2. September 2015

Kurioses: “Neues aus der Nachbarschaft”

DSC_1958Neue Nachbarn

Seit geraumer Zeit gibt es einen sehr merkwürdigen Laden in meiner Nachbarschaft. Früher gab es dort Laufschuhe zu kaufen. Ständig joggten deshalb aktive Menschen vor dem Schaufenster auf und ab – sie legten kurze und schnelle Sprints hin und taten alles, um das bestmögliche Modell zu finden. Ich konnte dies  von meinem Wohnzimmerfenster aus sehr gut beobachten. Dynamische Ladies mit modischen Nikes, ältere Herren mit funktionalen Reeboks. Der Besitzer nahm auch immer meine Pakete entgegen; die kleinen mit den Kontaktlinsen, die großen mit den Kleidern. Diese Zeiten sind vorbei. Leider.

Große Karre statt flotter Flitzer

Als ich heute von der Arbeit nach Hause kam, versperrte ein großes, weißes Auto die Straße. Dezentes Parken geht mit solchen Karren nicht, also stellte es der Besitzer gleich mitten in das Halteverbot – direkt vor die Laterne, wo ich sonst mein Fahrrad abschließe. Der Stammplatz für meinen flotten Flitzer, einfach weg. Einen neuen zu finden, schwierig. Denn vor dem Laden ist nun auch noch das Parken mit dem Fahrrad verboten. Gleich mehrere Schilder weisen darauf hin. Nicht ganz verständlich, denn die Schaufenster sind stockdunkel.

Starke Männer und keine Blumen

Als der Schuhmensch auszog, mir mein letztes Kontaktlinsenpaket in die Arme drückte und Adieu sagte, war ich noch voller Hoffnung. Vielleicht kommt ein hipper Laden direkt zu mir. Dann wurden die Scheiben blickdicht verklebt und ich spekulierte auf eine tolle Inneneinrichtung, die erst zur Eröffnung offenbart wird. So eine mit hübschen weißen und verspielten Möbeln, vielen Blumen und kleinen Accessoires. Aber von wegen. Der Laden hat seit Wochen geöffnet. Und es ist immer noch alles dunkel. Kein Bunt, nur Schwarz. Ständig laufen starke Männer rein und raus. Solche mit engen, weißen Unterhemden, scharf geschnittenen Bärten und vielen Muskeln. Sie halten beim Telefonieren auch nicht das Handy ans Ohr, sondern sprechen laut hinein – mit mindestens einem Meter Abstand. Wenn ich ganz leise bin, kann ich sie von meinem Wohnzimmerfenster aus hören. Verstehen kann ich sie nicht.

Krise für den Edelmetallhandel

Nun frage ich mich seit Wochen: Was geht in diesem Laden vor sich? Das Schild des Laufshops ist noch da, erinnert an alte Zeiten, neue Gesellschaft kam hinzu: “Edelmetallhandel”. Ich wartete zuerst auf die Eröffnung, aber sie kam nie, keine Luftballons, keine Häppchen, kein Sekt. Diskretion scheint notwendig. Wenn Edelmetall seinen Besitzer wechselt, darf keiner zuschauen. Und auch niemand feiern. Bloß keinen zufälligen Blick auf das Geschehen werfen. Auch Frauen sind dort nie zu sehen. Schade. Kein schöner Krimskrams-Laden, kein kleines Café mit Büchern und keine duftenden Waffeln. Nur starke Männer, große Autos und viele Handys. Meine Hoffnung: Der Edelmetallhandel gerät schwer in die Krise. Denn vielleicht wird es dann was – mit den Luftballons, Blumen und vielen kleinen Accessoires.

19 thoughts on “Kurioses: “Neues aus der Nachbarschaft”

  1. Gülcan sagt:

    Ich finde du urteilst ein bisschen vorschnell. Nur weil die Männer nicht in “dein” Leben passen. Wenn du so einen Krimskramsladen willst, mach doch selber einen auf. Dumme Hipster, die mit Ökogetränken auf der Straße stehen, kannst du doch in Karlsruhe anderswo suchen. Vielleicht ist das einfach ein reines Geldwäsche Unternehmen, muss es doch auch geben, leider jetzt gerade in deiner Nachbarschaft.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Leider hast du das gesamte Konzept dieses Beitrags nicht verstanden. Google doch mal das Wort “Glosse” :)

      1. Gülcan sagt:

        Auch noch belehren, werd mal Lehrerin, weil mit Kritik kannst du nicht umgehen! Google du mal Vorurteile.

        1. Miriam Steinbach sagt:

          Es tut mir wirklich leid, wenn du nicht verstehst, dass der ganze Beitrag komplett ironisch gemeint ist. Mehr kann ich dazu leider nicht mehr sagen.

  2. Christian sagt:

    Hi. Ich weiß von welchem Geschäft du sprichst. Ich war letztens dort und finde es toll, dass es jetzt diesen Laden gibt in Karlsruhe. Die Inhaber sind auch wirklich nett. Was du schreibst ist ja eher rufschädigend, wirkt so als ob die da was illegales machen. Ich denke nicht, dass man das Wort Glosse googlen muss um das Konzept deines Textes zu verstehen. Meinst du mit den Jungs in weißen Unterhemden und scharf geschnittenen Bärten die Araber die den Laden betreiben? Ich lese deine Artikel sonst sehr gerne und schätze besonders dein Interesse an Neuem und deinen frechen Schreibstil. Aber hier bist du vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Es tut mir wirklich leid, wenn ihr das nun alles so eng seht. Ich habe weder die Straße angegeben, noch den Namen des Geschäfts genannt. Generell will ich niemanden schädigen. Alles was ich geschrieben habe, sind Beobachtungen, die so passiert sind, erfunden habe ich nichts. Aber natürlich ist alles völlig überspitzt und ins Lächerliche gezogen. Es sollte ja auch amüsant zu lesen sein. Es geht mir doch überhaupt nicht um den Laden. Es ist nur eine Glosse – nichts mehr und nicht weniger. Ist das so schwer zu verstehen??? Die Freiheit, ironisch und augenzwinkernd über meine Beoachtungen zu schreiben, möchte ich mir nicht nehmen lassen. Und deshalb möchte ich den Beitrag auch – trotz der Kritik – nicht löschen. Es kamen auch sehr viel positive Rückmeldungen :) Aber keine Angst, in Zukunft geht es nicht mehr um Läden. Und dass ich etwas gegen Ausländer habe, ist ja mal völlig an der Realität vorbei. Das müsstest du eig wissen, wenn du den Blog liest.

    2. Jana sagt:

      Ich kenne den Laden gar nicht…was gibt es dort denn zu kaufen, Christian? Ich bin schon ganz schön neugierig jetzt, da mal vorbei zu schauen :)

  3. Aykut sagt:

    Ich kenne den Laufschuhladen. Der Besitzer war immer sehr unfreundlich und hatte ein sehr schlechtes Angebot. Reebok ist übrigens nicht funktional, wie kommst du denn bitte dadrauf???? Reebok ist fetter als adidas oder nike. Sogar Miranda Kerr macht Werbung für Reebok und die ist mal garnicht funktional..

  4. Tobi sagt:

    Hi Miriam, ich finde den Text nicht frech oder lustig, sondern mit den klassischen Ressentiments geladen, die es in Deutschland leider immer noch gibt. Statt mal mit den “Herren in weißen Unterhemden” zu quatschen, sie einfach zu fragen, was das für ein Geschäft ist, wird dem alten Laufschuhladen nachgetrauert. Deine Beobachtungen und die BEschreibung deines Innenlebens zeigt leider, dass du ganz schön verschlossen und misstrauisch bist. Schade gerade jetzt brauchen wir doch offene Herzen und Ohren. Fail.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Ich finde es langsam aber auch nicht mehr ganz fair, was ich mir anhören muss. Ich mache mich sowohl auf dem Blog als auch bei Facebook ständig für Flüchtlinge stark und habe zig ausländische Freunde. Dass ich mich nun wegen einer Glosse damit auseinandersetzen muss, dass ich misstrauisch und nicht offen bin, ist fast schon grotesk. Aber es wäre ein leichtes, den Beitrag nun zu löschen. Deshalb lasse ich die Kommentare stehen und schreibe dazu.
      Ich habe nichts gegen Ausländer, im Gegenteil. Sie bereichern ein Land und die Kultur. Und ich finde das Zusammenleben spannend. Gleichwohl darf ich doch auch schreiben, was vor meinem Haus passiert. Das hat doch nichts mit Feindlichkeit zu tun. Ich habe auch nirgends geschrieben, dass es nur Ausländer sind. Das interpretiert ihr nun so, wie es euch gerade passt. Darf ich denn die Realität nicht beschreiben, nur weil Ausländer im Spiel sein könnten? Es geht doch auch um die Differenzierung. Weder sind alle Deutschen gut, noch alle Ausländer. Und nur wenn man mal was schreibt, was nicht rosarot ist, wird man gleich in irgendeine Ecke gestellt. Das finde ich nicht okay. Wirklich. Und nochmals: ES IST EINE GLOSSE!

  5. Peter sagt:

    Wer sich einer Öffentlichkeit mit so einer Ansicht stellt, sollte auch Kritik vertragen.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Das tue ich ja auch. Ich hätte keinen dieser Kommentare genehmigen müssen. Ich hätte alles zurückweisen können.
      Aber ich versteh wirklich nicht, dass auf einen völlig überspitzen und ironischen Beitrag soviel Kritik kommt, während zu diesem Beitrag gar nix kam: https://dieschreibmaschine.net/2015/07/21/ein-denkwuerdiges-abendessen/
      Da hätte doch dann mal Zustimmung kommen können. Und nochmals, es ist eine Glosse, es ist überspitzt und ins Lächerliche gezogen. Es ist doch überhaupt mal gar nicht so, dass ich nicht möchte, dass Ausländer einen Laden eröffnen. Das habe ich auch überhaupt nicht geschrieben. Im Gegenteil: Wenn ich im Glossen-Stil bleiben darf: Eine italienische Eisdiele oder einen libanesischen Falafelladen fände ich ebenfalls super. Und beim türkischen Supermarkt um die Ecke bin ich Stammgast. Aber langsam drehen wir uns hier nur noch im Kreis.

  6. sven sagt:

    Miriam, chapeau!
    Du beweist hier echte Größe die Kommentare und den Artikel nicht zu löschen.
    Satire darf alles und eine solche Glosse ist eine willkommene Abwechslung in Deinem blog.

    Zugegeben bin ich kein Freund von Edelmetallhandel. Ich als Spargeltarzan bin einfach zu schwach Goldbarren zu tragen. Aber jeder verdient die Chance ein floppendes Startup-Unternehmen zu gründen. Und im Namen meiner geliebten Fächerstadt bedanke ich mich schon jetzt für die Mehreinnahmen durch die anfallende Umsatzsteuer. Ich bin sicher die schweren Jungs in den weißen Unterhemden zahlen diese als anständige Bürger unserer Stadt ganz sicher gerne.

  7. Ina sagt:

    Hallo Miriam,
    bin neu in deinem Blog. Und muss sagen, ich finde deinen Beitrag super, es ist frech und amüsant zu lesen. Einfach nur ein leichter Text mit Charakter ohne Hintergedanken, so ist es bei mir angekommen! Und an die Leute da draußen, nimmt doch das Leben nicht zu ernst, es ist viel zu schön, um sich über dies und das aufzuregen!

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Danke, das ist lieb. Und es erleichtert mich nun doch, dass der Text auch von Lesern so aufgefasst wird, wie er gemeint war. Ohne Hintergedanken, einfach nur eine amüsante Anekdote aus dem Leben, die keineswegs gegen ausländische Menschen gerichtet ist :)

  8. Jamina sagt:

    Rassistisch ist das nicht, allerdings auch keine Glosse, Bestenfalls ein netter Text.

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Jedem seine Ansicht. Ich mag an dieser Stelle nun nicht auch noch über Definitonen von journalistischen Textformen diskutieren. Für mich ist es eine Glosse, ich kann aber auch mit “netter Text” gut leben.

  9. nane sagt:

    Kannte deinen Blog bisher auch nicht und fand den Text nett zu lesen. Man hüpft nicht gleich weg. Die bisherigen Kommentare sind teilweise schon ein bisschen unfair. Man darf doch etwas gut finden und etwas nicht so gut oder sogar blöd finden. Wenn man sich den Wunschnachbarn erträumt, klingt es doch bestimmt bei jedem ein bisschen verspielter. Wieso auch nicht?
    Was mich regelmäßig auf die Palme bringt, sind diese unsäglichen negativen, an den Haaren herbeigezogenen Verallgemeinerungen, die in letzter Zeit insbesondere auf Migranten und Flüchtlinge abzielen. Ein allgemeines “die sind alle doof” sehe ich in deinem Text nun aber wirklich nicht. Ersetze den neuen Ladenbesitzer und die restlichen Menschen in deinem Beitrag mit der Neugestaltung einer Hausfassade gegenüber und alle wären zufrieden. “Nun wurde das Haus grün gestrichen statt hübsch rosa mit niedlichen Verzierungen. Mal gucken, vielleicht zieht ja bald jemand anderes ein.” Lass dich nicht verunsichern. Momentan ist die Stimmung einfach aufgeheizt.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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