sie bucht sich einen Nachtflug über Paris und kommt ihn besuchen.

Mit Eve und Adam hat Jim Jarmusch zwei sehr unkonventionelle Vampire geschaffen. Statt barbarisch Menschen auszusagen, schlürfen sie das Blut kultiviert aus edlen Likorgläschen. Adam ist ein großer Musikliebhaber, hat ein kleines Tonstudio in seinem Haus, komponierte bereits im 19. Jahrhundert für Schubert. In seiner derzeitigen melancholischen Phase entsteht jedoch vorrangig Beerdigungsmusik. Eve ist sehr belesen, beschäftigt sich mit Literatur aus unterschiedlichen Epochen und verschiedenen Sprachen. Beide Vampire haben sich durch ihr jahrhundertlanges Leben ein breites Wissen angeeignet. Die Dialoge zwischen Eve und Adam sind entsprechend gespickt mit interessanten Details – es ist eine große Freude ihnen zuzuhören. Sehr unterhaltsam ist außerdem der Part, in dem Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) zu Besuch kommt. Eine quirlige Nervensäge, die für ganz schön viel Trubel sorgt.

Jim Jarmusch hat in „Only Lovers Left Alive“ den Zerfall von Detroit wunderbar in Szene setzt. Beispielsweise durch Autofahrten vorbei an leerstehenden Häusern oder durch einen Ausflug zu einem ehemaligen pompösen Kino, das nun als heruntergekommenes Parkhaus dient. Für Adam sind die meisten Menschen Zombies – durch seine Augen wird deutlich, wie viel Mist wir bauen.

Im Mittelpunkt des Filmes steht die ewige Liebe zwischen Eve und Adam. Sie sind sehr vertraut miteinander, akzeptieren sich so wie sie sind. Ein enges Band besteht zwischen ihnen – unabhängig von Zeit und Raum. Vor kurzem las ich ein Interview mit Jim Jarmusch, in dem er sagte, dass die Vampire in seinem Film eigentlich Menschen sind, er habe sie nur in einem anderen Zustand gesetzt. Und wie diese Vampire können auch Menschen ewig lieben. Eine schöne Vorstellung.

(Visited 44 time, 1 visit today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@mademoiselle_miriam