7. Mai 2014

Fernweh: “Berlin – re:publica”

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„Und du gehst nach Berlin, zur re:publica.“ Groß war meine Freude, als mir das mein Chef vor wenigen Wochen verkündete. Ein Kongress mit Vorträgen rund um Blogs, soziale Medien, Journalismus und gesellschaftliche Entwicklungen. Perfekt. So war mein Koffer nach Hongkong kaum ausgepackt, als ich ihn am Sonntag mit meinem Krempel wieder füllte.

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Von „Geheimdiensten vs. Demokratie“ über Elternblogs und Lokaljournalismus“ – schon die ersten drei Veranstaltungen, die ich besuche, sind spannend und bringen viele neue Erkenntnisse mit sich. Natürlich lass ich mir auch den medienwirksamen Auftritt von David Hasselhoff nicht entgehen – selbst wenn ich mir inhaltlich davon nicht viel verspreche.

Von dem einstigen Baywatch-Star ist mir aus den vergangenen Jahren besonders ein Anblick im Kopf geblieben: Im völlig desolaten Zustand liegt er auf einem Bett, lallt, versucht einen Cheeseburger zu essen. Mit mäßigem Erfolg. Sechs Jahre ist das her, elf Millionen Menschen klickten auf das Youtube-Video. Ist es ihm heute peinlich? Nein, er erzählt bei seinem Auftritt munter davon. Mag damit verdeutlichen, dass er weiß, wie es sich anfühlt, wenn private Dinge im Netz landen.

Viel Nennenswertes kommt in dem 30-minütigen Vortrag von Hasselhoff und Mikko Hyppönen (Anti-Virus-Experte), der mit ihm auf der Bühne steht, tatsächlich nicht rüber. Eine klare Positionierung zu Snowdon? Fehlanzeige. Schließlich wolle er ja zu Hause wieder einreisen dürfen, betont Hasselhoff. So lässt er die zahlreichen Zuhörer an seinen Erinnerungen teilhaben, berichtet von seinem Auftritt beim Mauerfall, seinem sprechenden Auto K.I.T.T. und glänzt mit Phrasen („Überwachung ist überall“). Die Reihen leeren sich daraufhin schnell und merklich. Am Ende lässt sich der einstige Star noch kurz hinreißen, seinen größten Hit “Looking for Freedom” anzustimmen. Immerhin: In diesem Moment ist ihm für knapp eine Minute wieder alle Aufmerksamkeit sicher.

Danach kommt Sascha Lobo auf die Bühne. Er ist wütend. Die Lage der Nation sei schlecht, betont er. „Es gibt nichts zu lachen. Ihr habt versagt“, wirft er dem Publikum vor. Er kritisiert die fehlende Spendenbereitschaft in der Gesellschaft ausgerechnet für die Vereine und Institutionen, die sich um das Netz kümmern. Dabei sei deren Arbeit wichtiger denn je. “Das Internet ist kaputt.”

Lobo lässt die NSA-Affäre sehr ausführlich Revue passieren, prangert die Politik von Angela Merkel an („Es ist eine Unverschämtheit, was für eine Nichtaufklärung da gerade passiert“) und ist sich sicher, dass die Bundeskanzlerin nicht zur Einsicht kommen wird. Aber: „Ohne Politik geht es nicht“. Die SPD ist für ihn dabei das kleinste Übel.

Gut eine Stunde höre ich Lobos Wutrede zu, viel Gerede, wenig Neues. So wandere ich weiter zu “10 Jahre Bildblog” und habe große Freude bei einem Kurzfilm und einem Quiz zu den lustigsten Überschriften und skurillen Behauptungen verschiedener Zeitungen aus den vergangenen Jahren. Ein gelungener Abschluss des ersten Tages.

 

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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