31. März 2014

Flimmerkasten: “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”

Egal, wie ausweglos die Situation ist, im Leben geht es immer weiter. Irgendwie. Diese Erfahrung macht Allan Karlsson gleich mehrmals. Er verliert früh seine Eltern, landet in der Psychiatrie, trifft im Laufe von zehn Jahrzehnten eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten und hat das Glück, 100 Jahre alt zu werden. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber Allan hat an seinem runden Geburtstag keine Lust auf die Marzipantorte im Seniorendomizil, er steigt mit seinen Pantoffeln aus dem Fenster und macht sich auf – zu einer Vielzahl irrwitziger Abenteuer.

Das Buch von Jonas Jonasson wurde mir vor zwei Jahren empfohlen, als ich unglücklich in meinem damaligen Job war. „Miriam, lies dieses Buch, danach wirst du eine andere Einstellung zu vielen Dingen haben.“ Und in der Tat, viel Freude hatte ich mit dem skurrilen Allan und seinen absurden Erlebnissen. Groß war meine Neugierde deshalb, als ich hörte, dass der Schelmenroman verfilmt wird.

Ich bin von dem Ergebnis nicht wirklich überzeugt. Der Film hält sich zwar sehr an die gelungene Buch-Vorlage – aber eben in komprimierter Form. Das wirkt sich unter anderem auf die Ausarbeitung der schrägen Protagonisten aus, deren schrullige Eigenschaften nur noch begrenzt dargestellt sind. Und auch die einzelnen Handlungsstränge sind zusammengerafft. So ist die Verfolgungsjagd mit der Polizei nur sehr rudimentär vorhanden. Spannung kommt so keine auf. Schade.

Mal mit, mal ohne Falten: Der schwedische Komiker Robert Gustafsson spielt in dem Film sowohl den jungen als auch alten Allan. Versierte Maskenbildner machen es möglich. Als seniler Alter wirkt er dabei jedoch oft sehr hölzern. Sein tattriges Verhalten kommt wenig authentisch rüber, eher angestrengt.

Eine komplette Katastrophe ist der Film aber keineswegs. Der pech-schwarze Humor ist gut herausgearbeitet, die Musik ist unterhaltsam. Hätte ich das Buch nicht gelesen, würde ich das Werk von Regisseur Felix Herngren als kurzweilig bezeichnen. Ein Kino-Besuch muss nicht sein, aber auf DVD lohnt sich der Film auf jeden Fall.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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