2. Januar 2014

Schmöker: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer

Ein wichtiges Buch: “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer

Ein Arbeitskollege brachte mir „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer mit. Ich war neugierig. Da ich von Foer bereits einige Bücher gelesen habe und ihn als Autor sehr schätze, wollte ich  wissen, was er zu dem Thema sagt. Ich bin begeistert.

Ohne moralischen Zeigefinger

Am meisten imponiert hat mir an dem Buch, dass Foer auf keiner Seite mit erhobenem Zeigefinger agiert. Kein einziges Mal versucht er Schwarz-Weiß-Muster aufzubauen. Vielmehr überzeugt er mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die er auf den letzten Seiten ausführlich belegt.

Natürlich gibt es in „Tiere essen“ genaue und schreckliche Beschreibungen von Massentierhaltungen. Foer differenziert dabei zwischen Anlagen für Hühner, Schweine, Rinder und geht auch auf unterschiedliche Fangmethoden ein. Das sind streckenweise so drastische Schilderungen, dass es mich erschauderte und ich eine Wut auf die Menschen bekam, die hinter diesem System stehen.

Interessante Fakten!

Auch der Aspekt, wie viel Antibiotika in den USA jährlich an Tiere ausgegeben werden, haute mich um: acht Millionen Kilogramm. Im Vergleich: Für Menschen sind es 1,4 Millionen Kilogramm. Das ist verrückt.

„Tiere essen“ ist darüber hinaus sehr vielschichtig. Tierschutzaktivisten kommen zu Wort, einzelne Farmer und Rancher geben ihre Ansichten wider, ein Fleischproduzent verteidigt sich und Foer lässt immer wieder seine persönlichen Ansichten einfließen. Auch ist das Werk völlig unkonventionell aufgebaut. Der Amerikaner hat eine alphabetische Wortbedeutung zusammengestellt, diese beinhaltet Definitionen unter anderem von Anthropomorphismus, Käfigbatterie und Wohlfühlessen. Er berichtet außerdem von der ersten Massentierhalterin sowie vom Zusammenhang von Tierzucht und Pandemien. Das ist höchst interessant.

Viel aus diesem Buch gelernt!

Einen besonders tollen Aspekt fand ich, dass Foer einräumt, dass er selbst noch Gelüste auf Fleisch oder Sushi hat. Er fragt sich dann aber immer, ob das Leiden der Tiere nicht über diesem Appetit stehen sollte. Und lässt es deshalb sein. Das ist ein schöner Ansatz, den ich nun selbst in mein Leben verankert habe.

Inzwischen ist es für mich nur noch schwer möglich, mit gutem Gewissen Fleisch und Fisch zu konsumieren. Jonathan Safran Foer hat es tatsächlich geschafft, dass ich keinen legitimen Grund mehr finde, Tiere zu essen – und das auf völlig sympathische Art und Weise.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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