10. April 2016

Heimat: “Ein Abend bei Laura Jungmann”

Portrait Zusammen

Das sind Laura und Cornelius. (Fotocredit: Laura Jungmann und Cornelius Réer GbR)

Ein Besuch im „20D“

Laura Jungmanns Arbeitszentrum liegt etwas versteckt in einem Hinterhof in der Südstadt. “20D” lautet der Name des Gemeinschafts-Ateliers. „Komm herein, schau dich um, schön, dass du da bist.“ Die 28-Jährige empfängt mich herzlich, macht uns einen Tee und beginnt zu erzählen: Von ihrem Label SAMESAME, das sie gemeinsam mit Glasmacher Cornelius Réer ins Leben gerufen hat und ihrer Reise nach Istanbul. Dort machte sie anlässlich des Projektes „ISTAnBUl’DAn“ mit anderen Künstlern auf die Gentrifizierung der Stadtteile Şişhane und Galata aufmerksam.

Herz für das regionale Handwerk

Laura Jungmann stammt aus Landau. „Mein Produktdesign-Studium an der Hochschule für Gestaltung brachte mich nach Karlsruhe“, erzählt sie. Bei ihrer Diplom-Arbeit mit dem Titel ,Same, same. But different’“ arbeitete sie mit verschiedenen Materialien und kooperierte mit drei verschiedenen Handwerkern. Es entstand unter anderem ein Stuhl mit zehn Beinen und eine Serie aus umgeformten Glasflaschen. „Der Glasmacher Cornelius Réer aus Nürnberg unterstützte mich bei letzterer Arbeit“, erzählt sie. Das Ergebnis überzeugte, die Arbeit wurde prämiert, das Label SAMESAME entstand im Jahr 21013 daraus.

Nachhaltiges Arbeiten

„Mir ist es wichtig, sinnvoll und regional zu arbeiten“, sagt die Designerin. Der ökologische Aspekt steht bei ihrer Arbeit im Vordergrund, das Material soll recyclebar sein. Zum festen Sortiment von SAMESAME gehören derzeit sieben Produkte. „Die Zusammenarbeit mit Cornelius Réer macht große Freude, wir haben einen sehr guten Austausch, probieren gerne aus und lassen uns vom Ergebnis immer wieder überraschen“, erzählt die 28-Jährige.

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In der Werkstatt. (Fotocredit (3): Céline Hurka)

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Arbeit hat sich gelohnt

Sehr turbulent waren die vergangenen drei Jahren. „Ich bin viel gereist und war oft auf Messen“, sagt Laura Jungmann. Es hat sich aber gelohnt. Die SAMESAME-Produkte haben zahlreiche Abnehmer gefunden: Ein Design-Hotel hat mit ihnen seine Zimmer ausgestattet, außerdem gibt es in einem japanischen Restaurant in Hamburg Wasser und Wein aus SAMESAME-Karaffen.

Reise nach Istanbul

Aber nicht nur mit Glas arbeitet die Designerin. In Istanbul verwendete sie vor wenigen Monaten Kupfer, Messing und Aluminium. „Aus diesen Materialen formte ich den Metallcontainer KAP.“ Laura Jungmann griff dazu auf die Handwerkstechnik „Metalldrücken“ zurück, die in Deutschland nahezu ausgestorben ist.

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KAP ist eine Reihe aus drei Gefäßen mit einfacher zylindrischer Form, deren dreifarbige Materialität sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Kuper, Messing und Aluminium werden beim Metalldrücken übereinander geschichtet.

Erhalt der Handwerkstradition

„Hintergrund meiner Arbeit in Istanbul ist, dass ich mit anderen Künstlern auf die Gentrifizierung der historischen Handwerkerviertel Şişhane und Galata aufmerksam machen möchte.“ Durch billige Importwaren aus Asien, steigende Mietpreise sowie einem neuen Bebauungsplan für Beyoglu, der eine Umsiedlung der Produktionsbetriebe vorsieht und damit das Viertel zu einem beliebigen Touristenviertel verwandeln würde, sind die Werkstätten vom Aussterben bedroht. „Wir wollen mit neuen gestalterischen Wegen und Ideen dieser Entwicklung entgegenwirken“, betont die 28-Jährige.

Nun ist sie aber erstmal zurück in Karlsruhe, wo sie sich wohl fühlt. „Meine Freunde sind hier, die Lebensqualität ist toll, außerdem passiert gerade viel in der Stadt, es gibt viele Gründe zu bleiben.“

Mehr zu Laura Jungmann gibt es hier
http://www.laurajungmann.de
https://www.facebook.com/laurajungmanndesign/?fref=ts
http://www.samesame-shop.de

2 thoughts on “Heimat: “Ein Abend bei Laura Jungmann”

  1. Du hast eine sehr schöne, übersichtliche seite.
    gruß von der Ostalb
    Jakob Meffert

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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