9. Dezember 2015

Schmöker: “Der Distelfink” von Donna Tartt

Distelfink

Wohltat für Herz und Verstand

Ich liebe den “Distelfink” – so unfassbar sehr. Ich kann mich tatsächlich nicht erinnern, dass ich so berührt und begeistert zugleich von einem Roman war. Donna Tartt befriedigt mit jedem einzelnen Satz Herz und Verstand. Seit Wochen lese ich in jeder freien Sekunde und kann von dem Protagonisten Theodore gar nicht genug bekommen. Nun bin ich bei ein bisschen mehr als der Hälfte angekommen: auf Seite 520 von 1020. Und habe schon jetzt Angst davor, dass diese wunderbare Geschichte ein Ende findet. 

Entwicklungsroman, Kunst-Krimi, Milieustudie

Donna Tartt verbindet verschiedene Genres: Zum einen bekommt der Leser einen Einblick in das Leben von Theodore. 13 Jahre alt ist er zu Beginn, gegen Ende wird er ein junger Erwachsener sein. Dann beinhaltet der “Distelfink” einen Kunstkrimi und durch die präzisen Beschreibungen ist er außerdem eine Milieustudie der derzeitigen amerikanischen Gesellschaft. Das ist in der Kombination hochspannend und facettenreich. Donna Tartt schreibt darüber hinaus so wunderbar einfach, dass man den Roman ohne Mühe und Anstrengung lesen kann – trotzdem aber soviel Interessantes und Kluges erfährt. Anspruchsvolles muss nicht immer verschwurbelt und verschachtelt sein.

Terror verändert Theos Leben

Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Theodore, der bei einem Terror-Attentat auf ein Museum seine Mutter verliert. Sehr nahe standen sich die beiden. Theos Leben verändert sich daraufhin schlagartig. Er nimmt verbotenerweise ein bedeutendes Gemälde mit aus dem Museum und kommt mit jedem Jahr, das folgt, mehr vom geraden Weg ab.

Das Wunderbare des Alltäglichen

Das Besondere an diesem Buch ist nicht etwa ein spannender oder überladener Plot. Vielmehr schafft Donna Tartt allein mit ihren ganz alltäglichen Beschreibungen eine unglaubliche Dynamik. Auf was die Geschichte hinausläuft – es spielt keine Rolle. Ich genieße jede einzelne Seite, leide und bange mit Theo. Und hoffe, dass es das Leben bald gut mit ihm meint. Da die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt ist, entwickelte man schon von der ersten Seite an ein unglaublich enges Verhältnis zu ihm. Aber nicht nur zu ihm: Donna Tartt beschreibt auch die Menschen, denen er begegnet, bis ins kleinste Detail. Sowie die Landschaften, Häuser und Räume in New York und Las Vegas, wo die erste Hälfte des Romans spielt. Ein Kopfkino entwickelt sich von ganze alleine – in den buntesten Farben.

Die Amerikanerin hat für diesen Roman den Pulitzer-Preis erhalten. Völlig zurecht. Neben Jonathan Franzen ist sie für mich derzeit der strahlendste Stern am Literaturhimmel.

2 thoughts on “Schmöker: “Der Distelfink” von Donna Tartt

  1. Tina sagt:

    Deine Rezension macht richtig Lust, sofort los zu stürzen, sich das Buch besorgen und sich dann Darin zu vergraben

    Ich glaub, so mach ich’s

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Liebe Tina,
      ja, das kann ich nur empfehlen – das Buch ist einfach wunderbar.
      Viel Freude damit!

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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