2. Januar 2014

Schmöker: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer

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Tiere essen oder nicht? Diese Frage stellte sich für mich lange Zeit nicht. Auf dem Land bin ich groß geworden, war als Kind bei der Kartoffelernte dabei und erlebte, wie die Schweine und Hasen von meinen Großvätern nach einem zufriedenen Leben geschlachtet wurden. Meine Eltern halten heute noch Hühner, die friedlich auf der Wiese herum spazieren und so lange leben dürfen, wie sie wollen. Ich wuchs mit einer klaren Abgrenzung von Nutz- und Haustieren auf. Und damit, dass nachvollziehbar ist, wo der Sonntagsbraten herkommt.

Bereits seit Jahren esse ich aber nur noch selten Fleisch. Das ist bislang jedoch mehr eine Geschmacksfrage als eine bewusste moralische Entscheidung gewesen. Ich liebe Pasta, bastle mir gerne einen bunten Salat zusammen oder kombiniere Reis mit verschiedenen Gemüsesorten. Wurst hat gegen Käse keine Chance. Es schien mir aber nicht verwerflich, ab und an mal eine Lasagne zu kochen oder in einem Restaurant ein Rindersteak zu bestellen.

Mir „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer zu Gemüte führen, das stand deshalb nicht unbedingt auf meiner „To Do“-Liste. Nun brachte mir aber ein Arbeitskollege das Sachbuch mit. Und da ich von Foer bereits einige Bücher gelesen habe und ihn als Autor sehr schätze, wollte ich nun doch wissen, was er zu dem Thema sagt. Ich bin begeistert.

Am meisten imponiert hat mir an dem Buch, dass Foer auf keiner Seite mit erhobenem Zeigefinger agiert. Kein einziges Mal versucht er Schwarz-Weiß-Muster aufzubauen. Vielmehr überzeugt er mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die er auf den letzten Seiten ausführlich belegt.

Natürlich gibt es in „Tiere essen“ genaue und schreckliche Beschreibungen von Massentierhaltungen. Foer differenziert dabei zwischen Anlagen für Hühner, Schweine, Rinder und geht auch auf unterschiedliche Fangmethoden ein. Das sind streckenweise so drastische Schilderungen, dass es mich erschauderte und ich eine Wut auf die Menschen bekam, die hinter diesem System stehen. Auch der Aspekt, wie viel Antibiotika in den USA jährlich an Tiere ausgegeben werden, haute mich um: acht Millionen Kilogramm. Im Vergleich: Für Menschen sind es 1,4 Millionen Kilogramm. Das ist verrückt.

„Tiere essen“ ist darüber hinaus sehr vielschichtig. Tierschutzaktivisten kommen zu Wort, einzelne Farmer und Rancher geben ihre Ansichten wider, ein Fleischproduzent verteidigt sich und Foer lässt immer wieder seine persönlichen Ansichten einfließen. Auch ist das Werk – Foertypisch – völlig unkonventionell aufgebaut. Der Amerikaner hat eine alphabetische Wortbedeutung zusammengestellt, diese beinhaltet Definitionen unter anderem von Anthropomorphismus, Käfigbatterie und Wohlfühlessen. Er berichtet außerdem von der ersten Massentierhalterin sowie vom Zusammenhang von Tierzucht und Pandemien. Das ist höchst interessant.

Einen besonders tollen Aspekt fand ich, dass Foer einräumt, dass er selbst noch Gelüste auf Fleisch oder Sushi hat. Er fragt sich dann aber immer, ob das Leiden der Tiere nicht über diesem Appetit stehen sollte. Und lässt es deshalb sein. Das ist ein schöner Ansatz, den ich nun selbst in mein Leben verankert habe. Ob es mir gelingen wird, diese Maxime in jeder Situation zu befolgen, das weiß ich nicht. Komplett restriktiv möchte ich nicht agieren. Aber inzwischen ist es für mich nur noch schwer möglich, mit gutem Gewissen Fleisch und Fisch zu konsumieren. Jonathan Safran Foer hat es tatsächlich geschafft, dass ich keinen legitimen Grund mehr finde, Tiere zu essen – und das auf völlig sympathische Art und Weise.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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