20. Oktober 2016

Kurioses: “Brügge/Westf”

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Vorerst nix mit Waffeln

Manchmal bin ich einfach zu schnell. Vor allem beim Klicken im Internet und beim Benutzen meines Handys. Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Ich verschickte beispielsweise in den vergangenen Jahren schon einige Nachrichten an die falschen Menschen. Dadurch verkürzte ich romantische Beziehungen oder schrieb männlichen Vorgesetzten versehentlich Dinge, die sie erröten ließen. Das Wiedersehen im Büro war dann, nun ja, sagen wir mal so: unter Spannung.

Auch diese Internet-Welt ist nicht hundertprozentig für mein Klickverhalten konzipiert. Während ich gedanklich schon drei Seiten weiter bin, kommt dieser kleine schwarze Pfeil nicht hinterher, das regenbogenfarbene Rädchen taucht auf, dreht sich, dreht, dreht, dreht, dreht, dreht,

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dreht sich. Imaginär flog mein Laptop schon einige Male aus dem Fenster.

Abenteuer Alltag – deluxe

Meine beste Freundin sagt: „Miriam, ich wüsste wirklich gerne, was in deinem Kopf vorgeht.“ Das frag ich mich tatsächlich auch. Vor allem wenn solche Dinge wie mit Brügge passieren. Wäre mein Leben eine Seifen-Oper, wäre diese Folge eindeutig tragi-komisch. Ihr Titel: „Abenteuer Alltag – deluxe“.

Läuft.

Ich buchte diese Zugreise in die hübsche belgische Stadt an einem Sonntagabend. Es war kein Alkohol im Spiel, ich war komplett nüchtern, lediglich räumlich getrennt von meiner Begleitung. Wir kommunizierten über unsere Smartphones, stellten fest: Es gibt Verbindungen nach Brügge, die drei Stunden brauchen, aber auch welche, die mit Umsteigen deutlich länger unterwegs sind. Aber alle gingen sie über Köln.

Ich suchte mir eine günstige Verbindung um 9.27 Uhr, meine Freundin kurz später, denn: andere Bahnkarte, andere Angebote. Umsteigen in Köln und Hagen stand da bei mir, alles klar, dachte ich. Läuft. Dritter Umstieg in „Rummenohl“. Das sagte mir zwar nix, aber das ist bestimmt in Belgien, ich war mir sicher.

Ganz wichtig: Proviant

So machte ich mich auf zum Karlsruher Hauptbahnhof – voller Vorfreude auf das Verreisen mit der Eisenbahn. Meinen kleinen Koffer schleifte ich hinter mir her, den Rucksack hatte ich voller Zeitungen, süßen Stückchen, Wasser und KAFFEE.

Es lief alles nach Plan, ich bekam den Anschluss in Köln, den in Hagen. Dann wurde es aber komisch. In Rummenohl sprachen immernoch alle noch Deutsch, ich war verwirrt. Wann und wo genau passieren wir eigentlich die Grenze? Das fragte ich mich langsam ernsthaft. Nur noch eine halbe Stunde war Brügge laut meinem Ticket entfernt. Und jetzt gab es in Rummenohl auch noch Schienenersatzverkehr. Alle aussteigen. Busfahren. Och nöööö. Ich fluchte.

Nur Schüler und Senioren

14.35 Uhr. Mit dem Koffer drückte ich mich in den Bus – Richtung Lüdenscheid. Ich schaute mich um, sah nur Senioren und Schüler. Was ist denn hier los? Meine Alarmglocken schrillten. Irgendwas stimmt nicht, ich war mir sicher. Aber was? Ich tippte vorsichtig einem älteren Herren vor mir an die Schulter. „Ist das der Bus nach Brügge?“ Er schaute mich skeptisch an und brummelte „Ja, ja.“ Ich war beruhigt. Machte es mir bequem, holte mein Buch heraus, freute mich auf Waffeln und Pommes.

Eine Minuten nach der anderen verstrich und wir tuckerten immernoch mit dem Bus über deutsche Landstaßen. Meine Panik kehrte zurück. Ich holte nochmals mein Ticket aus der Tasche, inspizierte es genau. Doch, alles richtig.

Läuft gar nicht

15.01 Uhr. Brügge. Ankunft. Ich schaute den Busfahrer an. „Wir sind doch noch in Deutschland“, sagte ich völlig verwirrt. „Ja, natürlich, wo sollen Sie denn sonst sein, junges Fräulein?“, fragte er mich völlig verduzt. „In Belgien?!“, sagte ich. „Na, dann sind Sie hier falsch – das ist Brügge/Westfalen.“

 

 

Epilog: Ich mag nicht flunkern

Wäre mein Leben eine Seifen-Oper, wäre diese Folge genauso passiert. Im echten Leben bemerkte meine Freundin den Irrtum aber gerade noch rechtzeitig, bevor ich auf Bestätigen drückte. Ich verreiste also gradlinig mit der Eisenbahn. Aber diese Geschichte spukte seither in meinem Kopf – und musste raus. Ich bin mir sicher, meine Reise nach Brügge/Westfalen wäre genauso verlaufen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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