8. März 2016

Kurioses: “Geister”

Geist

Streit vor dem Kino

Ich mag Männer eigentlich ganz gerne. Nur manchmal ist es mit der Kommunikation ein wenig schwierig. Das begann schon in der elften Klasse. Damals hatte ich einen richtig coolen Freund. Er war mit 17 Jahren schon ganz schön viel tätowiert, hatte ein Piercing und verdrehte mir richtig den Kopf. Nach sechs Wochen kam es vor dem Kino jedoch zum Streit. Ich schrieb ihm danach aufgebracht über mein Prepaid-Handy, dass ich das so nicht mitmache. Danach hörte ich tagelang gar nichts.

Oh!

Keine SMS, kein Anruf, einfach nichts. Nach fünf Tagen machte ich mir Sorgen und rief bei ihm Zuhause auf dem Festnetz an. Seine Mutter holte ihn ans Telefon. Ich plauderte darauf los, redete und redete. Irgendwann unterbrach er mich: „Miriam, sag mal, hast du meine SMS am Samstag nicht bekommen?“ SMS? Ich holte nochmals mein Handy, scrollte durch den Nachrichten-Eingang. Nein, da war nichts. „Ich habe doch Schluss gemacht“, sagte er daraufhin. Oh.

Geister geküsst

Warum die SMS nie ankam, oder ob er überhaupt eine geschrieben hatte, das weiß ich bis heute nicht, aber es war dann auch keineswegs tragisch. Wir kamen später nochmals zusammen und das hielt auch einige Jahre. Aber seit mit ihm Schluss ist, begegnet mir das Phänomen wieder. Ich muss gestehen, ich habe in den vergangenen Jahren den ein oder anderen Frosch geküsst. Und seit geraumer Zeit auch Geister.

Ja, Geister. Ich bin damit in illustrer Gesellschaft. Auch Sean Penn ging es schon so. Stand zumindest in der New York Times. http://www.nytimes.com/2015/06/26/fashion/exes-explain-ghosting-the-ultimate-silent-treatment.html?_r=0

Moderne Form des Zigarettenholen

Unter Ghosting versteht man das Phänomen, dass Menschen einfach verschwinden – ohne sich in irgendeiner Form abzumelden. Früher sagte man wohl dazu: Er ist Zigaretten holen.

Meine nennenswerteste Erfahrung hatte ich mit einem Herrn, der in einem anderen Land lebt. Er las dort gerne meinen Blog, fand mich schon nett, bevor er mich traf – und naja, als er dann mal in Karlsruhe war, fand ich ihn auch wirklich sehr sympathisch. Wahrscheinlich war es schon grober Unfug, ernsthaft eine Beziehung in ein anderes Land führen zu wollen, wenn man sich eigentlich gar nicht kennt. Aber mit dieser rosaroten Brille ist ja einiges möglich. Ich flog dorthin, er flog hierher. Und dank Skype kann man sich trotz Distanzen regelmäßig sehen.

Wir hatten monatelang jeden Tag Kontakt – und dann war er einfach von heute auf morgen weg. Ohne Abschied, ohne richtige Erklärung. Auf Nachrichten reagierte er einfach nicht mehr. Eine Festnetz-Nummer hatte ich nicht. Da er noch regelmäßig bei Facebook aktiv war, wusste ich nur, dass er noch lebt. Wenigstens für das sind die sozialen Netzwerke dann doch mal gut.

Appell an die feigen Männer

Ich schreibe diesen Beitrag, weil sich dieses Phänomen in meiner und in der Lebenswelt meiner Freunde häuft. Diese dumme Smartphone-Kommunikation macht es leider möglich. Deshalb lautet mein Appell an all die Männer:

Wenn ihr euch nicht mehr mit einem Mädchen treffen könnt, wollt oder sonst auch immer. Das ist vollkommen okay. Wir halten das aus. Aber bitte seid doch nicht so feige und verschwindet einfach wie Geister. Am anderen Ende von whatsapp sitzt ein Mensch, der wartet – und das Nichtmelden interpretiert. Ist was passiert? Gehts ihm nicht gut? Will er nicht mehr? Erspart uns das bitte. Eine kurze Nachricht genügt. Nichts ist schlimmer als Warten, Hoffen und Bangen!

5 thoughts on “Kurioses: “Geister”

  1. Ghostbuster sagt:

    Sätze wie “Wir können ja Freunde bleiben” sind einfach nicht meins.
    Lieber werde ich zum Geist anstatt mitzuerleben wie die ehemalige Dame meines Herzens jemanden neues kennenlernt.

    1. Beetlejuice sagt:

      Ihr müsst ja keine Freunde bleiben, aber einfach sagen “Es ist aus!” ist manchmal hilfreich, dann weiß der andere wo er steht…

  2. Casper sagt:

    Definitiv kein männliches Problem, eher menschlich.
    Eine erklärende Nachricht oder klärendes Gespräch wird seltenst honoriert, mal von Rückgrat und Gewissen abgesehen, oder?

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Ja, ist bestimmt nicht nur ein männliches Problem.
      Aber ich finde schon, dass eine klärende Nachricht oder ein klärendes Gespräch honoriert wird. Vor allem, wenn man sich deutlich häufiger als 2-3 mal getroffen hat. Dann ist Abmelden doch nur fair. Und wenn es nur ne Nachricht ist wie: “Sorry, ich kann gerade nicht mehr.” Das reicht doch schon. Außerdem trifft man sich doch eh meist nochmals im Leben – und dann ist es weitaus netter, wenn man sich noch mit Respekt begegnen kann und der andere nicht komplett die gemeinsam verbrachte Zeit verflucht.

  3. Casper sagt:

    Das sehe ich ähnlich und handhabe ich tatsächlich auch so. Die erlebten Reaktionen variieren stark.
    Geister wählen nur den Weg des geringsten Widerstands, damit auch den feigen Weg.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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