3. Januar 2016

Flimmerkasten: “Wir sind jung. Wir sind stark.”

Schwere Ausschreitung in Rostock-Lichtenhagen

Aus Schwarzweiß wird Bunt: Bis zur 82. Minute flimmern die Bilder von “Wir sind jung. Wir sind stark.” in lediglich zwei Nuancen über die Leinwand, dann plötzlich sind sie farbig. Ein Fernsehinterview ist der Anlass für den Wechsel. Ein Reporter fragt eine Gruppe rechtsgesinnter Jugendlicher, was ihre Träume sind. Stille. Dann die Antworten, sie kommen langsam, stockend. “Eine Wohnung und eine Frau”, meint einer. Ein anderer: “Dass sich hier etwas ändert. Das kann nicht das Endziel sein.”

Was er damit meint: Die Situation um das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen. Dort ist die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Sie ist überfüllt und zahlreiche Sinti und Roma campieren vor dem Haus. Auch ein Wohnheim für Vietnamesen ist dort. Zwischen dem 22. und 26. August 1992 ereignen sich um das Sonnenblumenhaus die schwersten Ausschreitungen gegen Ausländer in der deutschen Nachkriegsgeschichte. “Wir sind jung. Wir sind stark.”, mit Devid Striesow und Jonas Nay in den Hauptrollen, beleuchtet den 24. August 1992 – von früh Morgens bis zu den schweren Krawallen am Abend. Das ist erschütternd, beängstigend und brutal. Aber sehr sehenswert. Der Film erhielt auch das Prädikat: “Besonders wertvoll”.

Innenleben einer rechtsgesinnten Clique

Ich konnte den Film nur in zwei Etappen schauen. Zu sehr beschäftigte mich das Geschehen, wohl auch deshalb, weil es keine Fiktion, sondern die Realität ist. Und sich die Ereignisse derzeit wiederholen, leider. Der Film von Regisseur Burana Qurbani gibt einen schonungslosen Einblick in das Innenleben einer rechtsgesinnten Clique im Osten, zeigt, wie sich Gruppendynamiken entwickeln, wie Mitläufer Bestätigung finden, wie roh und unbarmherzig die Mitglieder auch untereinander sind. Sie würgen sich gegenseitig fast zu Tode, rasieren sich die Köpfe und brennen sich Hakenkreuze in die Köpfe. All dies unterlegt mit aggressiver Musik.

Aus Menschen werden Monster

Der Film zeigt aber auch, wie hilflos die Eltern zuschauen, kaum noch Einfluss haben. Beispielsweise im Fall von Stefan. Sein Vater Martin ist Bürgermeister, SPD-Mitglied, ein Demokrat. Trotzdem rutscht sein Sohn in die rechte Szene ab, schmeißt Molotow-Cocktails, peitscht den Mob vor dem Sonnenblumenhaus an. Martin kann selbst nur fassungslos dabei stehen und zusehen, wie das Feuer in dem Haus lodert. Aus Menschen werden Monster.

Aktueller denn je!

Was dem Film ein wenig fehlt, sind die Ursachen. Wie konnte es soweit kommen, dass sich bei den Jugendlichen dieser blinde Hass aufbaut? Gleichwohl ist der Film spannend, interessant und gerade in diesen Tagen aktueller denn je.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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