25. Oktober 2014

Heimat: “Ein Tee bei Coffee-Biker Stefan Kienler”

Das ist Stefan.

Das ist Stefan.

Der feine Geruch nach Kaffee hat drei Männer aus Syrien neugierig gemacht. Interessiert treten sie näher und inspizieren das Coffee-Bike von Stefan Kienler genau. Sie lassen den Blick schweifen: über die edle Kaffeesiebdruckmaschine, die Orangepresse und die vielen Tassen mit kleinen Punkten darauf. Die Faszination ist groß, drei Kaffees werden bestellt. „Damaskus ist kaputt“, erzählen sie Stefan Kienler, während er die Getränke zubereitet. Das leise Geknattere der Maschine ist Hintergrundmusik.

Ein harter Kampf
Es war ein Zeitungsartikel, der Stefan Kienler vor vier Jahren auf die Idee brachte, ein Coffee-Bike zu kaufen. „Eigentlich wollte ich mich mit einer Maßkonfektion selbstständig machen“, sagt der 38-jährige Textilbetriebswirt. Doch die Hürden waren groß, das Coffee-Bike schien ihm als die perfekte Alternative. Außer Kaffee verkauft der fahrende Händler unter anderem heiße Schokolade, Tee, frisch gepressten Orangensaft und kleine, süße Snacks.

Dem Pfinztal folgte das Schlachthof-Gelände
Zunächst begann Stefan Kienler im Pfinztal nach Kaffee-Durstigen zu suchen. Eine Lizenz wurde ihm problemlos ausgestellt. „Die Gegend dort ist aber sehr hügelig“, erinnert er sich. Sehr anstrengend war es deshalb, mit dem 500 Kilogramm schweren Coffee-Bike durch die Gegend zu fahren. So wechselte der Unternehmer 2012 zum Schlachthof-Gelände in Karlsruhe. „Damals gab es dort noch keine Gastronomie – Bauarbeiter und viele der Künstler freuten sich über meinen Kaffee.“ Doch die Zeiten änderten sich, das Gelände wurde mehr und mehr erschlossen, die Nachfrage weniger. Die Probleme kamen.

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Ein langer Rechtsstreit
Stefan Kienler stellte bei der Stadt Karlsruhe einen Antrag, um auch an öffentlichen Plätzen seine Getränke verkaufen zu können. Sein Bitten wurde abgelehnt. Die Begründung: Er sei bereits im Pfinztal angemeldet und stelle außerdem eine Gefahr für den Straßenverkehr dar. Stefan Kienler gab nicht auf. „Auch in anderen deutschen Städten dürfen Coffee-Bikes schließlich durch die Gegend fahren“, sagt der 38-Jährige. Es gab ein monatelanges hin und her. Ein Mannheimer Rechtsanwalt erfuhr davon, unterstützte ihn kostenlos, außerdem begannen Zeitungen, Radio- und lokale TV-Sender über Stefan Kienler zu berichten. „Die Zeit war sehr beschwerlich“, erinnert sich der Unternehmer. Um nicht in die Insolvenz zu rutschen, fuhr er für zwei Monate nach Osnabrück, wo er seinen Kaffee verkaufen durfte.

Das Zittern geht weiter
Am 20. Februar 2014 hatte der Coffee-Biker dann endlich sein Ziel erreicht: Ein Gericht gab ihm Recht. Seit Juli darf er nun auf dem Friedrichsplatz seine Getränke verkaufen – falls dort keine Veranstaltungen sind. Das große Problem: „Die Genehmigung geht nur bis zum 1. Januar 2015.“ Dann wird im Gemeinderat eine neue Satzung erlassen. „Ich hoffe, dass ich auch danach weiterarbeiten kann.“ Um die Stadträte von seiner Arbeit zu überzeugen, veranstaltete er eine Pressekonferenz auf dem Friedrichsplatz. Und auch im ZDF war der Coffee-Biker vor wenigen Tagen zu sehen.

Hochzeiten und Firmenfeiern
Bis zum Jahreswechsel steht der 38-Jährige nun dienstags bis donnerstags von 15 bis 20 Uhr auf dem Friedrichsplatz. Bei Wind und Wetter. „Bis minus acht Grad ist das kein Problem – dann gefrieren aber die Leitungen.” Auch auf dem Platz der Grundrechte beim Karlsruher Schloss ist er gelegentlich anzutreffen. „Auf meiner Facebook-Seite (https://www.facebook.com/kienler13?fref=ts) teile ich immer mit, wo ich wann genau bin.“ Damit nicht genug: „Außerdem kann man mich buchen.” Beispielsweise für Firmenfeiern oder Hochzeiten. „Je nachdem, wie weit diese weg sind, muss ich dann einen Lastwagen mieten, um das Coffee-Bike zu transportieren.“ Mit Schrittgeschwindigkeit kommt er schließlich nur voran. Er braucht allein vom Friedrichsplatz bis zum Schlachthof, wo das Coffee-Bike über Nacht verweilt, 30 Minuten. Genervten Autofahrern begegnet er auf den Straßen jedoch selten. „Im Gegenteil: Viele sind fasziniert, winken mir zu.“
DSC_8197Kaffee und nette Gespräche
Stefan Kienlers Stammkunden sind zahlreich. Viele kommen nicht nur zum Kaffeetrinken vorbei, sondern auch, weil sie sich unterhalten wollen. Und der Coffee-Biker hört zu. Gibt Tipps, lässt sich Geschichten erzählen – wie von den Männern aus Syrien. „Ich habe so viel Freude an dem, was ich tue, deshalb kämpfe ich auch so sehr darum.“

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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