18. April 2015

Flimmerkasten: “Finding Vivian Maier”

Es ist ein großer Zufall, der die Werke von Vivian Maier ans Licht bringt. Auf einer Auktion in Chicago ersteigert John Maloof 2007 eine Kiste voll mit Negativen, eigentlich für die Arbeit an einem Stadtteilbuch. Schnell stellt er fest, dass er damit nichts anfangen kann. Er verräumt sie zunächst achtlos. Zwei Jahre später inspiziert er seinen Kauf dann doch nochmals genauer. Und ist fasziniert. Die Fotografien von Vivian Maier zeigen Aufnahmen von Menschen hauptsächlich in Chicago und New York – präzise, einfühlsam und voller Neugier. John Maloof Mission steht fest: „Finding Vivian Maier“. Der gleichnamige Dokumentarfilm, der für einen Oscar nominiert war, erzählt von dieser Suche – spannend, aber auch ambivalent.

Wer steckt hinter den Fotografien?

Im Gegensatz zum Dokumentarfilm „Searching for Sugarman“ gibt es hier kein Happy End. Die 1926 geborene Vivian Maier lebt nicht mehr und hat auch kaum Angehörige. Als Nanny arbeitete sie für zahlreiche wohlhabende Familien. John Maloof besucht sie und versucht herauszufinden, was für ein Mensch Vivian Maier war. Er möchte verstehen, warum sie nie versuchte, ihre Werke einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es ist ein sehr facettenreiches Bild, das sich abzeichnet.

Ganz nah dran am Motiv

Spielende Kinder, Frauen mit Stola, von der Arbeit gezeichnete Männer: Vivian Maier hielt mit ihrer Kamera die unterschiedlichsten Situation in ganz verschiedenen Milieus fest. Stets auf den Punkt. Jedes Detail auf den Bildern stimmt, es ist keine Distanz zwischen Fotograf und Motiv erkennbar. Vivian Maier ist ganz nah dran am Menschen. Auch Selbstporträts existieren von der scheuen Fotografin.

Ein ambivalentes Bild

Vivian Maiers Persönlichkeit ist jedoch ein wenig seltsam. Sie hortete ihr Hab und Gut wie ein Messie. Nichts wirft sie weg. Zeitungsberge stapeln sich in ihrem Zimmer. Auch ist ihre Kinder-Erziehung nicht gewaltfrei. An ihrem Lebensende sitzt sie alleine und heruntergekommen auf einer Parkbank – all das sind Details, bei denen ich mich fragte, ob all das ans Licht kommen musste. Ist es legitim, in dem Leben einer verstorbenen Frau zu wühlen, ihr Innerstes und ihre Fehler nach außen zu kehren, nur weil sie eine begnadete Fotografin war? Ich finde nicht. Der Fokus allein auf ihre wunderbaren Bilder genügt.

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Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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