24. Juni 2014

Schmöker: “Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag” von Katrin Bauerfeind

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Schlechter Start

Nach dem ersten Kapitel hätte ich Katrin Bauerfeinds-Buch am liebsten aus dem Zugfenster geworfen. Auf der Fahrt nach Mannheim begann ich es am Samstag zu lesen. Bereits nach den ersten Sätzen fing ich an zu fluchen. Katrin Bauerfeind erzählt von ihrem gescheiterten Versuch Yoga mit der Wii zu machen – völlig konstruiert wirkt die Geschichte. Kein guter Start.

Kurzurlaub mal anders

Das zweite Kapitel wird nicht besser. Die 31-Jährige philosophiert übers Rauchen und verteidigt ihre schlechte Gewohnheit. „Rauchen ist ein in dünnes Papier gewickelter Kurzurlaub.“ Ahja. Kann man so sehen, muss man nicht.

Mochte ich Frau Bauerfeind eigentlich bislang sehr gerne, schwand die Sympathie nun von Seite zu Seite. Was sollte dieses Buch? Schlechter Ghostwriter? Geldgier? Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit durch Quatsch?

Ich las trotzdem erstmal weiter – schließlich hatte ich noch 40 Minuten Zugfahrt vor mir. Und wurde versöhnlich gestimmt. Ab Kapitel fünf wird es deutlich besser. Da erzählt die Neu-Autorin von ihrer Kindheit und Jugend in einem kleinen Dorf im Schwäbischen. Das wirkte endlich mal authentisch. „Provinz ist auch Zeitmaschine“, schreibt sie da. Tschibo statt Frappucchino.

Hochzeit auf dem Land

Auch die Beschreibung der Anti-Hochzeit (Kapitel sechs) aus der schwäbischen Heimat ist sehr treffend: Die Optik der Einladungskarten (drei Fotos auf der Karte, eins im Urlaub, eins beim Küssen, eins beim Sport), Luftballons, die nach der Trauung in die Luft gehen, ein motivierter Alleinunterhalter und schräge Spiele. Ja, da beschreibt Frau Bauerfeind die Realität auf dem Land ziemlich treffend.

Allen Groll gegen dieses Buch verlor ich dann in Kapitel 14. In „Die zitternde Seele von Frau Bauerfeind“ erzählt sie, wie sie vor Jahren bei der Talkshow „3 nach 9“ kläglich scheiterte. Diesen Katastrophen-Abend nochmals schriftlich festzuhalten, ihre Gefühle zu schildern, das macht sie äußerst sympathisch. Ihre Schlussfolgerung aus der Katastrophe: „Gescheitert, aua, weitermachen.“

Wahre Worte

Stress mit Freundinnen, die ersten Falten, die Suche nach dem Traummann: Vielen Mädels um die 30 Jahre spricht Katrin Bauerfeind mit diesem Buch wohl aus dem Herzen. Sehr lachen musste ich, als ich Kapitel 26 und folgenden Absatz las:

„Ich kann einen Sonntag so gestalten, dass er aussieht wie eine Vorabenddoku auf RTL2: neun Folgen Simpsons am Stück, Tiefkühlpizza, drei lange Telefonate und ein dreiundvierzigminütiger Blick aus dem Fenster, vor dem nichts passiert. Ich hatte schon ganze Sonntage, an denen ich nichts weiter gesagt habe als „Stellen Sie doch das Essen bitte auf den Tisch“, „Danke“ und „Stimmt so“.“

Wer Lust auf einfache, aber sehr nette Unterhaltung hat, sollte sich das Buch von Frau Bauerfeind kaufen, es sind kurzweilige Geschichten, die nicht weh tun.

2 thoughts on “Schmöker: “Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag” von Katrin Bauerfeind

  1. Jan Böhmermann sagt:

    Wenn sie nicht rauchen würde und keine Schwäbin wäre würde ich sie heiraten. True story.

  2. Evy sagt:

    Genau das ist es – es tut nich weh, löst aber auch nix aus. Es ist lustig, aber… sie nimmt das Scheitern zu leicht, um ernsthaft zu klingen. Ich sehe ohnehin nur wenig vom Scheitern… Hier ist miene Rezi: http://evyswunderkiste.blogspot.de/2014/07/mir-fehlt-ein-tag-zwischen-sonntag-und.html

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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