13. Januar 2014

Flimmerkasten: “Nebraska”

Kinostart: 16. Januar

Es ist ein unverhofftes Wiedersehen mit Saul, dem zwielichtigen Anwalt aus Breaking Bad – in Schwarz-Weiß und ganz ohne Drama. Bob Odenkirk spielt in „Nebraska” den Fernsehmoderator Ross. Es ist eine kleine Nebenrolle, die er in dem melancholischen Roadmovie von Alexander Payne ergatterte. „Nebraska“ ist eine wunderbare Milieu-Studie über die Menschen im Mittleren Westen der USA – mit bittersüßem Humor.

Im Mittelpunkt des Filmes steht Ross‘ seniler Vater, Woody Grant (Bruce Dern). Er möchte in einem Anflug von Altersstarrsinn und Verwirrtheit 900 Kilometer von seinem Heimatort nach Lincoln, Nebraska, zurücklegen. Wenn es sein muss, dann auch zu Fuß. Der Grund: Woody ist einem Werbeprospekt auf den Leim gegangen und möchte nun einen Gewinn abholen, den es gar nicht gibt. Moderne Bauernfängerei sozusagen.

Gleich in den ersten Sekunden des Films wird deutlich, dass es um Woody nicht mehr allzu gut steht. Er läuft planlos über die Straße, mit abstehendem Haar und leerem Blick. Ohne Rücksicht auf Verluste möchte er das vermeintlich gewonnene Geld in Lincoln abholen. Unbedingt. Jeglicher Versuch ihm zu vermitteln, dass er einem Irrtum aufsitzt, scheitert. Seine Frau Kate (großartig: June Squibb) beschimpft ihn ohne Ende keift, zetert herum. In der Ehe ist die Luft raus, der Frust groß. Auch Ross hat wenig Interesse daran, seinem Vater dabei zu helfen, nach Lincoln zu kommen.

Einzig David, sein lethargischer zweiter Sohn, hat Mitleid und möchte Woody den Gefallen tun. Mit dem Auto geht die Fahrt los – quer durch den Mittleren Westen. Es wird keine einfache Reise. Bei einem Zwischenstopp in der alten Heimat bei Woodys Bruder kommen alte Geschichten hoch, nahezu geheilte Wunden werden neu aufgerissen. Der Ausflug entpuppt sich als Reise in die Vergangenheit, die Vater und Sohn aber näher zusammenbringt.

„Nebraska“ ist zwar kein epochales Meisterwerk, aber der perfekte Film für einen grauen Januartag. Er ist leicht, ohne trivial zu sein. Und tiefgründig, ohne zu belasten. Es sind besonders die Menschen, die Regisseur Alexander Payne („About Schmidt“) so wunderbar einfängt. Streckenweise wirkt der „Roadmovie“ wie ein Dokumentarfilm, so echt und realitätsnah scheint alles zu sein. Ein großer Verdienst hat daran auch Kameramann Phedon Papamichael, der den Mittleren Westen in Schwarz-Weiß und CinemaScope einfängt.

Fast schon grotesk wirken die Szenen im Wohnzimmer von Woodys Bruder. Die zwei Neffen spiegeln die Auswirkungen der schlechten wirtschaftlichen Lage und den Niedergang der USA wider. Bruce Dern wurde in Cannes für seine Leistung mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Am Donnerstag läuft der Film an, reingehen.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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