25. Februar 2014

Flimmerkasten: “Stromberg – der Film”

„Lass das mal den Papa machen“ – auf ein Wiedersehen mit Bernd Stromberg auf der Kinoleinwand freute ich mich sehr. Alle fünf Staffeln der Serie stehen bei mir im Wohnzimmer, großes Vergnügen bereiten mir die Bürogeschichten rund um den tyrannischen Schaumschläger. Stromberg pöbelt einfach über alles, über Frauen, Ernie und Ausländer. Grenzen gibt es bei ihm keine – weder in moralischer noch ethischer Hinsicht. Gespannt war ich nun, wie Regisseur Arne Feldhusen das Büro-Ekel ins Kino bringt. Fazit: Ich amüsierte mich herrlich, auch wenn der Film gegen Ende ein wenig gestraffter sein könnte.

Raus aus dem Büro, mitten rein in die Provinz: Da Stromberg um seinen Job fürchtet, packt er seine Abteilung in einen nostalgischen Bus und macht sich auf zum großen Sommerfest der Zentrale irgendwo im Hinterland. Die Reise verläuft nicht reibungslos: Der Fahrer ist schlecht gelaunt, das Klo verstopft. Zum Glück hat „Papa“ an genügend Alkohol für seine illustre Reisegruppe gedacht, Bier und Jägermeister sorgen für gute Laune. Nur Marvin, das Pflegekind von Tanja und Ulf, hat Langeweile, überall malt er seine Penis-Figuren hin. Der dicke, leicht gestörte Junge ist überhaupt der heimliche Star des Films. Kein einziges Mal spricht er ein Wort, überzeugt aber völlig mit Mimik und Gestik.

Irgendwann dann doch im Hotel angekommen, hören die Probleme für den Chef aber nicht auf. Stromberg vergaß sich im Vorfeld anzumelden, kein Bett ist mehr frei. So muss er ausgerechnet bei Ernie im Zimmer schlafen. Und auch mit dem Personalchef verscherzt er es sich gleich zu Beginn. Macht aber letztlich nichts, denn auch wenn er alles falsch macht, läuft für Stromberg alles gut. Seine frauenfeindlichen Witze schaden ihm nicht, ebenso wenig wie sein Mobbing-Video gegen Ernie. Stromberg wird auf der Feier zum „Capitol-Held“. Und zeigt sich am Ende sogar voller Moral.

„Stromberg – der Film“ ist Satire der feinsten Art und voller bitterböser Sprüche. Beispiele? „Eine Frau ist ja nicht automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ Oder: „Ernie, was dir an Grips fehlt, das gleichst du mit Blödheit wieder aus.“

Jedoch erlaubt der Film auch einen ehrlichen Blick auf die schnelllebige und prekäre Arbeitswelt von heute. Es wird deutlich, wie schnell sich alles verändern kann, Entscheidungen von oben auf kuriose Wege wie durch den Hausmeister durchsickern. Stromberg auf der Leinwand ist ein Wiedersehen, das Freude macht, hoffentlich ist es kein Abschied für immer.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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