26. August 2014

Schmöker: “Zweier ohne” von Dirk Kurbjuweit

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Es ist eine Schullektüre, die für ziemlich viel Wirbel sorgte: Die wenigen, aber doch detaillierten Sexszenen in „Zweier ohne“ überforderten in diesem Jahr Neuntklässler, brachten Eltern auf. Interessiert verfolgte ich die Diskussion. Berechtigt oder nicht? Ich war neugierig und kaufte mir deshalb die Novelle von Dirk Kurbjuweit.

Gelesen habe ich das Buch am Samstagnachmittag in nur wenigen Stunden. Die Sprache ist klar und verständlich, schnell war ich hineingezogen in die Geschichte um die beiden Jungs Johann und Ludwig. Elf Jahre sind sie alt, als sie sich kennenlernen. Schnell entwickelt sich eine Freundschaft, die sich jedoch im Laufe der nächsten fünf Jahre in ein Extrem steigert. Wie Zwillinge möchten sie sein, sich gegenseitig bestätigen, die gleichen Erfahrungen machen, gleich denken, mit demselben Mädchen schlafen.

Unterschiedlich sind sie jedoch. Während Johann offen und dem Leben zugewandt ist, zeigt Ludwig früh seine morbide Seite. Dem Tod und Selbstmördern fühlt er sich hingezogen. Auch ist er der dominantere in der Zweierkonstellation, gibt die Richtung vor. Johann fügt sich und folgt – der Gemeinschaft Willens. Als er jedoch etwas mit Ludwigs Schwester, Vera, anfängt, wird es richtig kompliziert.

„Zweier ohne“ ist sehr kurzweilig zu lesen. An manchen Stellen wird es zwar etwas schräg. Beispielsweise dann, als sich die beiden Jungs mit einer Leiche näher beschäftigen. Aber grundsätzlich entwickelte ich schnell eine Sympathie für die Novelle. Kurbjuweit lässt einen spannenden Einblick in das Seelenleben von Johann zu. Und auch Ludwigs Charakter ist interessant und beschäftigte mich noch nachhaltig. Offene Fragen bleiben. Das ist aber auch die Stärke des Buches.

Als Schullektüre für Neunklässler ist es tatsächlich fragwürdig. Die Szenen zwischen Johann und den beiden Mädchen, mit denen er schläft, werden sehr deutlich beschrieben, was in einer Klasse mit 15-Jährigen wohl zu Überforderung führt. Aber ansonsten ist es keine vergeudete Zeit, sich mit der Novelle zu beschäftigen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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