5. September 2014

Schmöker: “Sommerhaus mit Swimmingpool” von Herman Koch

Mal wieder ein Thriller

Eigentlich wollte ich keine Thriller mehr lesen. Viel zu viele verschlang ich zu Beginn meiner Studienzeit. John Katzenbach, Tess Gerittsen, Hakan Nesser. In meinen ersten Semesterferien machte ich oft tagelang nichts anderes, als auf dem Sofa zu sitzen und zu lesen. Ich ließ mich von der Spannung völlig in den Bann ziehen. Wer war der Mörder? Wieso, weshalb, warum? Ich fieberte mit, fand oft nur schwer ein Ende. Bis ich 2005 zu Weihnachten „Zusammen ist man weniger alleine“ geschenkt bekam. Beim Lesen des Werks von Anna Gavalda wurde mir wieder bewusst, wie schön es ist, ein Buch in den Händen zu halten, in dem jeder Satz schön ist. Es nicht darum geht, schnell zum Ende zu kommen, sondern jede einzelne Seite zu genießen. Seither meide ich Krimis. Eigentlich.

Was ist nur passiert?

Vergangene Woche griff ich aus meinem Stapel an ungelesenen Büchern dann doch „Sommerhaus mit Swimmingpool“ heraus. Das Werk von Herman Koch ist wie ein Thriller konzipiert. Es gibt am Anfang einen Toten, den berühmten Schauspieler Ralph Meier. Er starb an einem Tumor, der zu spät diagnostiziert wurde. War es ein Kunstfehler oder nicht? Sein Hausarzt Marc Schlosser muss sich vor der Ärztekammer deshalb verantworten. Schnell entwickelt sich ein Sog. Was ist zwischen den beiden Männern im mittleren Alter passiert. Der Hausarzt lässt aus seiner Sicht die Ereignisse der vergangenen Monate Revue passieren. Das ist hochspannend.

Er ist nämlich ziemlich gebildet und lässt neben der Kernhandlung ständig interessante Anekdoten aus Medizin und Psychologie einließen. Beispielsweise weiß ich nun, dass die meisten Phobien bei Menschen durch Erfahrungen vor dem vierten Lebensjahr entstehen. Angst vor Tieren? Oder im kleinen Fahrstuhl? Irgendwo im Unterbewusstsein gibt es eine Erklärung dafür. Analyse kann diese zugänglich machen. Marc Schlosser hat eine Augen-Phobie. Patienten, die damit Probleme haben, kann er nicht behandeln, sie überweist er sofort zum Spezialisten. Das ist aber nun sein kleinstes Problem.

Die Familien Meier und Schlosser verbrachten gemeinsam einige Tage gemeinsam in einem Sommerhaus. Dort überschlugen sich nach wenigen Tagen die Ereignisse. Wer ist gut oder böse? Wer hat noch Moral? Das ist irgendwann nicht mehr klar.

Pechschwarz ist der Humor, die Charaktere vielschichtig, die Geschichte spannend. Es macht einfach nur große Freude diesen Gesellschafts-Thriller zu lesen. Er ist kein literarisches Meisterwerk, aber ungemein gute Unterhaltung. Letztlich schafft es Herman Koch, dass ich mich über jeden einzelnen Satz freute, aber trotz der großen Spannung keinen einzelnen übersprang. Perfekt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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