7. September 2016

Kurioses: “Computerspiele”

konsole

Schlaflos in Karlsruhe

Seit geraumer Zeit kann ich nachts nicht mehr schlafen. Schuld daran ist mein neuer Nachbar. Ich habe ihn zwar noch nie gesehen, aber in meinem Kopf ist es ein Mann – mit leichtem Bart, kurzem Haar und grauem T-Shirt.

Monster-Jagd per excellence

Als er Anfang August in die Wohnung im Nebenhaus einzog, es rumpelte und krachte, war ich zunächst noch positiv eingestellt. Jeder hat eine Chance verdient, dachte ich mir. Doch dann fing es an. Quietsche-Schreie, Pistolengewitter, Geknattere. Monster-Jagd per excellence – virtuell, auf vollster Lautstärke, die ganze Nacht. Ich bin wach!

Dumm!

Ich muss gestehen: Ich habe generell ein sehr ramponiertes Verhältnis zu Computerspielen. Daran bin ich ehrlicherweise ein wenig selbst schuld. Als ich mit Anfang 20 einen sehr netten Freunde hatte, dachte ich euphorisch vor einem Weihnachtsfest: Ach, der Herr spielt so gerne Playstation. Das wäre ein super Geschenk. Eine Spielkonsole, nur für ihn alleine.

Das war eine ganz tolle Idee. Von nun an musste ich mir um eine männliche Ansammlung in unserer Wohnung keine Sorgen mehr machen. Es klingelte im Abendtakt. Auf der Couch saßen dann die Herren, zockten Fifa, bestellten sich Pizza und tranken ein Bier nach dem anderen. Das war Romantik pur.

Dialektik: impossible

Aber nicht nur abends, während ich tagsüber am Esstisch saß, mich mit soziologischen Theorien von Emile Durkheim, Pierre Bourdieu oder Max Weber plagte, Thesen und Anti-Thesen von Hegel durch meinen Kopf wirbelten, kurvte mein Ex-Freund über Rennbahnen, rutschte als Lionel Messi über den Rasen oder ermordete Zombies. Ging es nicht mehr weiter, flogen nicht Gedanken, sondern Controller durch die Luft. Error. Fail. Game Over. Restart.

Nix hilft

Auch bei meinem Nachbar scheint der Spielerfolg keineswegs konstant. Manchmal poltert es mehr, manchmal weniger. Aber immer laut genug. Ohropax, Baldrian, Meditation. Besen. Ich habe alles versucht, ohne Erfolg.

Anarchie der Klingelknöpfe

Lebten wir unter einem Dach, würde ich klingeln. Denn da wüsste ich, wo. Das Problem: Im Nebenhaus gibt es keine Ordnung, dort herrscht Klingelknöpfe-Anarchie. Ich müsste mich von links nach rechts durchprobieren und jeden Versuch dann so starten: „Entschuldigen Sie, sind Sie die Person, die nachts immer Ballerspiele spielt?“ Smalltalk ist Realtalk. Ich wäre der Held der Nachbarschaft.

Stattdessen habe ich meinem Nachbar nun einen Zettel geschrieben und auf die Haustür geklebt. Mit Lila-Stift und rosa Umrandungen. Hallo, hier spricht ein Mädchen, lautet die subtile Message. Ich brauche acht Stunden Schlaf, mindestens. Offensichtlich steht nun da: „Lieber Bewohner des 2. OG. Seit geraumer Zeit schlafe ich sehr schlecht. Bitte töten Sie Ihre Monster leiser, biiiittttttte.“

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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