7. Februar 2014

Flimmerkasten: “The Wolf Of Wall Street”

Triebgesteuert. Jordan Belforts Leben ist geprägt von Geld, Sex und Drogen. In „The Wolf Of Wall Street“ greift Martin Scorsese die Biografie des amerikanischen Brokers auf und gewährt einen Blick hinter die Kulissen dieser verrückten Finanz-Welt. Sehenswert, aber leider viel zu eindimensional.

Auf der Leinwand strotzt es knapp drei Stunden lang von unzivilisierten Männern, die sich wie im Dschungel aufführen und alle Hemmungen verlieren. Frauen werden fast ausnahmslos auf Sexobjekte reduziert. Die geprellten Anleger aus der Mittelschicht, die ihr Erspartes verlieren, betrogene Ehefrauen, die unter der Untreue ihrer Männer leiden. Fehlanzeige. Scorsese zeigt keine andere Perspektive auf als die der orgienfeiernden Männer. Schade.

Gleichwohl: Leonardo DiCaprio beeindruckte mich nachhaltig. Solariumgebräunt und mit dunkel gefärbten Haaren spielt er Jordan Belfort. Viel Idealismus steckt noch in ihm, als er mit 22 Jahren an die Wall Street kommt. Alkohol, Drogen und Prostituierte – schnell kommt er damit in Berührung, wird in die Untiefen des Raubtierkapitalismus eingeführt, samt affenartigen Ritualen.

Der Börsencrash am Schwarzen Montag 1987 wirbelt erstmal alles durcheinander. Belfort ist raus. Aber nur kurz. Schnell merkt der rhetorisch exzellente Börsianer, dass er in einem heruntergenommen Laden ahnungslose Kunden mit wertlosen Papieren ausnehmen kann; die Moral schwindet im Sekundentakt, der Aufstieg geht rasend.

Was folgt ist ein kunterbunter Mix an Drogen, wilden Partys und ungezähmter Gier nach Geld. Grenzen gibt es in der Welt von Jordan Belfort keine mehr. Seine erste Frau betrügt er unzählige Mal, verlässt sie für die wunderschöne Naomi. Aber auch sie kann ihn letztlich nicht von Sexeskapaden mit anderen Frauen fernhalten. Nicht mal vor ihrer Tante macht er Halt.

Jordan Belforts Verwandlung zum unmenschlichen Arschloch findet im Foyer eines Country Clubs ihren Höhepunkt. Die genommenen Drogen wirken verspätet, er verliert die Kontrolle über seinen Körper, sabbert, robbt über den Boden, purzelt die Treppe hinunter. Gregor Samsa lässt grüßen. Irgendwie schafft er es noch zu seinem Auto, fährt in diesem desolaten Zustand Auto, demoliert es. Zuhause angekommen wartet sein Freund und Geschäftspartner Donnie. Er ist in einer ähnlichen Verfassung, droht an einem Sandwich-Stück zu ersticken. Belfort versucht ihm das Leben zu retten, eine denkwürdige Szene. Leonardo DiCaprio sollte für diese Leistung den Oscar bekommen.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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