21. Juli 2015

Ein denkwürdiges Abendessen

Quelle: Radio Bremen

Quelle: Radio Bremen

Es passierte neulich beim Abendessen. Ich saß mit einer größeren Gruppe zusammen, als eine Bekannte plötzlich im Gespräch mit mir meinte, dass sie es ja in Deutschland eigentlich nicht laut sagen dürfe, aber es nun doch mal raus muss: Sie könne es schon nachvollziehen, dass Flüchtlingsheime angezündet werden. Also natürlich nicht, dass sie es gut findet, dass Menschen dann sterben. Aber sie könne die Beweggründe der Anwohner verstehen.  Wumm. Ich saß wie versteinert da – und kann es bis heute nicht fassen. Ständig kreisen meine Gedanken um diese Aussage.

 

Wölfe in Schafspelzen

Dass es diese Stimmen gehäuft in Deutschland gibt, war mir natürlich schon vor diesem Essen bewusst. Aber dass nun tatsächlich solche Äußerungen in meiner eigentlich so friedvollen und toleranten Lebenswelt fallen, erschreckte mich doch nachhaltig. Nein, es ist mehr. Es gruselt mich zutiefst. Wie weit ist die Fremdenfeindlichkeit dann schon fortgeschritten, wenn scheinbar gebildete Menschen aus der Mitte der Gesellschaft solche Gedanken laut artikulieren.

 

Assoziationen zum Dritten Reich geweckt

Ich habe deshalb diesen Beitrag verfasst, weil ich mir die Anfänge im Dritten Reich genau so vorstelle. Juden galten als “unlautere Geschäftsleute”, die nur zu Reichtum kamen, weil sie scheinbar andere übers Ohr hauten. Hieß es da nicht auch unter mehr oder weniger vorgehaltener Hand, dass die Juden nicht zu unrecht abgeholt wurden?! Diese Assoziation lässt mich seit Samstag nicht mehr los. Was würde in Deutschland passieren, wenn die Wirtschaft nun schwächelt und ein smarter, rhetorisch fitter Politiker auftauchen würde?! War die Weimarer Republik nicht auch zuletzt ein zahnloser Tiger und die Bürger mehr und mehr politikverdrossen. „Wehret den Anfängen“, für mehr Menschlichkeit und Empathie. Geschichte darf sich einfach nicht wiederholen.

3 thoughts on “Ein denkwürdiges Abendessen

  1. nane sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Der Schock “ohje so nah in meinem Umfeld”, das gruselige Gefühl, die Gedanken im Kopf und die Assoziation zu den Anfängen des Dritten Reichs. Mir ging es ganz genauso. Allerdings schon letztes Jahr im Oktober. Was hab ich mich gefreut, als vor einigen Wochen offensichtlich plötzlich der Wind gedreht hat, die Medien plötzlich nicht mehr angsteinflößend berichteten sondern darüber, dass der Bogen definitiv überspannt wurde und diese Fremdenfeindlichkeit einfach nicht okay ist. Unsere Politiker bezogen endlich Stellung. Überall finde ich jetzt Infos über tolle Projekte für und mit Flüchtlingen. Es ist großartig. So viele Menschen, die Gutes tun und nun wird so viel darüber erzählt. Ich habe endlich wieder Hoffnung, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Wir haben schwierige Zeit vor uns, aber mit vielen helfenden Händen wird das schon irgendwie.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Ja, mich hat es auch überrascht, als sich vor wenigen Wochen plötzlich der Wind drehte. Es ist wirklich wichtig, dass auch Positives über die Menschen berichtet wird und nicht nur, dass die Kriminaliät steigt. Das ist zu undifferenziert und wird den Menschen nicht gerecht. Ich hoffe sehr, dass wir zu einem Miteinander finden – und ganz optimistisch gedacht: Viell lässt sich dadurch auch der demografische Wandel ein wenig mildern.

      1. nane sagt:

        Ich denke die steigende Kriminalität ist ein sehr subjektives Empfinden. Wenn ein Flugzeug abstürzt und wenige Tage später bei einem anderen ein Defekt festgestellt wird, fragt man sich auch schon “was ist denn plötzlich mit den Flugzeugen los? Alle kaputt?” Die Häufigkeit der Berichterstattung trägt viel zur Meinungsbildung bei. Wer schaut sich schon Statistiken an?
        Wenn wir uns um die Neuankömmlinge kümmern und ihnen die Hand reichen statt ihnen den Rücken zuzukehren, können wir meiner Meinung langfristig nur gewinnen. :)

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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