21. Oktober 2014

Schmöker: “Not that kind of girl” von Lena Dunham

DSC_8245Meine Erwartungen waren wohl einfach zu hoch. Ich freute mich so sehr auf „Not that kind of girl“, dass ich dem Erscheinungstag sehnsüchtig entgegenfieberte und das Buch sofort kaufte. Der Vorabdruck in der „Zeit“ hatte meine Hoffnungen noch bestärkt, dass es sich um ein ganz außergewöhnliches Werk handelt.

Eine erfolgreiche Frau, die endlich mal nicht perfekt ist
Es schien, als ob es endlich eine moderne Frau gibt, die überaus erfolgreich ist – ohne perfekt zu sein. Die zugibt, von Ängsten gepeinigt zu sein und zu wissen, wie es ist, sich ständig Sorgen zu machen. Und die außerdem damit klar kommen muss, dass ihr Aussehen nicht den konventionellen Idealen entspricht. All das aber kein Hindernis für ein glückliches Leben ist – wenn man nur an sich glaubt und kämpft.

“Girls” – eine Serie mitten aus dem Leben
Lena Dunham ist mir außerdem so sehr ans Herz gewachsen, weil sie mit „Girls“ eine wunderbare Serie geschaffen hat. Hannah mit ihrem Männer-Chaos, ihren Herausforderungen mit langjährigen Freundinnen, ihrer Liebe zum Schreiben. Ich sah so viele Parallelen zu meiner eigenen Lebenswelt.

Drogen und Diäten
Was sie nun aber mit „Not that kind of girl“ abliefert, ist auf vielen Seiten einfach nur überdrehter Mist. Seitenlange Angaben, was sie während ihrer Diät gegessen und was wie viele Kalorien hat. Wen interessiert das bitte? Auch dass sie ständig irgendwelche Beruhigungstabletten in Kombination mit Alkohol sowie Koks nahm, nein, das ist eher erbärmlich, als dass sie darauf stolz sein könnte. Ganz zu schweigen von den unzähligen Männernamen, die auftauchen und einfach wieder verschwinden. Sogar ihre Vergewaltigung wird derart plump beschrieben, dass ich mich wirklich ärgerte. „Das Kondom hing in der Zimmerpflanze meiner Mitbewohnerin.“ Was soll dieser Satz in solch einem Kontext? Viele ihrer Geschichten und Anekdoten werden ins Lächerliche gezogen. Das ist völlig bescheuert. Ein Witzebuch wollte ich nicht.

Sinnvolle Lebensweisheiten
Gleichwohl: Es gibt einige Passagen, wegen derer es sich doch lohnt, das Buch zu lesen. Allein die 15 Lebens-Tipps von ihrer Mutter sind großartig. Sie sind im Grunde zwar banal, aber nochmals niedergeschrieben, doch voller Wucht. Beispiele:

Tipp 4: Wenn dir jemand nicht geheuer ist, halte dich nicht mit Umgangsformen auf, such einfach das Weite.

Tipp 5: Wenn jemand sagt: „Ich werde dir nicht weh tun“ oder „Ich habe nichts Böses im Sinn“, hat er wahrscheinlich genau das vor. Menschen mit gutem Gewissen haben keinen Grund, so etwas zu sagen.

Tipp 8: Wenn jemand nicht innerhalb von sechs Stunde auf deine Email antwortet, kann er dich nicht leiden.

Tipp 11: Respekt ist etwas, das du nicht durch Einschüchterung und intellektuelles Mobbing erreicht. Du verschaffst dir Respekt, indem du ein Leben lang andere Menschen so behandelst, wie du behandelt werden möchtest und dich auf deine Aufgaben konzentrierst.

Keine Vollkatatstrophe
Auch ihre Ausführungen, warum sich ausgerechnet Mädels mit netten Vätern Typen aussuchen, die scheiße zu ihnen sind, fand ich äußerst spannend. Und ihre klaren Worte, dass man sich von keinem Mann schlecht behandeln lassen darf, sind ebenfalls sehr lesenswert. Deshalb ist „Not that kind of girl“ keine komplette Vollkatastrophe. Meine Erwartungen waren wohl einfach zu hoch.

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2 thoughts on “Schmöker: “Not that kind of girl” von Lena Dunham

  1. Evy Heart sagt:

    Ich denke, dass solche Leute sich gern vor sich selbst verstecken, wenn sie versuchen, etwas mit Humor zu kompensieren. Vlt. hätten sie lieber nur das schreiben sollen, was sie auch wirklcih wollen…

  2. Cheshire Cat sagt:

    Ich habe bis jetzt gezögert das Buch zu kaufen, weil ich schon viele Berichte gelesen habe, dass die Erwartungen einfach zu hoch sind. Schade… aber womöglich wird es jetzt einfach nur in meiner Leseliste weiter runterrutschen, denn schon die Tipps, die du hier aufführst gefallen mir wirklich sehr gut!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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