19. September 2015

Kurioses: “Und dann war plötzlich das Auto weg”

Anhang 1-8Frieren im Winter, schwitzen im Sommer

Die Klimaanlage meines Autos ist kaputt. Das ist an heißen Tagen ein weitaus größeres Problem als an kalten. Denn während ich mich im Winter mit dicken Fäustlingen, Schal und Mütze in meinen kleinen Fiat setzen kann, sind meine Entkleidungsmöglichkeiten im Sommer begrenzt. Eine automatisierte Erfrischungsmaschine schwebte mir in den vergangenen Monaten deshalb des Öfteren vor. So eine, die ab und an kühlende Wassertropfen von sich gibt – aber selbstverständlich nur ganz hauchdünn und wohl verteilt. Wie so ein Mini-Sprenkler, der über den Sitzen befestigt ist; Bad-Hair-Days exklusive. Da diese Wundermaschine unglücklicherweise noch nicht den Weg in mein Auto fand, musste ich mir an diesem einen, ganz besonderen Tag anders helfen.

Ungünstig geparkt

Ich war auf dem Weg zu einer guten und schon vielen Jahren bekannten Freundin in Sternenfels. Wer diesen kleinen malerischen Ort nicht kennt: Er liegt ganz im Norden des Enzkreises. Er ist wirklich hübsch, nur ohne Auto von Karlsruhe aus sehr schlecht erreichbar. Deshalb blieb mir nur die Fiat-Fahrt übrig. Leider hatte ich den Wagen zuvor komplett in der prallen Sonne geparkt. Das Lenkrad anzufassen, war schon eine größere Herausforderung.

Wer nun öfter alte Freunde besucht, weiß, dass man dort nicht in einem völlig derangierten Zustand erscheinen möchte. “Gehts dir nicht gut?” Solche Fragen möchte man einfach nicht hören. Also öffnete ich schnell das Fenster auf der Fahrerseite und lechzte nach Erfrischung.

Top gestylt trotz Fahrtwind

In der Stadt tat der Fahrtwind gut, bei mehr als 80 Kmh auf der Landstraße wirbelte er meine Friseur jedoch durchaus durcheinander. Also ließ ich die Scheibe wieder nach oben gleiten und öffnete das Fenster auf der Beifahrerseite. Abkühlung mit Abstand. So fuhr ich den restlichen Tag durch die Gegend. Am Abend parke ich mein Auto etwa 100 Meter von meinem Haus entfernt vor einer Bäckerei. Geschafft. Dachte ich. Fahrt hervorragend überstanden.

Vorsicht vor Dieben

Ein Trugschluss: Als ich am nächsten Abend nach Hause kam und den Briefkasten öffnete, fiel mir ein weißes, kariertes Papierchen entgegen. Es war mit Kugelschreiber darauf gekritzelt: “Liebe Frau Steinbach, da Sie mit offenem Fenster parkten, dies ein Sicherheitsrisiko für Ihr Auto darstellt, haben wir es vorsichtshalber abgeschleppt. Bei weiteren Fragen können Sie sich an die Polizei-Dienststelle am Marktplatz wenden.”

Ich lief zum Parkplatz, Tatsache, das Auto war weg. Abgeschleppt. Einfach weg. Dabei war das Fenster nicht mal komplett offen, sondern nur ein Stück. Ich rief meinen Vater an, der hatte viele Jahrzehnte bei der Polizei gearbeitet. Aber er sagte nur: “Was? Von sowas habe ich noch nie gehört.” Ich legte auf und wählte die Nummer der Dienststelle, dort hieß es nur: “Seien Sie froh, dass das Auto nicht geklaut wurde. Für den Abschleppdienst bezahlen Sie.”

Wiedersehen mit alten Bekannten

So blieb mir nur noch der Anruf bei meiner besten Freundin: “Ann-Sophie, wir müssen mal wieder in die Gablonzerstraße.” Sie wusste sofort Bescheid. Mein Auto war schon einmal verschwunden, aber das ist eine andere, längere Geschichte.

Beim Abschleppdienst angekommen, fing ich erstmal an zu fluchen. Der Mann hinter dem Empfangstisch schaute mich irritiert an. “Junge Dame, alles in Ordnung?” NEIN.  200 Euro Rechnung. In meinem Kopfkino ging meine neue Kleiderbestellung bei “Kauf dich glücklich” gerade Richtung Ausgang. Die Polizei, dein Freund und Helfer.

Mit ein wenig Glück, bekam ich über Umwege wieder 150 Euro zurück. Keine Erpressung, keine Schlägertrupps. Lediglich ein Schrecken mit kleinem Happy End. Nur beim Parken bin ich inzwischen vorsichtig. Und auch beim Fensteröffnen. In Karlsruhe ist man einfach vor nichts sicher.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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