8. Juni 2016

Heimat: “Hochzeit”

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Bei Kitsch bin ich weg

Wer mich kennt, weiß: Bei Kitsch bin ich weg. Ich mag keine Hollywood-Schnulzen, keine Bücher von Cecelia Ahern und nun ja, bei der Vergabe von Kosenamen stehe ich auch nicht an vorderster Front. Schatzi? Liebling? Mäuschen? Bitte nicht. Wobei, ich muss einräumen: Vor kurzem hörte ich, wie ein junger Herr zu seiner Freundin „Du Knopf“ sagte. Das fand ich schön, das passte. Aber das ist die einzige Ausnahme.

„Hurra – wir heiraten“

Auch dem Thema Heiraten stand ich bislang sehr ambivalent gegenüber. Diese ganzen Gefühle, diese hohen Erwartungen an einen einzigen Tag und die teilweise monatelangen Vorbereitungen waren mir einfach völlig suspekt. Einladungen basteln, Tischordnungen erstellen, Brautkleid aussuchen. Das ist ganz schön viel Aufwand, fand ich.

Wenn man nun aber die 30 überschritten hat, werden die Einschläge im Freundeskreis häufiger. „Hurra, wir heiraten“ – das höre ich nun öfters. So flatterte Anfang des Jahres auch die Einladung von einer lieben Schulkameradin in meinen Briefkasten. Es kam nicht überraschend, sie hatte mir schon viele Monate zuvor erzählt, dass sie ihren Mann nach dem Standesamt nun nochmals bei einer kirchlichen Trauung das Ja-Wort geben möchte. Sie freute sich – und ich freute mich mit ihr.

Hörzsturz und Langeweile

Gleichwohl war ich mir nicht so sicher, ob ich bei einem solchen Tag nicht den völligen Kitsch-Overkill bekomme. Ich war in den vergangenen Jahren auf einigen Hochzeiten – und nun ja, es waren nur wenige dabei, bei denen ich Spaß hatte, es keine überlangen Reden gab, keine schrägen Spiele auf dem Programm standen oder schlechte DJs für einen Quasi-Hörsturz sorgten.

Ich hatte also eine gewisse Skepsis. Und dann war ich dank einer Handverletzung viel zu spät dran. Um 14 Uhr sollte die Trauung beginnen, „Ankunft 14.04 Uhr“ zeigte irgendwann das Navi. Da hätte ich einfach mal gerne geheult. Ich sah mich schon viel zu spät in die Kirche kommend, hörte schon die knarrende Holztür, alle Blicke dabei auf mich gerichtet.

Ergriffen von der ersten Sekunde

Ich kam letztlich 14.02 Uhr an, die Kirchentür stand glücklicherweise noch offen, ich setzte mich schnell in die letzte Reihe – und es passierte etwas Unvorhergesehenes mit mir: Eine junge Frau sang so unendlich schön, dass ich einfach nur da saß und völlig ergriffen war – und nichts dagegen tun konnte.

„Ziel einer langen Reise“

Es sollte nicht das einzige Mal an diesem Tag bleiben. Als später Melodie und Text von „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stillern erklangen, musste ich wieder das Taschentuch zücken. Und als der Bräutigam später eine wirklich sehr schöne Rede hielt, war ich erneut so ergriffen, dass ich die Tränen nicht aufhalten konnte.

Ich muss gestehen: Die Hochzeit war perfekt, ein wunderschöner Tag, und jede einzelne Vorbereitung, die die Beteiligten investierten, hatte sich ausbezahlt. Als ich am späten Abend nach Hause fuhr, schwirrte in meinem Kopf: Bei Kitsch bin ich weg. Nach wie vor. Aber bei schönen Dingen bleibe ich.

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2 thoughts on “Heimat: “Hochzeit”

  1. Prinz_William sagt:

    Und wann hast Du vor selbst zu heiraten?

    1. Miriam Steinbach sagt:

      Haha! Derzeit verspüre ich keine Eile ;)

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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