23. Juli 2016

Heimat: “Freunde”

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Juhu!

Ich sitze hier und warte. Gleich kommt eine meiner besten Freundinnen, wir kennen uns noch von Schulzeiten. Erst ging sie nach dem Abitur nach Stuttgart, dann nach Berlin, nun lebt sie in Hongkong. Endlich sehen wir uns wieder, mehr als 18 Monate sind seit unserem letzten Aufeinandertreffen vergangen, das ist ganz schön lange. Zum Glück gibt es Skype, Facebook und whatsapp. So haben wir mehr Kontakt, als ich es mit manchen Freundinnen in Karlsruhe habe.

Sprachlos am Tisch

Ohne meine Mädels aus Schulzeiten könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen. Das klingt nun vielleicht ganz schön theatralisch, ist aber so. Vor kurzem war ich für die Arbeit zur Fortbildung in München. Dort war ich abends mit einem Mädchen essen, sie erzählte mir, dass sie keine Freundinnen mehr bräuchte, sie hätte ja ihren Freund. Das hat mir wirklich die Sprache verschlagen.

Zack, weg!

Ich hatte auch mal eine lange Beziehung, in der ich dachte: Nur der Tod kann uns trennen. Das dachte ich ganz schön lange, dann wachte ich eines Morgens auf und war mir ziemlich sicher, dass ich mein Leben nun doch anders möchte. An diesem Gedanken konnte ich gar nichts ändern. Die rosarote Brille war weg, ich einfach nicht mehr verliebt. Das war zunächst ein ganz schönes Chaos und auch ein bisschen Drama. Aber zum Glück hatte ich meine zwei tollen Freundinnen, die mir halfen, die Kisten zu packen, mit mir mein WG-Zimmer strichen, Ikea-Möbel mit aufbauten und nächtelang mit mir durch Clubs tanzten.

Mit meinen engsten Freundinnen bin ich inzwischen seit mehr als 20 Jahren befreundet. Selbst Distanzen konnten da nichts daran ändern. In all den Jahren kamen bei bei uns allen einige Männer und gingen – die Freundschaft aber blieb. Natürlich hatten wir auch mal Krisen, aber es waren kleinere, die man immer klären konnte und die nie so tief gingen, dass es tatsächlich am Fundament kratzte.

Kopf aus!

Viel zu viel hängt auch dran. Sie kennen mich in und auswendig, ihnen muss ich nichts beweisen. Sie wissen noch, wie ich mit Zahnspange aussehe, mit grünen, schlecht geschittenen Hosen und BVB-Schal. Bei ihnen kann ich einfach losreden, ohne eine Sekunde nachdenken zu müssen, was ich da eigentlich sage. Das ist im stressigen Alltagstrubel, wo es ständig darum geht, etwas beweisen zu müssen, Sinnvolles zu sagen, gar nicht so selbstverständlich. Einfach mal nur Quatsch reden, das geht nur mit ihnen.

Außerdem haben sie mir in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie selbst in der größten Not stets da sind. Nachts um 4 Uhr ans Telefon gehen, wenn es einem nicht gut geht, oder einen durch die ganze Stadt kutschieren, wenn man seinen Schlüssel verloren hat. So haben selbst schwere Zeiten immer etwas Positives ans Licht gebracht.

Und nun sitze ich hier und freue mich auf die Freundin aus Hongkong. Mit ihr die nächsten Tage Zeit zu verbringen, heißt einfach: Das Leben ist schön, egal was wir machen.

Selbstverständlich verbringen wir alle auch trotzdem gerne Zeit mit Männern. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus. Schließlich ist das Leben eine Wundertüte – und mit den Mädels lässt sich so manche Überraschung deutlich besser analysieren.

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One thought on “Heimat: “Freunde”

  1. Sabine sagt:

    Hey, toll geschrieben! Bin gerade, ich weiß nicht mehr wie auf deinen Blog gestoßen. Dies war der erste Artikel den ich gelesen habe. Sehr schön. Habe vor ein paar Monaten begonnen einen Blog zu schreiben und einer meiner ersten Einträge war über das selbe Thema…. Freundinnen sind einfach das beste und Wichtigste im Leben…. So, jetzt klicke ich mich mal weiter durch deinen Blog. Ich bin übrigens auch aus KA :-)
    Viele Grüße Sabine

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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