16. Oktober 2014

Flimmerkasten: “Hin und weg”

Kinostart: 23. Oktober
Auf gar keinen Fall wollte ich „Hin und weg“ sehen. Aber wirklich auf gar keinen Fall. Durch die Arbeit wurde ich auf den Film bereits vor Wochen aufmerksam, unterhielt mich mit Hauptdarstellerin Julia Koschitz über die unheilbare Nervenkrankheit ALS, um die es im Film geht und an der auch der Künstler Jörg Immendorf litt. Wir sprachen über Sterbehilfe und wie man am liebsten die letzten Tage seines Lebens verbringen möchte. All das steht im Mittelpunkt von „Hin und weg“. Nach dem Interview war für mich klar: „Das kann ich mir auf der Kinoleinwand nicht antun – das ist mir schlichtweg zuviel.“

Gehen oder bleiben?
Leider ist das Sneak-Programm nicht berechenbar. Völlig ahnungslos saß ich am Montag im Kino, wartete gespannt auf den Überraschungsfilm – und war völlig überfordert, als ich Julia Koschitz und Florian David Fitz auf der Leinwand sah. „Hin und weg“: Gehen oder bleiben? Minutenlang ratterte es in meinem Kopf. Ich blieb. Wenn auch nicht bis zum Schluss.

Mit dem Fahrrad nach Belgien
Die Handlung ist folgende: Fünf Freunde radeln gemeinsam nach Belgien. Zu Beginn wissen sie noch nicht, dass einer von ihnen, der 36-jährige Hannes, seit zwei Jahren an ALS leidet. Da sich sein Zustand in den vergangenen sechs Monaten drastisch verschlechterte und es keine Hoffnung auf Heilung gibt, möchte er in Belgien Sterbehilfe in Anspruch nehmen.

Ein schräger Frauenheld und schluchzende Mädchen
Humorvolle Szenen ohne falsche Sentimentalität: Der Film ist bis kurz vor Ende trotz des schweren Themas nicht bedrückend. Besonders Jürgen Vogel spielt seine Rolle als schräger Frauenheld Michael wunderbar. Seine Affäre Bine (Miriam Stein) nervt dagegen schon nach wenigen Minuten. Nicht jeder Witz überzeugt, trotzdem: Es wäre immer noch ein ganz netter deutscher Film mit insgesamt tollen Schauspielern, würde der Fokus in den letzten 30 Minuten nicht so extrem auf dem Sterben liegen. Das Mädel neben mir im Kino heulte und schluchzte die ganze Zeit. Das muss ich mir an meinem Feierabend nicht antun.

Hymne an das Leben
Der Film soll wachrütteln, eine Hymne an das Leben und die Freundschaft sein. Er soll zum Nachdenken anregen und für das schwierige Thema „Sterbehilfe“ sensibilisieren. All das tut er tatsächlich. Ich war aber einfach nur froh, als ich aus dem Kinosaal raus war, wieder im Freien stand und nach Hause konnte.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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